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Berufsfeld Römische Legion

02. Juni 2020 | Museumsblog | 0 Kommentare

Ein Beruf, der bis heute Groß und Klein fasziniert, ist der des römischen Legionärs. Die Frage nach der Motivation, sich gerade dieser Ausbildung zu widmen, stellt heute Bianka Grauert, Gästeführerin in Museum und Park Kalkriese:

"Wenn man mit einer Schulklasse auf den Spuren der Römer und Germanen im Gelände unterwegs ist, an der Wallanlage steht und bespricht, wie die Konfrontation zwischen Römer und Germanen vor 2000 Jahren ausgesehen haben könnte, kommt häufig die Frage von den Schülern: warum haben die Römer überhaupt gekämpft, warum sind sie nicht einfach abgehauen und verschwunden, oder haben sich geweigert in den Tod zu gehen?
Weshalb haben sie die Befehle ihrer Offiziere befolgt?
Ganz sicher haben sie doch gemerkt, dass die Lage aussichtslos war?

Die einfachste Antwort darauf ist: es war ihr Beruf!
So wie die Lehrer sich entschieden haben, zu unterrichten, oder eure Eltern sich für die berufliche Laufbahn als Arzt, Friseur, Kaufmann/-frau, Maurer, ...etc. entschieden haben, so wurden die Legionäre eben zu dem was sie waren: Berufssoldaten.

Für einen Legionär gab es nur eines: Sieg oder Tod!
So ist es zumindest in der Theorie, aber es gab mit Sicherheit auch Soldaten, die vom Schlachtfeld geflüchtet sind.

Der Stress nach tagelangen Angriffen durch die Germanen, schlechtem Wetter mit Dauerregen, Blitz, Hagel Donner und Sturm wird die Männer zermürbt haben.
Man sieht die Kameraden sterben, die Zeltgemeinschaften, die wie kleine Familien innerhalb der Legion waren, wurden brutal auseinandergerissen.

Das alles ist grauenhaft und furchtbar, so entsetzlich, dass man es sich kaum vorstellen mag.

Die Legionäre waren Männer, die sich zu einer Laufbahn als Soldat entschieden haben, mit einer Dienstzeit von 25 Jahren, wenn sie es denn überlebt haben.

Das bedeutet zwangsläufig, Gewalt und Tod war ihnen nicht fremd.
Es gab 28 Legionen zur damaligen Zeit im Imperium, da wird es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen sein.

Aber ist es tatsächlich so einfach? Lässt es sich wirklich auf ein schlichtes: „es war ihr Beruf“ reduzieren?

In solchen Momenten wünsche ich mir eine Zeitmaschine (der DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ wäre ganz nett) um in der Zeit zurück zu reisen und mir selbst einen Eindruck verschaffen zu können. Es bleiben uns aber leider nur die Fakten, um die Frage, warum überhaupt jemand Legionär wurde, zu beantworten.
Die Aussicht auf ein langes, friedvolles Leben mit einem sanften Tod im Bett wird es wohl
kaum gewesen sein.

Warum trat ein Mann also damals in die Legion ein?
Welche Vorteile brachte es ihm?
Schon die Grundausbildung war sehr hart und anstrengend.

Um überhaupt den Dienst antreten zu können, musste man römischer Bürger sein und bei der Musterung eine Prüfung der Gesundheit überstehen.

Für arme Bürger bedeutete der Dienst in der Legion ein sicheres Einkommen.
Man erhielt regelmäßig seinen Sold und wurde verpflegt.
Die Aussicht auf Prämien und Beteiligungen an Kriegsbeute und auf medizinische Versorgung wird ebenfalls ein Anreiz gewesen sein.
Diese Aussicht auf eine einigermaßen (zumindest in finanzieller Hinsicht) sichere Zukunft könnte also bei der Wahl eine nicht unbeträchtliche Rolle gespielt haben.

Die Legionäre zahlten in eine Sterbekasse ein, damit sie im Todesfall auch ordentlich bestattet wurden.
Somit war auch für den Fall des Falles vorgesorgt.

Wenn man es richtig anstellte, konnte man Karriere machen und befördert werden, zum Zenturio oder sogar zum Lagerpräfekten.

Für einen einfachen Mann war das eine große Chance, die man im normalen Leben vielleicht nicht so einfach bekam.

Nach Ablauf der Dienstzeit konnte der Legionär noch fünf Jahre bei seiner Einheit bleiben und bekam am Ende ein Stück Land oder eine Abfindung.

Diese Anreize werden bei der Entscheidung für den Beruf als Soldat mit Sicherheit eine große Rolle gespielt haben.

Die persönlichen Beweggründe einzelner Menschen bleiben leider im Dunkel der Geschichte, und so lässt es sich letztlich doch nur mit Bestimmtheit auf einen Punkt reduzieren: es war ihr Beruf, darum haben die Männer auf dem Schlachtfeld gekämpft und letzten Endes auch ihr Leben gelassen.

von Bianka Grauert

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