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Museumsblog

Digitalisierung in der Archäologie

15. April 2020 | Museumsblog | 0 Kommentare

Das Magazin

Lukas Lammers, Werksstudent in der Sammlung, gibt heute einen kleinen Einblick in seine Arbeit:

Digitalisierung ist heute überall ein ständiges Thema. In beinahe allen Berufen, im Verkehr und im Privaten werden neue Medien und Technologien immer stärker eingesetzt und entwickeln sich weiter.

Auch an der Archäologie und dem Museumsbetrieb geht dieser Fortschritt natürlich nicht vorbei. Ein Museumsbesucher sieht davon nichts, aber hier gibt es nun einen kleinen Einblick in das Digitalisierungsprojekt unserer archäologischen Sammlung.

Seit 1989 werden in Kalkriese Ausgrabungen durchgeführt. Zunächst kümmerte sich die Stadtarchäologie Osnabrück um die Funde, bis das Projekt mehr und mehr eigenständig wurde. Über die Jahrzehnte haben sich ca. 3700 römische Funde in unserem Magazin angesammelt. Die schönsten davon sind in der Ausstellung zu sehen. Hinzu kommen etwa 3300 Funde, die römisch sein könnten, 500 frühgeschichtliche Funde und zahlreiche mittelalterliche und neuzeitliche Funde. Dabei sind dies nur die Metallfunde. In einem weiteren Magazin lagern Keramik, Knochen, Feuerstein und Bodenproben.

Fundzettel

Bei dieser Menge an unterschiedlichen Funden aus allen Epochen ist es nicht leicht den Überblick zu behalten. Eines der wichtigsten Hilfsmittel dabei ist der Fundzettel. Dieser ist quasi der „Personalausweis“ eines Fundes und wird direkt auf der Grabung, nachdem der Fund gemacht wurde, ausgefüllt und liegt immer bei ihm. Darauf stehen die wichtigsten Informationen wie Fundstelle, Fundnummer, Funddatum, das Material und manchmal auch schon eine Ansprache, also eine Bezeichnung, worum es sich bei dem Fund handelt.

Dann kommt die Datenbank ins Spiel. Denn die Funde verschwinden nach einer Grabung nicht einfach im Magazin. Einige werden restauriert und alle sind für die Archäologen bei der Auswertung der Grabung wichtig. Nicht zuletzt wird auch an den Funden selbst geforscht. Die Grundlage dafür bildet eine digitale Datenbank. Darin stehen natürlich die wichtigsten Informationen, die auch auf dem Fundzettel stehen, aber auch neue Erkenntnisse können darin dann festgehalten werden.

Kuniweb

Dazu diente über viele Jahre eine Access-Datenbank, in der tausende Funde mühevoll von den Archäologen selbst eingegeben wurden.

2018 entschied sich das Museum aber, eine neue Datenbank zu verwenden: Kuniweb.

Im Namen verbirgt sich das Portal „Kulturerbe Niedersachsen“. Die Idee dahinter ist, eine einheitliche Datenbank für alle Museen in Niedersachsen zu schaffen, über die dann auch die Sammlungen für die Öffentlichkeit online einsehbar sind. 

Leider kam es bei der Datenübertragung von Access zu Kuniweb zu einigen Schwierigkeiten, da die Strukturen der alten und der neuen Datenbank nicht kompatibel sind. Dadurch passte bei der Datenübertragung von Access zu Kuniweb vieles nicht zusammen. Zudem waren Angaben in der alten Datenbank veraltet oder ungenau, wie zum Beispiel die Maßangaben der Funde.

Trotzdem hat Kuniweb zwei große Vorteile gegenüber Access: Erstens ist Kuniweb online zugänglich und deswegen von überall mit jedem Gerät zu erreichen. So erleichtert es uns die Arbeit im Homeoffice. Zweitens liegen die Bilder zu den Funden direkt in den Datensätzen. Nur muss jemand diese Bilder eben auch machen und hochladen.

Arbeitsplatz im Depot

All dies bedeutet eine Menge Arbeit bevor unsere Sammlung online veröffentlicht wird. Und an dieser Stelle komme ich ins Spiel.

Seit anderthalb Jahren arbeite ich als Werkstudent an diesen (und weiteren) Problemen mit unseren Datenbanken. Besonders alle vor 2005 gemachten Funde beschäftigen mich, denn alle neueren bearbeitet Uta Schröder im Zusammenhang mit ihrer Promotion, wobei ich ihr aber auch zur Hand gehe, da der Arbeitsaufwand enorm ist. Die Funde werden in Gruppen von 30 bis 80 Stück bearbeitet. Im Groben sieht mein Arbeitsablauf so aus: Datensätze bereinigen und Angaben ergänzen, Funde messen, fotografieren, die Fundbilder beschriften und hochladen, Etiketten für die Funde ausdrucken und im Magazin zurücksortieren. Dann kommt die nächste Gruppe und alles beginnt von vorn.

Doch schon in Kürze werde ich damit fertig sein und zumindest die römischen Funde sind dann sehr bald online einzusehen. Ich wünsche allen Interessierten viel Freude beim Durchklicken!

von Lukas Lammers

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