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Wir zeigen euch unsere Funde - Unser Numismatiker präsentiert seine aktuelle Lieblingsmünze

11. augustus 2020 | Museumsblog | 0 comments

Das Vorbild aus Pergamon: Cistophor, Pergamon, ca. 166–160 v. Chr., Kleiner – Noe 1977, Series 7. Bibliothèque nationale de France, département Monnaies, médailles et antiques, 1966.453.2537

Wir zeigen euch unsere Funde - Unser Numismatiker präsentiert seine aktuelle Lieblingsmünze

Sich als Numismatiker*in nur eine Lieblingsmünze auszusuchen ist natürlich nicht einfach. Man soll ja auch kein Lieblingskind haben!

Aber eine Münze, die es mir schon seit Jahren angetan hat, kommt aus Kleinasien, der heutigen Türkei. Cistophoren sind die Silbermünzen der Königsdynastie der Attaliden, beheimatet im Pergamon des 2. Jh. v. Chr. Cistophoren heißen sie deshalb, weil sie eine so genannte Cista Mystica zeigen, einen Weidenkorb aus dem Dionysoskult. Und „phoros“ heißt tragen, sie sind also die „Kiste tragenden (Münzen)“.

In Kalkriese kommen solche Münzen natürlich nicht vor. Umso mehr hab‘ ich mich gefreut, als ich gleich bei meinem ersten Besuch im Magazin des Museums diese kleine Silbermünze gesehen habe. Denn auf dem Revers, der Rückseite, zeigt dieser Quinar wie die attalidischen Cistophoren eben diese Namensgebende Kiste. Darüber steht Victoria, die Siegesgöttin. Als beschreibende Legende steht ASIA RECEPTA auf der Münze.

 

Im Depot entdeckt: Quinar ASIA RECEPTA

Auf dem Avers, der Vorderseite, sehen wir den Kopf des Oktavian (noch ist ihm der Beiname Augustus nicht verliehen worden) nach rechts, mit CAESAR IMP VII umschrieben. Oktavian trägt seit der testamentarischen Adoption durch den berühmten C. Iulius Caesar traditionsgemäß dessen Namen, die siebente Ausrufung zum Imperator fällt in das Jahr 30 v. Chr., die Münze wird in die Jahre 29–27 v. Chr. datiert.

Dieser Quinar, ein halber Denar, zelebriert also den Sieg des Oktavian über seine Rivalen Marc Anton und Kleopatra, und die Wiedergewinnung der asiatischen Provinzen und Klientelstaaten für das römische Volk. Die Cista Mystica und die Legende verweisen direkt auf Asia, wo auch schon die Cistophoren geprägt worden waren.

von Max Resch

 

Quinar des Oktavian, Rom oder Brundisium, 29–27 v. Chr., RIC I² 276 (Augustus)

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