Varus goes App: Der digitale Raum erobert den Park

Mit dem Scanner das Vergangene aus der Erde holen oder einen 2000 Jahre alten Römer wieder zum Leben erwecken? Klingt nach Sciencefiction oder Jurassic Park, ist aber keines davon. Was wir gerade entwickeln ist wesentlich spannender (und zum Glück weniger gefährlich).

Wer uns auf den Social Media Kanälen folgt, hat es schon mitbekommen: Es tut sich etwas Großes in Sachen Digitalisierung. Vor kurzem konnten wir den aktuellen Stand der Dinge in Berlin auf der Werkschau des Verbundprojektes Museum4Punkt0 vorstellen – sehr zu unserer Freude, der aller Verbundpartner und sogar der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Claudia Roth.

Aber langsam. Worum geht es überhaupt?

Es geht um nichts geringeres, als den Museumspark in einen digitalen Erlebnisraum zu verwandeln. Dank der Unterstützung durch das Verbundprojekt Museum4Punkt0 konnten wir bereits in 2020 mit unserem Teilprojekt „Tracking the Past“ beginnen (weitere Infos zum gesamten Verbund und zu den anderen Teilprojekten gibt es hier: www.museum4punkt0.de). Zunächst war geplant, die Leere des Parkes zu füllen und an drei beispielhaften Stationen die Funde und die Forschung sichtbar und begreifbar zu machen.

Dieser Plan hatte aber nicht allzu lange Bestand: Um die Frage nach dem Inhalt dieser Stationen beantworten zu können, haben wir uns intensiv mit unseren Besuchern auseinandergesetzt. Was erwarten sie von einem Besuch im Park? Welche Fragen sind interessant? Ein Finn, der 8 Jahre alt ist, findet andere Dinge spannend als ein Lars, der Geschichte studiert hat und schon selbst ein Experte für die Varusschlacht ist. Gar nicht so einfach ein so unterschiedliches Publikum mit nur einer App unter einen Hut zu bringen…

Kurzerhand wurde die Idee von nur drei Stationen über Bord geworfen. Stattdessen sind nun 48 digitale Kontexträume im Park entstanden, die Aufschluss geben über die Funde, die Grabungen, die Forschung und vieles mehr. Diese Kontexträume verbinden die geografischen Daten der Fundorte mit den Informationen über die Funde selbst. Als Besucher kann man sich nun durch den Park leiten lassen und die archäologischen Objekte genau dort „ausgraben“ wo sie gefunden wurden. Hat man sich nah genug heranbewegt, lässt sich der Fund einsammeln – und schaltet alle Infos frei, sowie verschiedene verknüpfte thematische Parktouren, Spiele und einiges mehr. Wer sich jetzt ein bisschen an Pokémon Go erinnert fühlt, der hat nicht ganz Unrecht. Spielerisch ist unsere App auch angelegt. Man muss sich durch den Park bewegen und kann sich die Funde, die Spiele und einiges mehr in der Augmented Reality-Ansicht anschauen. Pokémon findet man bei uns aber keine. Dafür aber den einen oder anderen Römer, dem man virtuell begegnet. Und natürlich jede Menge Funde. „Gotta catch 'em all“ passt hier also auch.

Auf der Werkschau am 24. Juni 2022 in Berlin konnten wir unseren aktuellen Stand präsentieren. Unter dem Motto „Wie können Museen mit AR erweitert werden?“ haben wir die Möglichkeiten von Augmented Reality im musealen Außenraum präsentiert – und jede Menge Interesse erzeugt. Auch andere Museen mit einem weitläufigen Außenraum interessieren sich für unser Projekt. Gerade, wenn es um sensibleThemen wie zum Beispiel ein Schlachtfeld geht, ist es sehr unpassend die Leere in einen vergnüglichen Freizeitpark zu verwandeln. Hier bietet AR einen guten Zugang, der verschiedene Ansätze vereint und dennoch einen offenen Assoziationsraum bestehen lässt.

Aber bei aller Schwere des Themas, sollte man doch nicht vergessen, dass Forschung auch Spaß machen kann. So haben wir auch die spielerischen Zugänge innerhalb der App präsentieren können. Zum einen kann man als Nutzer die einzelnen Forschungsschritte spielend selbst nachvollziehen (dazu nächstes Mal mehr), zum anderen gibt es auch Belohnungen. In der Forschung wird man mit neuen Erkenntnissen belohnt – in der App gibt es auch etwas zum Mitnehmen: Ein Selfie mit der berühmten Maske ist nur eine dieser Belohnungen. Diese hat übrigens unter anderem auch Claudia Roth Spaß gemacht, als sie den Prototypen der App an unserem Stand ausprobiert hat. Der Ausflug nach Berlin war ein Erfolg auf ganzer Linie!

Von drei Stationen zu 48 Kontexträumen – das Projekt ist riesig gewachsen. Kein Wunder also, dass es nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit noch nicht abgeschlossen ist. Trotzdem ist der Zeitpunkt für diesen Beitrag nicht zufällig gewählt. Die Fertigstellung rückt näher. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird die Varus App für den Park (kurz VAP) pünktlich zum Saisonstart des guten Wetters im März/April 2023 veröffentlicht werden. Dann können sich die Besucher selbst auf die Jagd nach den Funden machen, sie bergen, restaurieren und auswerten und somit selbst zu Forschenden werden. Bis dahin halten wir euch auf dem Laufenden. Die Entwicklung ist noch nicht zu Ende.

To be continued…

von Stephanie Böcker

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