Annika Brüggemann hat 2024/2025 ihr freiwilliges soziales Jahr im Varusschlacht-Museum absolviert. Über ihre Erfahrungen berichtet sie hier:
Zu Beginn meines Freiwilligen Sozialen Jahres im Varusschlacht-Museum Kalkriese wusste ich nicht genau, was mich erwartet, denn dies war meine erste richtige Erfahrung in der Berufswelt. Nun kann ich sagen, dass dieses Jahr eine sehr bereichernde Zeit voller spannender Eindrücke war. Während des Jahres konnte ich in unterschiedlichste Bereiche des Museumsbetriebs eintauchen. Die Kombination aus pädagogischen Aufgaben, kreativen Projekten und spannenden Seminaren hat dieses Jahr zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich habe fachlich viel dazugelernt, neue Fähigkeiten entwickelt und sowohl persönlich als auch beruflich große Schritte gemacht.
Aufgaben
Die Tätigkeiten in der Museumspädagogik waren vielfältig und deckten ganz unterschiedliche Bereiche ab. (Zu den alltäglichen Aufgaben gehörten natürlich auch ganz praktische Dinge wie Wäsche waschen oder kleine Besorgungen machen.)
Jeden Dienstag habe ich in der Friedensschule Osnabrück die Werkstatt „Varusschlacht – Geschichte erleben“ mitbetreut. Dabei wird den Kindern Wissen zum Thema Römer, Germanen, der Varusschlacht sowie Archäologie vermittelt. Gemeinsam mit einem Kollegen haben wir mit den Kindern kreative Bastelprogramme durchgeführt und spielerisch Wissen vermittelt. Es war schön zu sehen, wie interessiert viele Kinder während dem Unterricht aufpassten und bei den Bastelaufgaben mitmachten. Bei den gemeinsamen Aufgaben und Spielen entstand eine motivierte Zusammenarbeit, die das Gemeinschaftsgefühl stärkte. Diese Arbeit hat mir gezeigt, wie wichtig Bildung auf Augenhöhe ist und wie viel Freude pädagogische Arbeit machen kann.
Bei verschiedenen Tagesprogrammen im Museum war ich regelmäßig als Unterstützung eingebunden. Am häufigsten habe ich dabei das Programm „Fibeln biegen“ und „Weben“ übernommen und kann dies nun auch mit geschlossenen Augen tun.
Besonders im GrabungsCamp sowie im ForscherLabor war ich oft aktiv am Helfen. Dort können die Kinder lernen, wie eine archäologische Ausgrabung und die Forschungsarbeit abläuft. Durch die Arbeit im GrabungsCamp und bei Tagesprogrammen konnte ich einen guten Einblick in den Bereich der Museumspädagogik gewinnen.
Auch auf einer echten archäologischen Grabung durfte ich mitarbeiten. Dabei habe ich mitgeholfen, die Ausgrabungsfläche vorzubereiten, zu graben und technische Geräte aufzubauen und einzusetzen.
Zudem habe ich bei verschiedenen Projekten mitgearbeitet, wie der Überarbeitung und Neukonzeption der Führungen im GrabungsCamp beziehungsweise im ForscherLabor, für das ich Tierskelette gezeichnet habe. Ein weiteres großes Projekt war der Abbau der Sonderausstellung „Dressed“, bei dem ich beim Verpacken und Verstauen des Ausstellungsmaterials half. Zudem habe ich eine detaillierte Liste des Materials geschrieben.
Meine Lieblingsaufgabe bestand darin, Zeichnungen für die Museumspädagogik anzufertigen. Die vier Zeichnungen stehen im Zusammenhang mit der Varusschlacht und stellen einen Germanen, einen Legionär, einen Legionär mit Maultier und Legionäre mit Marschgepäck dar. Diese Zeichnungen nahmen viel Aufwand und Zeit in Anspruch. Im Endeffekt habe ich mich dazu entschlossen diese offiziell als mein persönliches FSJ - Projekt anerkennen zu lassen. Das war für mich eine tolle Möglichkeit, meine Interessen mit der Arbeit zu verbinden. Ich konnte dabei nicht nur künstlerisch aktiv sein, sondern auch erleben, wie meine Arbeit im Kontext des Museums genutzt wird. Dies gab mir mehr Motivation so etwas auch in der Zukunft anzustreben.
Die größte Veranstaltung des Museums in diesem Jahr – und definitiv das Highlight meines Freiwilligen Sozialen Jahres - waren die Römer- und Germanentage. Dort war ich als Helferin tätig und unterstützte in verschiedenen Programmen, die dort angeboten wurden, wie dem Münzprägen und Ehrenkranz basteln. Auch den Parkplatzdienst habe ich für einige Zeit übernommen.
Seminare
Insgesamt habe ich an fünf spannenden Seminaren teilgenommen. Neben dem Erfahrungsaustausch mit anderen Freiwilligen konnte ich dort viele neue Dinge in den kreativen Workshops ausprobieren, wie Siebdruck und Steinbildhauerei. Außerdem haben wir über gesellschaftliche Themen diskutiert und unser Programm in der jeweiligen Woche darauf fokussiert. Besonders hilfreich war für mich das Wahlseminar zur „Mappenvorbereitung“, das mir geholfen hat, mich auf meine eigene Bewerbung für ein Kunststudium vorzubereiten. Im Wahlseminar habe ich Tipps erhalten, worauf man beim Erstellen einer Mappe achten muss. Viele meiner Fragen sind dort beantwortet worden und ich habe Feedback zu meinen Arbeiten bekommen. Dies war ein wichtiger Faktor bei der Erstellung meiner Kunstmappe und darin, dass diese angenommen wurde.
Die Seminarwochen waren für mich nicht nur lehrreich, sondern auch sozial sehr bereichernd, denn ich habe viele großartige Menschen kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen.
Persönliche Entwicklung und das Team
Rückblickend hat mich mein Freiwilliges Soziales Jahr auf vielen Ebenen weitergebracht. Es war mein erster richtiger Einblick in die Arbeitswelt und ich habe viel darüber gelernt, wie Berufe funktionieren. Sowohl die Herausforderungen aber auch die vielen schönen Momente. Ich bin im Laufe des Jahres deutlich selbstständiger geworden und habe gelernt Verantwortung zu übernehmen und mit neuen Situationen umzugehen. Auch meine soziale Entwicklung hat einen großen Sprung gemacht. Zu Beginn meines FSJ war ich zurückhaltend und wusste nicht, was ich darf und was nicht, wodurch ich mich vieles nicht traute. Jedoch bin ich durch die Arbeit mit Kolleg:innen, Besuchenden und Schulklassen viel offener und kommunikativer geworden.
Schön war auch, dass ich mich im Team des Museums immer willkommen gefühlt habe. Die Kolleg:innen waren alle stets freundlich, hilfsbereit und haben mich von Anfang an gut aufgenommen. Während des Jahres gab es außerdem viele Praktikant: innen in der Museumspädagogik mit denen ich mich gut verstanden habe, wodurch auch Freundschaften entstanden sind.
Fazit
Das letzte Jahr war eine bereichernde, vielseitige und prägende Zeit, die mir viele neue Perspektiven eröffnet hat. Im Rahmen meines FSJ konnte ich meine kreative Seite einbringen und Zeichnungen anfertigen, die thematisch zum Museum passen. Meine Kolleg:innen haben mein Jahr in der Museumspädagogik bedeutsam gemacht. Ich habe viel ausprobiert, mitgestaltet und gelernt. Ob in der Museumspädagogik, bei Veranstaltungen, bei der Arbeit mit Kindern oder im kreativen Bereich, ich konnte mich immer irgendwie mit einbringen.
Mein FSJ hat mir nicht nur berufliche Orientierung gegeben, sondern auch persönlich viel mit auf den Weg gegeben. Ich bin sehr dankbar für die vielen Erfahrungen, Begegnungen und Möglichkeiten, die ich in diesem Jahr hatte.
Nun plane ich ein Zwei-Fächer Studium in Kunstpädagogik und Informatik. Das Jahr hat mir geholfen, mich für dieses Studium zu entscheiden und eine Kunstmappe anzufertigen, die mir diesen Weg ermöglicht hat.
Ein herzliches Dankeschön geht an das gesamte Team des Museums, das mich in diesem Jahr so herzlich aufgenommen und unterstützt hat.