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Klaus Fehrs - Sondengänger aus Leidenschaft

06. Dezember 2018 | Museumsblog | 0 Kommentare

Klaus Fehrs - Sondengänger aus Leidenschaft

Rund 580 ha begangen, dabei mindestens 5 800 km gelaufen und mindestens 6000 Funde gemacht. Und nebenbei eine der weltweit größten Schnallensammlungen zusammengetragen. Seit 1987.

 

 

Wer kennt sie nicht, den Schwertscheidenbeschlag, die kleine Tierglocke, den Lituus mit Inschrift oder gar den ein oder anderen Aureus, die in der Ausstellung des Museums gezeigt werden? All diese Funde sind Klaus Fehrs zu verdanken. Seit über 30 Jahren ist er bei uns zuständig für die Prospektionen mit der Metallsonde. Ende des Monats geht unser lieber Kollege und geschätzter Prospektionsleiter in seinen wohlverdienten Ruhestand. Dies möchten wir zum Anlass nehmen die vergangenen Jahre mit ihm Revue passieren zu lassen.

Der Randbeschlag einer Schwertscheide und die dazugehörigen Schwertscheidenklammern bestehen aus Silber und wurde 1996 von Klaus Fehrs mit seiner Metallsonde gefunden. Bei Nachgrabungen kamen ergänzende Teile zu Tage, sodass die Bruchstücke zusammengefügt werden konnten. (Zeichnung G. Dlubatz)
Dieser volutenförmige Beschlag aus Buntmetall ist vermutlich ein Lituus, ein Priesterstab der Auguren. Im äußeren Bogen besitzt er eine Inschrift. 1999 wurde der mögliche Lituus auf dem Oberesch gefunden.

Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann kam über Umwege zur Archäologie. Nach seiner Lehre kam die Umschulung zum Zahntechniker. Doch als er bei einem Spaziergang an der Holter Burg seinen ersten mittelalterlichen Zufallsfund machte, weckte dies sein Interesse an der Archäologie. Der gewissenhafte Finder nahm Kontakt zum damaligen Kreisarchäologen Prof. Dr. Schlüter auf und so kam es, wie es kommen musste, 1985 arbeitete er das erste Mal für die Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück. Im Zuge des Projektes „Eschprospektion“ wurde er in die Bodendenkmalpflege und Grabungstechnik eingearbeitet und fand zu seiner wahren Bestimmung.

Zwei Jahre später entdeckte der Sondengänger und Hobbyarchäologe Major Tony Clunn in Kalkriese zahlreiche Denare. Noch im selben Jahr erfolgte an dieser Stelle eine Grabung der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, bei der weitere Denare gefunden wurden. Fachgespräche mit Tony Clunn über Prospektion mit der Metallsonde entfachten ein unlöschbares Feuer in unserem Kollegen, das bis heute lodert. Aufgrund weiterer Fundmeldungen Clunns vergrößerte sich das Untersuchungsgebiet in Kalkriese so sehr, dass das Amt für Bodendenkmalpflege entschied, nun zusätzlich Prospektionen von seiner Seite aus durchzuführen. Da ergriff Klaus Fehrs seine Chance und übernahm diese Aufgabe mit der ihm charakteristischen unbändigen Freude, Energie und Ausdauer. Mit Hilfe von Major Tony Clunn konnte ein Fisher 1265-X, das damalige Highend-Suchgerät für archäologische Funde, aus England importiert werden. Dieses Gerät wurde zur Verlängerung seines Armes, drei Jahre später abgelöst vom Fisher 1266-X. Und seit 2010 ist der XP Deus bis heute sein treuer piepender Begleiter.

1989 fand Klaus Fehrs diesen Phallus-Anhänger auf dem Oberesch. Der Anhänger ist aus Buntmetall gefertigt und gehörte als Amulett zu einem römischen Pferde- oder Zugtiergeschirr. (Zeichnung A. Lüdecke)

Bei der Begehung von Fundstellen half unserem Prospektionsleiter von Beginn an seine systematische Herangehensweise. Er orientierte sich an altbekannten Fundstellen und verfolgte die Fundstreuungen in alle Himmelsrichtungen – und natürlich nach unten. Dabei pflegte er den Kontakt zu den Landbesitzern. So wurden weitere Fundstellen nach und nach erschlossen. Seinem Ziel, die Felder und Wiesen um Kalkriese flächendeckend abzugehen, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, ist er in seinen zahlreichen Berufsjahren sehr nahegekommen.

Durch dieses Vorgehen ist es ihm gelungen im Sommer 1989 die zentrale Fundstelle – mit der größten Fundkonzentration bis heute – auf dem Oberesch zu entdecken. Klaus Fehrs fand neben mehreren Münzen ein Panzerscharnier, Bronzeringe, Ziernägel mit Silberblechüberzug und einen Phallusanhänger. Wiederum folgte eine Grabung.

Weitere Fundhighlights seiner Laufbahn sind der erste Aureus 1990, die Denarhortfunde 1993 und 1996, die Beschläge einer Schwertscheide und der Griff eines Skyphos 1996, mehrere Aurei 1998 und nicht zu vergessen der Münzhortfund von 2017.

Klaus Fehrs erschuf einen richtungsweisenden Arbeitsablauf, indem er die Fundstellen in Bahnen prospektierte, die Funde – nicht nur antike, sondern auch mittelalterliche und frühneuzeitliche Funde – markierte und sie einmessen ließ. Im Büro verfasste er Fundmeldungen und gab die Funde in eine Datenbank ein. Aus den Daten generierte er viele verschiedene Karten mit Punkten und Dreiecken, die sogenannten Verteilungskarten. Anschließend gab er seine Schätze unter zahlreichen Erklärungen in die Restaurierungswerkstatt, wo sie bestaunt und begutachtet wurden.

Ein Aureus des Augustus mit dem Portrait des Augustus auf der Vorderseite.
1996 wurde unter anderem der silberne Griff eines Skyphos gefunden. Die Bezeichnung Skyphos stammt aus dem Griechischen und bezeichnet eine bestimmte Form einer Trinkschale, die zu beiden Seiten Griffe aufweist. Diese Schalenform wurde auch in der römischen Kultur verwendet. (Zeichnung L. Rahenkamp)

Über die Jahre gewann unser Prospektionsleiter immer mehr Erfahrungen und Wissen. Dieses hortete er jedoch nicht, sondern gab es bereitwillig weiter: zum einen an die Besucher, die bei zahlreichen Veranstaltungen wie Grabungen, Tage der offenen Tür oder Vorträgen seinen enthusiastischen Erzählungen ausgiebig lauschten; nicht zu vergessen sein Einsatz beim museumspädagogischen Programm „Sandsieben für Kinder“. Zum anderen vermittelte er all sein Wissen an den Sondengängernachwuchs, zu denen sich auch tiefe Freundschaften entwickelten. Dadurch angeregt fand 2010 in Kalkriese ein Sondengängertreffen statt, das von unserem Kollegen mit Hingabe geleitet wurde. Während des Treffens wurden unter anderem Fundstellen gemeinschaftlich prospektiert. Der rege, enge und anhaltende Austausch mit den Sondengängern der Umgebung ist ein weiterer Verdienst von Klaus Fehrs.

Doch nicht nur mit diesen Menschen hat er sein Wissen geteilt, sondern auch mit uns, seinen Kollegen. Wir alle hatten zahlreiche gemeinsame Erlebnisse mit ihm. Sein enthusiastisches Wesen, seine Fundgeschichten und seine offene Art waren immer sehr bereichernd für unseren Büroalltag. Dafür möchten wir uns alle recht herzlich bedanken. Jemand, der so für seinen Beruf brennt, kann nicht einfach in Rente gehen.

Wir hoffen, dass du, lieber Klaus, weiterhin die eine oder andere Prospektion begleiten wirst.

Von Christiane Matz und Uta Schröder

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