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Museumsblog

Sondengänger im Osnabrücker Land

21. December 2018 | Museumsblog | 1 comments

Als Sondengänger im Osnabrücker Land

Als Sondengänger im Osnabrücker Land

Ein Kindheitstraum, an den ich mich noch lebhaft erinnere, war die Werbung auf den Rückseiten der Fernsehzeitschrift. Dort wurde ein Gerät zum Auffinden verlorener Münzen und Schmuck am Strand vorgestellt - dieses Gerät wollte ich unbedingt haben! Allerdings redeten meine Eltern mir diese Flause schnell wieder aus. Ganz losgelassen hat mich das Thema jedoch nie, wozu auch unsere Abenteuerausflüge auf ein Spülfeld am Jadebusen beitrugen, auf denen wir mit unseren Eltern Bernsteine suchten ...und auch reichlich fanden.

Jahre später, Anfang des Jahres 1999, bekam ich einen Anruf von meinem Bruder: "Ich habe mir einen Metalldetektor gekauft." Er nahm mich ein paar Mal mit auf seine Touren und ich infizierte mich schnell mit dem Suchfieber.

Im Herbst 1999 kaufte ich dann meinen ersten eigenen Metalldetektor. Beim ersten Suchgang zusammen mit meinem Bruder, der schon eine Woche auf einem als Bauland ausgeschriebenen Felder-Komplex,  suchte und sehr stolz auf seine erste ältere gefundene Münze war, fand ich insgesamt vier ältere Münzen! Nicht schlecht für den Anfang.

Einen besseren Detektor kaufte ich 2001. Mit diesem spürte ich in meiner Heimatregion Wiehengebirge 2002 die ersten historisch relevanten Funde auf: römische und mittelalterliche Münzen. Über das Internet bekam ich über diese Funde Kontakt zu Dr. Peter Ilisch, Historiker und Numismatiker aus Münster, der mich 2004 bat, meine Funde der Kreisarchäologie Osnabrück zu melden. Es kam darauf hin zu einem Kennenlerngespräch mit dem damaligen Kreisarchäologen Bodo Zehm, der angenehm überrascht auf meine Offenheit und die Qualität meiner Fundstücke reagierte. Seitdem suche ich mit einer „Nachforschungsgenehmigung mit Metalldetektor“ für den Landkreis Osnabrück, melde meine relevanten Funde der Kreisarchäologie und halte Kontakt zu verschiedenen Archäologen. Inzwischen wechselte ich zu einem Detektor, der meine Bedürfnisse beim Suchen besser berücksichtigte. Es folgten Veröffentlichungen verschiedener Funde in Fachbüchern durch Archäologen. Zudem erfolgte die Einrichtung eines Stammtischs für Sondengänger im Landkreis Osnabrück zusammen mit Bodo Zehm. (Diese Treffen finden nach wie vor viermal im Jahr statt, es sind meistens 2 Archäologen anwesend). 2010 wechselte ich nochmals den Detektor, dieser vereint nun alle für mich wichtigen Elemente, die ich zur Metallsuche benötige.

Im Sommer 2009 habe ich mich mit weiteren sechs Sondengängern mit Nachforschungsgenehmigungen entlang der Hunte bis zur Weser zu einem losen Verbund, einer Interessengemeinschaft, zusammengeschlossen.  Die „Sondengänger Hunte-Weser“ haben mittlerweile über 20 Mitglieder, die die Archäologie bei verschiedenen Prospektionsprojekten unterstützen. 2010 nahm unsere Gruppe mit 14 Sondengängern an der großen Prospektion in Kalkriese teil, bei der noch zwei weitere Gruppen Sondengänger beteiligt waren. Seitdem  unterstützen wir die Wissenschaftler in Kalkriese regelmäßig bei großflächigen Prospektionen. Weitere Begehungen haben wir auf Flächen bei Wittstock, Stade und Minden, auf Föhr sowie auf dem Hohen Tauern (Österreich) durchgeführt. Auch für den Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V. (FAN) haben wir zusammen mit weiteren Sondengängern bei Bardowick mehrfach Felder prospektiert.

In meiner Funktion als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger für Stadt und Landkreis Osnabrück kümmere ich mich hauptsächlich um die Sondengänger im Osnabrücker Land und deren Anliegen Neben Kontaktpflege und –herstellung ist dies oft Hilfe bei der Fundbestimmung. Außerdem organisiere ich zudem den Stammtisch für Sondengänger und unterstütze die Kreisarchäologie bei der Koordinierung von Sondengängern bei großflächigen Prospektionen.

Ab Januar 2019 werde ich als Prospektionstechniker im Museum und Park Kalkriese arbeiten und kann somit mein Hobby zum Beruf machen.

Von Stephan Zeisler

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