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Die Römer kommen (zurück)!

14. april 2019 | Museumsblog | 0 comments

Die Römer kommen (zurück)!

Illustration: Graham Sumner, Copyright Mules of Marius

Aufmarsch der Legionen – Aufbau der Sonderausstellung

Endlich war es soweit – am 30.03.2019 wurde unsere neue Sonderausstellung „Roms Legionen“ eröffnet! In der Ausstellung gibt es viel zu entdecken: Vitrinen mit Repliken zum Anfassen, Mitmachstationen, lebensgroße Illustrationen römischer Legionäre und schließlich einige Zinnfiguren-Modelle. Rechnet man allein ihre Grundfläche zusammen, sind es ungefähr 20 qm mit 10.000 römischen Legionären in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Wenn man in der fertigen Ausstellung steht, ahnt man kaum, was alles zu der Planung einer Ausstellung und ihrem Aufbau dazugehört. Deshalb wollen wir an dieser Stelle einen Blick hinter die Kulissen werfen!

Die Konzeption von Ausstellungen und die Koordination der Aufbauarbeiten liegt in der Zuständigkeit der Kuratoren der Museen. Seit 2017 bin ich als wissenschaftliche Volontärin im Museum und Park Kalkriese tätig und habe daher für die Sonderausstellung diese Aufgabe übernommen. „Roms Legionen“ ist eine Wanderausstellung, deren Inhalte nicht von Null an neu recherchiert werden mussten, die es aber galt neu zusammenzustellen, zu ergänzen und alle Ideen rechtzeitig umzusetzen. Die inhaltliche Planung und Organisation begannen schon vor einem knappen Jahr – klingt erstmal nach viel Zeit, ist es in der Realität aber nicht.

Bevor die Ausstellung angeliefert wird, muss zunächst der Raum eingerichtet werden. Daran sind nicht nur viele Mitarbeiter, sondern auch viele Handwerker beteiligt. Auf 450 qm müssen Schäden repariert, Folien verklebt, Raumteiler aufgebaut und die Wände verdunkelt werden. Eine der wichtigsten und eine sehr zeitaufwändige Aufgabe ist die Einrichtung der Beleuchtung. Die Strahler müssen so verteilt und aufgehängt werden, dass jede Vitrine, jedes Objekt und jede Texttafel im besten Licht stehen. Für die Einrichtung werden deshalb vorher die Umrisse aller Objekte im Raumplan mit Klebeband auf dem Fußboden angerissen.

Aufbau des Legionsmodells

Schließlich kam der langersehnte Tag: Endlich wurden die Container mit den Ausstellungsstücken geliefert! Für den Aufbau der Vitrinen und Modelle wurde „nur“ ein langes Wochenende eingeplant und dafür kam sogar der Leihgeber, Thomas Kurtz, aus München nach Kalkriese. Das hat natürlich seine Berechtigung, denn vor allem die Zinnfiguren-Modelle sind so empfindlich, dass sie nur von den Experten selbst aufgebaut werden, die genau wissen, wo die Tücken stecken oder wie man einen Schaden reparieren muss. Tatsächlich war der Aufbau der Modelle für die meisten Mitarbeiter das Aufregendste. Wir wurden hinterher von so vielen unbeteiligten Kollegen und Besuchern gefragt, wie lange wir gebraucht haben, um ALLE 10.000 Zinnfiguren richtig aufzustellen – allein das große Legionsmodell hat 5.300 Figuren und dort stehen die Soldaten in Reih und Glied. Jeder sah hier vor seinem inneren Auge schockstarr im Domino-Effekt eine Zenturie nach der nächsten fallen, weil jemand versehentlich eine Figur angestoßen hat.

Aber nein: Natürlich mussten wir nicht in mühevoller Kleinstarbeit alle Figuren einzeln aufstellen. Tatsächlich sind sie auf einzelnen Modellplatten aufgeklebt. Beim Aufbau ist es entscheidend, dass die einzelnen Platten passend ausgerichtet und vorsichtig eingesetzt werden. Ganz zum Schluss werden die Anschlussstellen mit Modellbau-Zubehör kaschiert – zum Beispiel mit Kunstgras oder Sand, je nachdem wie der Untergrund der Modelle gestaltet ist. Wie man sich das Einsetzen der Platten genau vorzustellen hat, könnt ihr an unserem größten Modell, der Legion, sehen.

Speziell für die Ausstellung in Kalkriese gefertigt: Überfall von Germanen auf eine Vorhut

Danach müssen alle Text- und Figurentafeln angeschraubt oder angeklebt werden, die Wandbefestigungen angebracht, Mitmachstationen ausgestattet und viele kleine „Restarbeiten“ erledigt werden.

Ganz zum Schluss wird die Beleuchtung an jedem einzelnen Objekt kontrolliert und die Ausrichtung angepasst. Die Spannung hielt sich diesmal bis zur letzten Stunde, weil das letzte Modell erst einen Tag vor der offiziellen Ausstellungseröffnung in Kalkriese ankam. Es wurde extra für diese Ausstellung angefertigt und von den Modellbauern, Patrick und Daniela Ullrich, in der Ausstellung aufgebaut.

Die Pressekonferenz und die Abendveranstaltung zur Ausstellungseröffnung bilden für alle Beteiligten einen schönen Abschluss, wenn die Ausstellung fertig ist. Die Beteiligung der Besucher, die begeistert Rüstungen anprobierten, kiloweise Mehl mahlten oder fasziniert die Details in den Modellen suchten, ist jedenfalls die schönste Bestätigung für das komplette Team!

von Nathalie Boes

Und natürlich wurden auch die Mitmachstationen von einigen Mitarbeitern
auf ihre Tauglichkeit geprüft...

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