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Nelly - der Museumshund

21. augustus 2019 | Museumsblog | 0 comments

Nelly - der Museumshund

Mein Name ist Henny Pfeffer, und ich arbeite als Gästeführerin (u. a.) im Museum und Park Kalkriese. Und ich habe einen Hund. Nelly ist eine Airedale-Terrier-Hündin, jetzt im August 2019 ist sie acht Monate alt und … der Museumshund.

Als Mitte Februar unsere Hündin Liese starb, war meinem Mann und mir sehr schnell klar, dass wir wieder einen Hund haben wollten. Uns fehlte Liese schrecklich, aber wir vermissten auch die Spaziergänge und den vom Hund getakteten Tagesablauf. Es war so furchtbar still geworden im Haus. Schnell fanden wir über das Internet Kontakt zu einer guten Züchterin, die Airedale-Welpen im passenden Alter hatte. Wir fuhren also nach Hamm/Westfalen und kamen mit der süßen, 12 Wochen alten Nelly wieder nach Hause.

Da unsere Kinder bereits ausgezogen sind, müssen mein Mann und ich uns absprechen, um die Zeiten, an denen der kleine Hund allein zu Hause ist, im vernünftigen Rahmen zu halten.

Schon eine Woche später nahm ich deshalb Nelly mit nach Kalkriese. Auf dem Terminplan stand ein Arbeitstreffen mit den Kolleginnen und Kollegen. Diesmal ging es um das Konzept einer neuen Führung im Grabungscamp, das erarbeitet werden sollte. Da wir unter uns waren, konnte ich es riskieren, den kleinen Hund mitzubringen. Im schlimmsten Fall würde ich das Treffen frühzeitig wieder verlassen. Aber das war gar nicht nötig. Nelly machte sich kurz mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bekannt (sie drehte eine Runde um den Tisch), dann legte sie sich auf die mitgebrachte Decke und schlief ein. Ich stellte fest, dass wir einen ziemlich ausgeglichenen Hund erwischt hatten!

Die Arbeitstreffen der Gästeführerinnen und Gästeführer sind oft lebhafte Zusammenkünfte, es wird gelacht, gearbeitet, gestritten, Inhalte werden auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, ab und zu haut auch mal jemand mit der Faust auf den Tisch. So auch diesmal: es wurde laut. Was machte Nelly? Sie gab einen Laut von sich, der sich anhörte wie eine Mischung aus einem Brummen und einem Seufzen. Alle am Tisch mussten lachen und hatten verstanden: „Nicht so laut!“

Im GrabungsCamp

Im gesamten März konnte ich die Anzahl meiner Führungen zum Glück reduzieren, um bei dem kleinen Hund zu bleiben, aber im April musste sie schon das eine oder andere Mal allein zu Hause bleiben. Das hatte leider bei der Inneneinrichtung und bei einigen beweglichen Gegenständen in unserem Haushalt bedauernswerte Schäden zur Folge, aber wir haben Nelly natürlich alle gefressenen Bücher (drei) verziehen.

Die erste Führung, bei der Nelly mich begleitete (Mitte April), war das Kochprogramm beim „Tag als Legionär“. Die Gruppen, die den „Tag als Legionär“ buchen, verbringen mindestens sechs Stunden im Museum und Park Kalkriese und lernen das Leben der Legionäre kennen: es wird das Zelt aufgebaut, marschiert, exerziert, es geht in die Dauerausstellung. Dann wird der Legionär eingekleidet und ausgerüstet, und es wird der Weizenbrei der Römer, der Puls, gekocht. Meine Aufgabe ist es, mit der Gruppe an der Feuerstelle über die Verpflegung der römischen Legionäre zu sprechen, die Schülerinnen und Schüler dürfen dabei aber auch aktiv mitmachen, Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden und den Brei im Kessel über dem Feuer umrühren. Vor allen Dingen haben sie nach einer Stunde Kochzeit die Gelegenheit, den nach antikem Rezept gekochten Puls zu probieren.

Nelly begleitete mich an die Feuerstelle, sie wurde an einem in der Nähe stehenden Baum angebunden und schaute zu. Die Schulklasse war natürlich im Vorfeld informiert und einverstanden. Und der kleine Hund fand die vielen Kinder sehr interessant. Da diese aber auf die Kochführung konzentriert waren, wurde es Nelly irgendwann zu langweilig und sie fing an, den Baum auszugraben. Zum Glück kam sie nicht weit. Die Führung war zu Ende.

Mitte Mai tauchte dann ein anderes Problem auf, ich konnte Nelly nicht mehrere Stunden lang allein zu Hause lassen, ich konnte sie aber auch nicht in die Führungen in Dauer- und Sonderausstellung mitnehmen. Die Lösung fand sich in der Verwaltung: Nelly wurde zu einer freundlichen Mitarbeiterin ins Büro gebracht und dort an den Schreibtisch angebunden.


Die wohlverdiente Pause für Nelly

Anfang Juni kam Nelly das erste Mal mit ins Grabungscamp und Grabungsbüro. Dort haben die Gruppen aktive Programme: im Grabungscamp werden in nachgestellten Grabungsflächen die Repliken der tatsächlichen Fundstücke der Dauerausstellung „archäologisch“ freigelegt und im Grabungsbüro erfolgt dann anhand von Arbeitszetteln die Bestimmung der Funde. Auch hier war es im Einverständnis mit den Lehrerinnen/Lehrern kein Problem, dass der Hund etwas abseits vom Geschehen die Führung begleitete. Im Gegenteil, da die Schulklasse mit Feuereifer an die Arbeit ging, um die Funde freizulegen, wurde Nelly gar nicht zur Kenntnis genommen. Sicherlich hätte sie gern mitgegraben!

Viele Schulen nutzen die Zeit vor den Sommerferien für Ausflüge nach und Führungen in Kalkriese, und die Gästeführerinnen und Gästeführer haben im Mai, Juni und Juli viel zu tun. Deshalb hat Nelly schon einige Stunden bei den netten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung verbracht, aber auch einige Führungen mit den Schulklassen erlebt.

Wenn ich, was durchaus häufiger vorkommt, ohne Hund zu meinen Führungen komme, werde ich mittlerweile oft angesprochen, was denn der Museumshund macht. Nelly geht es gut, sie hat viel dazu gelernt und sie hat ihr freundliches Wesen beibehalten.

Vielleicht wird man sie auch in Zukunft noch das eine oder andere Mal im Museum und Park Kalkriese sehen.

von Henny Pfeffer

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