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Museumsblog

Praktikumsbericht aus der Restaurierung

19. Juli 2021 | Museumsblog | 0 Kommentare

Nyah Klein, 15 Jahre

Nyah Klein ist Schülerin der Jahrgangsstufe 9 des Fürstenberg-Gymnasiums in Recke. Im Rahmen eines Praktikums hat sie eine Woche lang in der Restaurierung mitgearbeitet. Eins ihrer Projekte in dieser Zeit, das Erstellen eines Münzabgusses, beschreibt sie in einem Blogbeitrag:

"Mein Name ist Nyah Klein und ich habe mein Praktikum im Bereich Restaurierung, Design und Logistik hier am Museum absolviert. Ich war leider nur eine Woche hier, kann aber ausführlich von meinem ersten Abguss eines römischen Asses mit einem Gegenstempel des Feldherren Varus berichten.

Zunächst hat die Restauratorin Rebekka Kuiter mit mir zusammen die Münze begutachtet, welche zuvor bereits von ihrer Kollegin Christiane Matz restauriert worden ist. Danach habe ich einen passenden Ring aus Dentalwachs auf der Unterseite der Münze (welche Seite zunächst war egal) befestigt und einen quadratischen Dentalwachsrahmen um die Münze herum (mit 1cm Abstand zur Münze) auf eine lose Arbeitsfliese gelegt.

Abb. 1: Die Arbeitsmaterialien für den Abguss
Abb. 2: Das Silikon wird hergestellt

Dann begann ich mit dem Mischen des Silikons. Wir arbeiten hier mit einem additionsvernetzenden Silikon namens Finosil 15 A und B mit einem Mischungsverhältnis von 1:1. Hierzu habe ich einen Plastikbecher auf eine Waage gestellt und mit einer Pipette genau 12g von beiden Komponenten abgewogen und sofort gemischt, da ansonsten das Silikon bereits mit der Reaktion beginnt. Nach etwa einer Minute gründlichem Rühren habe ich erst nur ein wenig Silikon direkt auf die Münze geschüttet und zunächst mit einem Pinsel vorsichtig auf der Oberfläche und am Rand verteilt, damit keinerlei Luftbläschen in der Form entstehen können, sobald sie abgebunden ist. Dann habe ich den Rest der Silikonmasse in der Form gleichmäßig verteilt, den Plastikbecher mit einem Holzstäbchen ausgekratzt und die Silikonmasse für 15-20 Minuten abbinden lassen. (Abb. 1 & 2)

Abb. 3: Der Wachsrahmen
Abb. 4: Die beiden getrennten Formhälften

Nach diesen 15 Minuten entnahm ich dann vorsichtig den Wachsrahmen (Abb. 3) und die Münze und entfernte den Wachsring ganz. Auch habe ich Einrasthilfen mit einem Skalpell in alle vier Ecken geschnitten, wobei sie bei dieser Form nicht zu groß werden dürfen, also unternahm ich nur kleine dreieckige Einschnitte. Danach verteilte ich ein mineralisches Trennmittel namens Talkum mit einem Pinsel auf der Innenseite der Form und in den Einrasthilfen (so können beide Formhälften später besser getrennt werden), jedoch nicht auf dem Münzabdruck selbst. Dann habe ich die Münze wieder passend zum Abdruck in die Form gelegt, den Wachsrahmen erneut angelegt und wie zuvor 12g von beiden Finosil 15 – Komponenten abgewogen, gemischt, mit einem Pinsel auf der Münzoberfläche (diesmal die andere Seite) und in den Einrasthilfen verteilt, die restliche Silikonmasse eingegossen und erneut für 15-20 Minuten abbinden lassen.

Als diese 15 Minuten dann um waren, habe ich den Wachsrahmen nun endgültig entfernt, beide Formhälften voneinander getrennt und die Münze entfernt (Abb. 4).

Abb. 5: Benzin und Vaseline zur weiteren Bearbeitung
Abb. 6: Der fertige Münzabdruck

Nun musste ich zwei unterschiedlich große Kanäle in die 2. Hälfte der Form (wieder mit einem Skalpell) schneiden. Damit sind ein Gießkanal für Gips oder andere Flüssigkeiten wie Epoxidharze und ein Luftkanal zum Entweichen der Luft beim Eingießen gemeint. Hierbei ist es nützlich, beide Kanäle auf eine Seite der Hälfte in einer V-Form zu schneiden, damit die Flüssigkeit besser nach unten und die Luft besser nach oben gelangen kann. Als vorletzten Schritt verteilte ich Vaseline auf der Innenseite beider Hälften, auch hier nicht auf dem Abdruck selbst. Den Pinsel habe ich in Benzin ausgewaschen, da Wasser nicht ausreicht. Zu beachten war, dass der Benzinbehälter nicht zu lange offenstehen gelassen werden darf, da Benzin schädlich für die Atemwege ist. Aus diesem Grund arbeitete ich unter der Abzugshaube (Abb. 5).

Zu guter Letzt fügte ich nun beide Hälften wieder zusammen, fixierte die Form so, dass die Kanäle nach oben zeigen, mischte den Gips an und füllte ihn mithilfe einer Pipette langsam in den Gießkanal, bis dieser auch gefüllt war (in den Luftkanal sollte nur von unten Gips einfließen, da dann die Form vollständig gefüllt ist). Nun ließ ich den Gips 30-40 Minuten aushärten. Als das geschehen war, öffnete ich die Form und überprüfte den Gipsabdruck auf Luftbläschen oder sonstige Unregelmäßigkeiten. Da das nicht der Fall war, entnahm ich den Gipsabdruck vorsichtig. Nun kam das Handschleifgerät mit Trennscheibe zum Einsatz. Wie der Name schon verrät, schnitt ich damit den überschüssigen Gips aus dem Gieß- und Luftkanal vorsichtig von dem Haupt-Gipsabdruck ab. Danach ist war Gipsabguss fertig! (Abb. 6)"

von Nyah Klein

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