Schriftgröße

Museumsblog

Geschichte in Miniaturen - hinter den Kulissen von "Roms Legionen"

25. Oktober 2019 | Museumsblog | 0 Kommentare

Daniela und Patrick Ulrich sind ein Modellbau-Ehepaar mit sehr viel Engagement! Sie sind Gründungsmitglieder des Vereins „Geschichte in Miniaturen e.V.“, der sich auf die Herstellung historischer Dioramen spezialisiert hat. Gemeinsam stellen sie die Modelle u.a. für ein eigenes Museum her und haben einen Großteil der Dioramen gebaut, die in der Ausstellung „Roms Legionen“ gezeigt werden. Patrick Ulrich erzählt uns in seinem Beitrag aus dem spannenden Leben eines Modellbauers:

„Schon als Kind konnte ich mich für Geschichte und für Spielzeugfiguren begeistern. Dieses Interesse an Geschichte hat mich dann mein Leben lang begleitet. Unzählige Besuche von Museen und historischen Schlachtfeldern der Weltgeschichte, zuerst mit meinem Vater und im späteren Leben mit meiner Ehefrau, prägten mein Geschichtsverständnis.

So kam ich auch in verschiedensten Museen mit Figurendioramen zur Weltgeschichte in Kontakt. Diese kleinen Welten faszinierten mich schon immer. Geschichtsmomente wurden begreifbar, und wenn man sieht, dass sich immer wieder Kinder an solchen Vitrinen die Nase plattdrücken, kann man die Faszination von Figurendioramen verstehen.
Das Sammeln von hochwertig bemalten Modellfiguren, besonders zur Napoleonischen Epoche, wurde ein leidenschaftliches Hobby von mir. Besonders diese Epoche mit ihren bunten ausladenden Uniformen hatte es mir angetan. Ich kannte auch mittlerweile alle europäischen Museen und sehr viele Schlachtfelder dieser Epoche.
Im Jahr 2011 lernte ich meinen Freund und Dioramenbauer Wolfgang Meyer kennen, der zu dieser Zeit ein riesiges Diorama zur „Völkerschlacht bei Leipzig 1813“ baute!
Die Art und Vorgehensweise bei diesem Dioramen-Bau entsprachen genau meiner Hobby-Philosophie. Wir beide schlossen uns daraufhin zusammen, um weiter an großen Dioramen zu arbeiten.
Aus dieser Zusammenarbeit ist eine tiefe Freundschaft zwischen unseren Familien entstanden, die nicht nur das Hobby umfasst.
In den Jahren 2012 bis 2013 baute ich gemeinsam mit meiner Frau Daniela an einem weiteren Großdiorama der Völkerschlacht. Dieses konnten wir in knapp zwei Jahren fertigstellen. Beide „Völkerschlacht-Dioramen“ haben wir im Oktober 2013 zu den Gedenkfeierlichkeiten der 200-Jahrfeier am Ort des Geschehens in Markkleeberg in einer temporären Ausstellung präsentiert.

Ein Blick ins Museum

Es stellte sich jedoch im Voraus für uns die Frage, was geschieht mit den riesigen Dioramen nach dieser Ausstellung? Die beiden Völkerschlachtdioramen „Cröbern 1813“ mit über 50qm Grundfläche und mehr als 20 000 Figuren sowie „Möckern 1813“ mit 35qm Grundfläche und mehr als 13 500 Figuren mussten ein Domizil finden: sicher, temperiert, staubfrei und wohl beleuchtet.
So gründeten wir schon im Jahr 2012 mit Freunden und weiteren ambitionierten Dioramenbauern den Verein „Geschichte in Miniaturen e.V.“
In Hann. Münden fanden wir die geeigneten Räumlichkeiten, um unseren Traum eines eigenen Dioramenmuseums Wirklichkeit werden zu lassen. Im Hotel „Schmucker Jäger“ fanden wir einen riesigen Raum mit Stuckdecken und Parkettböden, also ein richtig schönes Ambiente für unsere Zwecke. Es waren allerdings noch etliche Arbeiten erforderlich, um den Raum baulich und beleuchtungstechnisch so zu gestalten, dass er für uns museumstauglich war. Aber auch das haben wir geschafft. Nach viel Arbeit und Abnahme durch die Behörden konnten wir unser eigenes Museum dann endlich im April 2014 feierlich eröffnen.
Im Laufe der nächsten Jahre sollten noch viele historische Figurendioramen hinzukommen, wobei es nicht nur bei den Großdioramen zur Napoleonischen Epoche blieb. Es kamen viele weitere Dioramen anderer Epochen hinzu. Dioramen von der Antike bis hin zur Neuzeit beleben mittlerweile das Museum. Durch diese Ballung von Figurendioramen wurde unser Dioramenmuseum auch für viele andere Hobbyfreunde zu einem Anlaufpunkt. Unser Verein schaltete eine eigene Website inclusive Mitgliederforum. Mittlerweile hat sich in unserem Museum auch eine, alle zwei Jahre stattfindende Hobbyveranstaltung etabliert, die DIORAMICA
Hier kommen für mehrere Tage Dioramenbauer aus aller Welt zusammen um ihre Werke zu präsentieren. Aber nicht nur Dioramenbauer sind vor Ort, sondern auch alle einschlägigen Händler, die Produkte zum Dioramenbau anbieten. Auch nationale und internationale Modelleure dieser kleinen Figuren zeigen hier ihre Fertigkeiten. Es ist immer wieder ein großes Fest für europäische Hobbyfreunde.

Dioramica 2018

Wir vom Verein „Geschichte in Miniaturen“ vertreten unsere eigene Philosophie. Die Recherche der historischen Themen steht bei uns an oberster Stelle, was naturgemäß mit den meisten Spaß macht. Denn die Recherche beinhaltet nicht nur eine Unmenge an Literatur, auch eine Vor-Ort-Besichtigung des zu bauenden Geländeabschnittes ist hierbei meistens unabdingbar. Informationen zu wichtigen Details liefern uns letztendlich Einblicke in die Archive historischer Museen.
Der Maßstab unseres Geländebaus ist 1:72. Die Augenhöhe der Figuren beträgt hier meist 23 mm. Das ist für uns Dioramenbauer, vor allem für den Großdioramenbau, der mit Abstand beste Maßstab. Die Figuren sind groß genug, so dass eine historisch genaue Bemalung bis hin zu den Knöpfen noch möglich ist. Außerdem erlaubt es dieser Maßstab, weitläufige, sehr komplexe Handlungen, im Diorama darzustellen.
Somit haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Dioramen 1:1 darzustellen, maßstäblich 1:72. So stellen wir ein Battalion mit 1000 Soldaten auch mit 1000 Figuren dar, jeder Offizier, Unteroffizier und alle anderen Dienstgrade an ihren historisch vorgeschriebenen Stellen. Dazu sind die Topografie des Geländes, Fauna und Flora, sowie die Bebauung des Geländes korrekt im Maßstab 1:72.
Wir sind zwar ein Verein und betreiben den Dioramenbau als Hobby, haben aber professionelle Ansprüche an uns selbst.
Im Laufe der Jahre wurde unsere Werkstatt weiter modernisiert! So können wir unsere Holzgerüste und unsere großen Platten selbst mit großen Sägen bearbeiten. Auch für alle weiteren Arbeiten sind wir mit Spezialwerkzeug bestens gerüstet. Details zum Dioramenbau können wir mit 3-D-Druckern erstellen, viele Teile werden bei uns in Resin abgegossen und im Diorama verbaut.
Wir sind weltweit mit anderen Dioramenbauern und Figurenmodelleuren vernetzt, so dass wir schon eigene große Figurenserien erstellen konnten.
Zudem übernehmen wir für Freunde manchmal die eine oder andere Auftragsarbeit, wie z.B. für Thomas Kurtz die Dioramen zur Römischen Epoche.

Möchten Sie mit uns in Kontakt treten, oder möchten Sie unser schönes Museum besuchen? Dann empfehlen wir Ihnen unsere Website www.geschichte-in-miniaturen.de
Ein großer Tipp für Sie wäre der Besuch unserer Messe „DIORAMICA“, die das nächste Mal im November 2020 stattfindet, natürlich wieder mit vielen neuen Dioramen. Dann sind nicht nur unsere Museumsräume mit außergewöhnlichen Dioramen gefüllt, das ganze Hotel mit vielen Nebenräumen ist darüber hinaus mit Dioramen und Vorführungen zum Dioramenbau belegt.“

Für den Verein "Geschichte in Miniaturen e.V."
Patrick Ullrich (1. Vorsitzender)

Zurück zur Übersicht