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Museumsblog

Unser FSJler berichtet aus der Archäologie I

01. September 2020 | Museumsblog | 0 Kommentare

Lion Knirsch an seinem neuen Arbeitsplatz

Lion Knirsch hat im August sein Freies Soziales Jahr (kurz FSJ) bei uns begonnen. Aus Obernkirchen (Schaumburg) ist er nach Bramsche gezogen und wird uns die nächsten 12 Monate in der Archäologie unterstützen und auch ein eigenes Projekt durchführen. In seinem ersten Blogbeitrag schildert Lion, wie er zu uns gekommen ist:

 „Quintili Vare, legiones redde!“  (Quintilius Varus, gib die Legionen zurück!), so oder so ähnlich waren wohl die Worte des damaligen Kaisers Augustus, als im Jahr 9 n. Chr. Teile von drei römischen Legionen unter dem Feldherr Publius Quinctilius Varus von einigen im Barbaricum lebenden Stämmen vernichtend geschlagen wurden. Wie auch Augustus sich nun fragen musste, wie es weitergeht, so war auch ich gezwungen mich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie meine berufliche Zukunft einmal aussehen soll.
Denn da war ich nun, nach 10 Jahren Schule und unzähligen Klausuren und Tests, und die Antwort auf diese Frage fiel mir gar nicht so einfach, schließlich, so dachte ich, beeinflusst diese Entscheidung mein ganzes restliches Leben. Dennoch war ich mir in einer Sache sicher: ich wollte studieren und wenn möglich sollte es ein Studiengang mit historischem Schwerpunkt sein, denn das Verständnis über unsere Vergangenheit und unsere daraus resultierende Zukunft war für mich immer ein sehr faszinierender Prozess, den ich in all seinen Facetten begreifen möchte.

Als dann in der 12. Klasse ein schulisches Praktikum anstand, sah ich mich mit dem gleichen Dilemma konfrontiert. Dieses Mal sollte mir jedoch der Zufall in die Karten spielen. Mir war klar, dass ich Geschichte nicht bloß lesen will - ich möchte sie erleben und wie das Schicksal es so wollte, berichtete ein Freund von mir, dass sein Vater Archäologe sei, was mich direkt begeisterte. Und so bewarb ich mich bei der archäologischen Grabungsfirma ArchaeoFirm Poremba & Kunze GbR in Isernhagen. Dort durfte ich in knapp zwei Wochen das Tätigkeitsfeld des Archäologen etwas genauer kennenlernen und verstand, dass Fedora und Peitsche nicht unmittelbar dazugehörten. Dennoch konnte ich mich schnell für das Klassifizieren der verschiedenen bronzezeitlichen Funde, die Profilanlage und die grundlegende Vermessungsarbeit begeistern. Auch nachdem mich der Schulalltag wieder einholte, ließ mich der Gedanke an diesen doch recht umfangreichen Beruf nicht los.

Mein Abitur war fast geschafft, doch eine Antwort auf die Frage, was denn meine Pläne nach der Schule wären, konnte ich leider immer noch nicht geben. Als wir dann aber im Geschichtsunterricht das Thema „Völkerwanderung“ wiederholten, entdeckte ich meine Leidenschaft für die Archäologie erneut und beschloss, mich im Vorfeld eines Studiums genauer mit diesem Beruf auseinanderzusetzen. So kam ich auf die Idee für ein Freiwilliges Soziales Jahr und bewarb mich direkt beim Freiwilligen Dienst für ein FSJ Kultur. Schnell bekam ich mehrere Vorschläge von möglichen Institutionen, die als Arbeitsort in Frage kommen, doch als ich das Varusschlacht Museum im Osnabrücker Land unter diesen sah, war die Entscheidung für mich eindeutig. Denn ich erinnerte mich noch zu gut, wie ich hier als Kind meine ersten Berührungspunkte mit dem Thema „Römer und Germanen“ hatte, die mich in meinem geschichtlichen Interesse bis heute geprägt haben. Ein Vorstellungsgespräch später konnte ich nun endlich sagen: „Ich weiß, was ich nach der Schule machen werde: ein FSJ Kultur im Museum und Park Kalkriese!“

Lion unterwegs mit der Metallsonde

Der Aufgabenbereich eines FSJlers ist durchaus umfangreich und lässt sich in sowohl unterstützende als auch selbstständige Tätigkeiten unterteilen. So durfte ich bereits nach kurzer Einweisung eigenständig mit der Metallsonde prospektieren und die jeweiligen Fundstücke, zum Beispiel einen römischen Denar, im internen Netzwerk einordnen und registrieren. Auch nach einem Monat finde ich es immer wieder faszinierend, ein Jahrtausende altes Fundstück in den Händen zu halten und mit diesem arbeiten zu dürfen. Besonders freue ich mich auf mein eigenes Projekt, die Planung und Gestaltung einer anstehenden Grabung, vor allem in Hinblick auf die Herausforderungen der Covid-19 Pandemie und der Möglichkeit, Teil einer historisch und wissenschaftlich bedeutsamen Maßnahme zu sein. Über dieses Projekt werde ich im Laufe meines FS-Jahres hier in weitere Beiträgen berichten.

Nach nun knapp einem Monat, der abwechslungsreicher nicht hätten sein können, kann ich mit Sicherheit sagen, es war die richtige Entscheidung. Ich habe die Möglichkeit, mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten sowie meinen Horizont nicht nur in der Archäologie sondern auch in den Bereichen der Pädagogik und Vermittlung maßgeblich zu erweitern. Es freut mich immer wieder, wenn ich es schaffen kann, in jemandem genau die gleiche Leidenschaft zu wecken, die mich Jahre später noch einmal an diesen Ort geführt hat und blicke mit viel Zuversicht auf die nächsten 11 Monate.

Von Lion Knirsch

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