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Museumsblog

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 4

28. April 2020 | Museumsblog | 0 Kommentare

GästeführerInnen haben einen sehr abwechslungsreichen Alltag - man weiß nie, wer zur gebuchten Führung kommt! So ist es jedes Mal eine kleine Überraschung, auf die man nicht immer vorbereitet sein kann... Heute erzählt Ulrike Brake von einem ganz besonderen Besucher:

"Wir GästeführerInnen haben bei unseren Führungen immer wieder interessante Erlebnisse. Wir treffen auf verschiedenste Menschen und wissen nie genau, was uns erwartet. Mit der Zeit intensiviert man jedoch seine Menschenkenntnis, so dass man schon in den ersten Minuten einer Führung feststellt, was einen - wahrscheinlich - erwartet. Immer wieder herrlich zu beobachten ist das Gefüge in den Schulklassen. Grundsätzlich ist auf den ersten Blick zu erkennen, ob die Gruppe sich auf einer Klassenfahrt befindet. Denn dann erwarten die GästeführerInnen bunt gekleidete kleine Menschen – ganz offensichtlich hat kein bemühtes Mutterherz die Kleiderwahl beaufsichtigt - mit übernächtigten Gesichtern. So mancher Junge hat des Nächtens Nagellack verpasst bekommen oder eine pinke Haarsträhne von seinen allzu kreativen Mitschülerinnen.

In diesem Fall ist klar, die Inhalte der Führung müssen mit Geduld und Nachsicht angebracht und ein paar Übungen zur Erfrischung des ermatteten Körpers durchgeführt werden.  Bei den Schülern selbst fühlt man sich so manches Mal in die Klasse des „Kleinen Nick“ versetzt. Da ist der allwissende „Adalbert“, der „Otto“ der ständig heimlich isst, der „Franz“, der seinen Mitschülern gern eins auf die Nase gibt oder der „Georg“, der aus reichem Hause kommt und denkt, dass er deshalb immer seinen Willen durchsetzen kann. Und wissen Sie was? Diese Adalberts, Nicks, Franz` und Georgs gibt’s als auch als Erwachsene! 

An den vielen tollen Erlebnissen, die ich bisher hatte, ist das Schönste natürlich, wenn eine Führung den Gästen Freude und ein paar schöne Stunden bereitet und zudem das Interesse nach noch mehr „Römer und Germanen“ geweckt hat.   

Mein „Top Erlebnis“ bisher war der überraschende Besuch vom ehemaligen Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer. Überraschend natürlich nur für mich, nicht für ihn. Joschka Fischer besuchte mit einer kleinen Gruppe junger Unternehmer aus dem Osnabrücker Land unser Museum und ich kam in den Genuss, diese Gruppe durch die Ausstellung zu führen. Herr Fischer war herrlich unkompliziert, begrüßte mich mit Handschlag und stellte sich schlicht als Joschka Fischer vor. Er hatte ganz ausdrücklich Wert daraufgelegt, ein ganz „normaler“ Gast zu sein. Ich war froh, dass ich quasi erst direkt vor Beginn der Führung von dem besonderen Besuch erfahren habe, so dass für meine Aufregung nicht viel Zeit blieb. Joschka Fischer erwähnte, dass auch heute noch die militärische Strategie und Taktik von Arminius in der Varusschlacht als Beispiel im Unterricht von Militärakademien gelehrt würde.  

Rückblickend erinnere ich mich leider kaum mehr an weitere Besonderheiten dieses Besuchs, da ich doch arg aufgeregt war. Umso schöner, dass einige Fotos mit Joschka Fischer erstanden sind."

von Ulrike Brake

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