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Museumsblog

Die Entstehung der Ausstellung "Roms Legionen" - Mules of Marius

17. September 2019 | Museumsblog | 0 comments

Wie Thomas Kurtz zu den Diorama kam...

Wie Thomas Kurtz zu den Dioramen kam...

Heute möchten wir Thomas Kurtz vorstellen. Er arbeitet als Vermögensverwalter, in München und New York, hat zwei Kinder, eine Frau und ein ungewöhnliches Hobby: Die Produktion und Leihe von Römerausstellungen.
Dieses Hobby begann zufällig... aber das sollten wir Herrn Kurtz lieber selbst schildern lassen:

"Mein Sohn, heute 21 Jahre alt, hielt in der 6. Klasse ein Referat über Alexander den Großen. Er klebte dazu 30 Plastikfiguren auf ein kleines Brett und hatte beim Vortrag noch 6 Meter lange Schnur in der Tasche, um die Länge einer makedonischen Lanze vorzuführen. Die Schüler waren begeistert. Und der Lehrer stellte die Figuren und die aufgespannte Schnur in der Schulvitrine aus. Mich hat die langweilige Darstellung von Geschichte in der Schule schon immer geärgert;  deshalb war ich fasziniert davon, wie wenig Mittel man doch braucht, um Schüler und Lehrer vom Stuhl zu reißen. Das war der Beginn der Idee einer kleinen Wanderausstellung für Schulen, die nicht nur Schüler sondern auch Lehrer animieren sollte. Ich entschied mich für das Thema Römer wegen des lokalen Bezugs und der frühen Behandlung im Lehrplan.

Danach ging alles schnell. Die Ausstellung begann 2014 in München als Wanderausstellung für Schulen.  Die Archäologische Staatssammlung in München wurde darauf aufmerksam und bat mich die Ausstellung zu erweitern für einen internationalen Archäologen-Kongress in Regensburg, den sog. Limes-Kongress, Ende 2015. Innerhalb von 10 Monaten wuchs die Ausstellung von 50 qm auf 500 qm. Das war nicht geplant, und lag nicht an mir, sondern an der Begeisterung aller Mitwirkenden. Auf dem Limes-Kongress fand die Ausstellung unglaublichen Anklang. Aus den Wissenschaftlern wurden Kinder, die sich vor allem durch die Dioramen inspirieren ließen. Auf dem Kongress entstanden dann die ersten Anfragen zur Leihe der Ausstellung, die zunächst in einigen Museum in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, danach auch in Thüringen (Museum Arche Nebra) zu sehen war, aber auch im Ausland (Österreich, England, Polen). Die Ausstellung ist dabei stetig gewachsen, und ist jetzt so groß, dass sie auch in Kalkriese nur zu einem Teil gezeigt werden kann. Die letzte Erweiterung beschäftigte sich mit dem Thema „Römische Schmiedekunst“, die  für das Museum in Künzing in Bayern erstellt wurde.  Von dieser jüngsten Erweiterung ist tatsächlich nur ein in kleiner Teil in Kalkriese zu sehen.

Zum Konzept der Ausstellung:  Ich will einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch erfüllen, und das Konzept dafür war am Anfang einfach: Statt originalen Ausstellungstücken mit modernen Texten, sollte die Ausstellung die Rollen von Text/Objekt umkehren: Moderne Objekte (Dioramen, Repliken, lebensgroßen Zeichnungen) sollten nur von Original-Texten (historische Zitate) erklärt werden. Wir konnten dieses Konzept in seiner Radikalität nicht einhalten:  Die Besucher fragen auch nach modernen Erklärungen (zum Beispiel nach Jahreszahlen „vor und nach Christus“,  oder nach arabischen Zahlen 1,2,3,4..)  Von dem ursprünglichen Konzept blieb der hohe Anspruch an die Objekte erhalten, also an die Dioramen, Repliken und Illustrationen. Dabei betreiben wir zum Teil einen absurden Aufwand. Mein Lieblings-Beispiel: Die Rinder im Marschlager, die wir vier Mal hintereinander modellieren lassen mussten, bis sie endlich dem Anspruch des Kurators entsprachen, sowie den Vorgaben eines Tierarztes, den wir als Berater hinzugezogen hatten.

Legatus - Legionskommandant, Vertreter des Feldherrn oder Kaisers

Zum Ziel der Ausstellung:  Das wichtigste Ziel war von Anfang an zu begeistern, zu animieren, und auf diese Weise das Interesse an Geschichte zu wecken. Dieses Ziel haben wir bisher immer erreicht. Das Zusammenspiel aus Dioramen, Repliken, lebensgroßen Illustrationen und Zitaten erwies sich hierbei als besonders glücklich. Ein zweites Ziel erreichen wir mit der Form der Museums-Ausstellung bisher nicht, nämlich den Bezug zu Themen der Gegenwart herzustellen.  Das Thema „Ungleichheit in der Gesellschaft“, zum Beispiel,  ließ sich bei der Präsentation an Schulen, begleitet mit Diskussionen und Arbeitsgruppen, viel besser behandeln als in einer Museums-Ausstellung. In der Schule fragen die Schüler beim Legions-Diorama immer (wirklich immer!) nach der auffälligen Figur des Legaten. In der Erklärung wird schnell klar, dass diese Figur aus einer anderen Schicht stammt, die sich eigentlich nur durch ein einziges Kriterium von den anderen Gesellschafts-Schichten abgrenzt: Durch Geld. Viel Geld. Das beeindruckt die Schüler und der Bezug zur Gegenwart ergibt sich dann ganz von selbst.   
Ich danke allen Mitwirkenden, zunächst dem Kurator und Verfasser der meisten Texte, Hrn. Dr. Christian Koepfer, dem Zinnfiguren-Modelleur Jörg Schmäling, den beiden Dioramen-Bauern Patrick Ullrich und Friedrich Höchsmann."

Eindrücke zur Ausstellung finden Sie hier .

MDR-Bericht zur Römerausstellungs-Eröffnung in Arche Nebra

von Thomas Kurtz

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