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Museumsblog

Wissenschaft hautnah - Praktikum im Museum

24. März 2020 | Museumsblog | 0 Kommentare

Finja Neumann und Katrin Habben

Bereits zum zweiten Mal in Folge konnten wir im letzten Jahr Schülerinnen vom Gymnasium Ulricianum Aurich bei uns begrüßen, die als Praktikantinnen mit einem Stipendium der Auricher Wissenschaftstage zwei Wochen unsere archäologische und museumspädagogische Arbeit begleiteten und unterstützten. Was sie dabei erlebt haben, schildern sie in einem Blogbeitrag: 

„Am Sonntag, den 06.10.2019 sind wir, Katrin Habben (GE903) und Finja Neumann (EN902), eine Stunde später als eigentlich geplant in Venne, Ostercappeln angekommen. In Venne wurden wir freundlich und hilfsbereit von den Vermietern unserer Ferienwohnung, die in den nächsten zwei Wochen unser Zuhause darstellte, empfangen.

Am Montag fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Fahrrad ins vier Kilometer entfernte Kalkriese. In dem kleinen Ort bei Bramsche durften wir dank der Auricher Wissenschaftstage unser zweiwöchiges Praktikum verbringen. Für uns war es ungewohnt, in einer bergigen Landschaft Fahrrad zufahren. Als wir beim Varusschlacht-Museum ankamen, wurden wir herzlich in Empfang genommen und zu der archäologischen Grabungsstelle geführt. Während des kurzen Fußmarsches in den Park erhielten wir schon einige wichtige Informationen rund um den Park und das Museum. Im Park des Geländes wird seit fast 30 Jahren nach Beweisen der Theorie gesucht, dass an dieser Stelle die Varusschlacht von vor über 2.000 Jahren zwischen Germanen und Römern stattgefunden hat.

Beim Sieben in der ersten Woche
Einmessen im Schnitt

In diesem Jahr wurde sechs Wochen lang an zwei Schnitten (beide etwa 24x10 Meter) gearbeitet und wir hatten das große Vergnügen, aber gleichzeitig auch das Pech, lediglich in der letzten Woche dabei sein zu können. Während der Ausgrabung konnten wir mit den freundlichen Grabungstechnikern interessante Unterhaltungen führen. Allerdings wollten sie bis zum Ende der Woche (11.10.2019) fertig werden und jeder Fund aus dem Schnitt brachte eine Verzögerung mit sich. Dieser Zeitdruck, aber auch der Wunsch möglichst sorgfältig zu arbeiten, sorgte für eine gewisse Anspannung der jungen Archäologen. Meist waren es Studenten, die sich zum einen aufgrund ihres Studiengangs, aber auch zum Sammeln neuer Erfahrungen, an der Grabung beteiligten. Überwiegend kamen sie aus den Fachbereichen Archäologie oder Geografie.

Während der Ausgrabung durften wir hauptsächlich die Funde aus dem Schnitt sieben. Dabei rüttelten wir auf einem großen Sieb den entnommenen Sand ab. Größtenteils fanden wir Keramik (beispielsweise von einem Topf oder einer Vase), Flint (schimmernder Feuerstein) und mit etwas Glück sogar kleine Stückchen Knochen (von wem sie abstammten, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststellen). Außerdem konnten wir mehrere Blockbergungen, beispielsweise die eines halben Keramiktopfs, in unterschiedlichen Größen beobachten. Abgesehen vom Sieben und dem interessierten Beobachten haben wir geholfen, Schichten aus dem offenen Schnitt abzutragen. Darüber hinaus haben wir viele Informationen über die verschiedenen Sedimentschichten und Grabungstechniken mit auf unseren Weg bekommen.

Aufgrund der Wetterlage mussten wir zu Beginn eines jeden Arbeitstages alle zusammen die Planen zusammenlegen, die während der Nacht über dem Schnitt lagen, um diesen vor Regen oder anderen Witterungsumständen zu schützen. Umgekehrt mussten wir schnell die Planen wieder über den Schnitt legen, sobald es stark zu regnen begann.

Während dieser Momente und vor allem kurz vor starkem Regen und nach einem Regenschauer lernten wir, wie wichtig es ist, im Team effizient zu arbeiten, da man zusätzlich zum Ab- und Aufplanen darauf achten musste, den Schnitt nicht zu gefährden. Allerdings war es ebenso wichtig, keine unnötigen Verzögerungen zu verursachen.

Am Wochenende mussten wir nicht arbeiten, haben aber diese Zeit genutzt, um die Dauerausstellung des Museums als Besucher zu besuchen. Dort konnten wir sehen, wie die gefundenen Objekte den Besuchern dargestellt und die Ergebnisse der Forschung präsentiert werden.

Mit Beginn der zweiten Praktikumswoche sollten wir uns morgens um 9 Uhr in der Verwaltung einfinden, um die Mitarbeit in der Museumspädagogik kennenzulernen. Dort bestand unsere erste Aufgabe darin, dabei zu helfen, den Raum für das Kindermuseum schallisolierter zu machen. Dafür klebten wir Fließmatten unter die Tische. Im Kindermuseum werden Kinder mit gestalterischen Aufgaben an das Thema der Varusschlacht herangeführt. Anschließend haben wir einen Brustpanzer geputzt, welcher im Kindermuseum als Verkleidung, aber auch als Anschauungsmodell dient.

Der Schienenpanzer passt!
Laterne basteln
Die Halstücher werden getrocknet

Außerdem durften wir in der Sonderausstellung „Roms Legionen“ an einer Führung teilnehmen. In der Ausstellung wird in Miniaturform der Aufbau von Roms Legionen dargestellt.

Am folgenden Tag bekamen wir die Aufgabe, Recherchen zu germanischen und römischen Teekräutern zu unternehmen. Diese Informationen sollten für ein zukünftiges Ferienprogramm herausgearbeitet werden. Die Kinder sollen hierbei die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Tees, mit den Kräutern der damaligen Zeit, zu kreieren. Während unserer Recherche legten wir eine kurze Pause ein, um an einer Besprechung zum „GrabungscampDigital“ teilnehmen. Das „GrabungscampDigital“ ist ein Pilotprojekt, bei dem es sich um die Gestaltung eines Grabungstagebuches handelt, welches die Kinder unter anderem mithilfe eines Tablets führen.

Nach der Besprechung teilten wir die Kräuterrecherche auf, um sie schneller und effektiver zu lösen, da sie sich als sehr zeitaufwendig erwies. Deswegen hat eine von uns mit dem Gestalten und Basteln einer Laterne angefangen, die Besucherkinder in der Adventszeit im Kindermuseum mithilfe von Schablonen gestalten und basteln sollen. Dieser Arbeitstag endete erst um 17 Uhr.

Am Mittwoch haben wir zusammen mit unseren Praktikumsbetreuer Ingo Petri verschiedene Requisiten des Museums, aber auch die eines Musicals, das vor einigen Jahren auf dem Gelände der Varusschlacht gGmbH – Museum und Park Kalkriese aufgeführt wurde, in Venne eingelagert. Danach haben wir unter anderen zu den Verpackungen des Teekräuter-Projekts Etiketten gestaltet, einen Tierknochenkatalog erneuert und weiter an der Gestaltung von Kerzen und Laternen mit dem Thema der Varusschlacht gearbeitet.

Am Donnerstag durften wir beim Betreuen des Ferienprogrammes helfen. Dort wurden Legionärshalstücher von den Kindern selbst gestaltet. Die Kinder hatten außerdem die Möglichkeit mit einem Pilum, einem römischen Wurfspieß, zu werfen.

Im GrabungsCamp

Am letzten Tag wurden wir vormittags mit ins GrabungsCamp genommen. Dort können Schulklassen oder andere Gruppen lernen, wie eine Ausgrabung durchgeführt wird und wie man die Ergebnisse fotodokumentiert und speichert. Diese Informationen werden für das GrabungsBüro benötigt, wo man fast vollkommen selbstständig Funde bearbeiten kann: z.B. Knochen verschiedenen Tieren zuordnen. Dabei kommt bald ein von uns bearbeiteter neuer Tierknochenkatalog zum Einsatz. Daraus sollen die Teilnehmer einer Grabung dann ein Grabungstagebuch erstellen können.

Die Zeit, die wir in Kalkriese verbrachten haben, war sehr spannend und wir möchten uns nochmal sehr herzlich bei den Organisatoren der Auricher Wissenschaftstage sowie den Mitarbeitern der Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH - Museum und Park Kalkriese dafür bedanken.“

von Katrin Habben und Finja Neumann, Aurich 

und hier geht es zum Bericht der Praktikantinnen 2018

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