Font size

Museumsblog

Laetitia, die Fröhliche!?

08. maart 2019 | Museumsblog | 2 comments

Hallo, ich bin die Neue! Oder eigentlich auch nicht. Ich bin nämlich schon lange hier - sehr lange, viel länger als das Museum. Mein Name ist Laetitia und ich geistere seit über 2000 Jahren an diesem Ort umher. Ich war Händlerin im Tross des Varus, als es hier in Kalkriese zur Katastrophe kam. Leider habe auch ich die Angriffe der Germanen nicht überlebt und da der Fährmann mich nicht mit ins Totenreich genommen hat, kehrte ich als Geist zurück an diesen Ort.

Bis zum letzten Herbst wusste niemand von mir, aber nachdem mich ein paar Besucher zufällig aufgespürt hatten, konnte ich feststellen, wie nett und freundlich die Leute heutzutage im Barbaricum sind! Seitdem freue ich mich darüber, wenn ich mal wieder nicht vorsichtig genug war und mir plötzlich Leute gegenüberstehen, die von mir etwas zu den Geschehnissen von damals erfahren möchten.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Rom. Mein Mann und ich haben aber schon viele Jahre im Oppidum Ubiorum, der heutigen Stadt Köln, gelebt, bevor wir mit Varus ins Sommerlager zogen. Mein Mann war der beste Bronzegießer und Schmied weit und breit. Und weil sein Können und seine Dienste bei den Legionären hoch im Kurs standen, sind wir mit unseren Wagen mitgezogen als Varus mit einem Teil der Rheinarmee aufbrach, um die Macht Roms in Germanien weiter zu sichern und die Verwaltung aufzubauen.

Die Legionäre waren unsere besten Kunden und als Händlerin versprach auch ich mir gute Geschäfte in Germanien. Diese Barbaren waren ja ganz wild auf unsere Sachen. Und die Geschäfte liefen die ganze Zeit auch wirklich super - nur hatten wir nichts mehr davon!

Glauben Sie doch nicht, dass diese Barbaren bei ihren hinterhältigen Angriffen auch nur in irgendeiner Weise Rücksicht auf uns Zivilisten im Tross genommen hätten! Es wurde niemand geschont und ich habe auch nach meinem Tod ganz schön lange gebraucht, das ganze Geschehen zu verdauen.

Mittlerweile aber bin ich sogar richtig gerne in Kalkriese. Es ist nämlich etwas ganz Besonderes, verfolgen zu können, wie hier mit Leidenschaft und Feuereifer die eigene Vergangenheit aus dem Boden geholt, für die Nachwelt ausgestellt und Geschichte fast wieder lebendig wird. Natürlich könnte ich den Wissenschaftlern auch noch so einiges erzählen, was sie noch nicht wissen, aber ich lass mich von denen nie erwischen, denn schließlich will ich ihnen den Spaß an der Arbeit nicht nehmen.

Sie haben sogar etwas gefunden, das mir persönlich zu Lebzeiten gehörte. Erst wollte ich es mir zurückholen, aber mittlerweile bin ich richtig stolz, weil tausende Besucher jährlich im Museum davorstehen und staunen, wie wundervoll filigran mein Mann Dinge fertigen konnte.

Falls Sie Lust bekommen haben, selbst zu sehen, was mein Mann Schönes für mich gemacht hat und meine ganze Geschichte erfahren möchten, können Sie beim Buchungsservice einen Termin mit mir vereinbaren. Nachdem man denen nämlich von mir erzählt hat, haben Sie mich in Ihr „Programm“ aufgenommen. Ganz schön clever, denn einen Geist und Zeitzeugen hat schließlich nicht jeder im Angebot. Und ich würde mich wirklich sehr freuen, Sie kennenzulernen und eine nette Abwechslung zu meinen vielen einsamen Stunden zu haben!

von Andrea Lachermund-Lahmann

Back to overview