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Museumsblog

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 3

25. March 2020 | Museumsblog | 0 comments

Das Angebot an Führungen hat sich im Laufe der Zeit so vergrößert, dass für jeden Einzelbesucher und jede Gruppe, egal welchen Alters etwas dabei sein müsste und wir Gästeführer/innen manchmal sogar den Überblick verlieren. Das wird besonders deutlich, wenn wir mal wieder unsere Kreuze auf einem eng beschriebenen beidseitig bedruckten DinA4-Bogen mit Führungen machen sollen und der eine oder andere sich ratlos fragt, was sich hinter manchen Bezeichnungen für Führungen wohl verbirgt. Denn nicht jeder macht alles. Beim Kochen, Basteln und mit Schülern durch den Park marschieren sind außer den rhetorischen Talenten auch praktische, künstlerische, sportliche und natürlich pädagogische Talente gefragt. Da meine praktischen Fähigkeiten begrenzt sind, reiße ich mich weder ums Kochen noch ums Legionärszelt aufbauen, bin allerdings sehr stolz, wenn es dann doch geklappt hat.

Heute möchte ich von zwei Führungsformaten berichten, die sehr unterschiedlich sind, aber beide sehr viel Spaß machen.

Radeln auf den Römerspuren“ kann man schon seit mehr als zehn Jahre buchen, aber leider wird es selten gewünscht. Dabei bietet es neben einem informativen Gang durch die Ausstellung auch noch einen Ausflug in die schöne Umgebung mit dem Fahrrad. Auf einer ca. 7 km langen Rundtour erfährt man nicht nur Wissenswertes über die Bedeutung der besonderen Geografie für das Schlachtgeschehen und die archäologische Forschung, sondern auch einiges über die Burg Altbarenaue und das Schloß Neubarenaue. Radlern aus Bremen, die mit mir bei schönstem Wetter Anfang September unterwegs waren, hat es gut gefallen. Ihre Buchung hatte sich aus einem Gespräch mit mir im Gasthaus Varusschlacht ergeben, denn dort hatten mich die Organisatoren vor einigen Wochen mit einer Radwanderkarte in der Hand angesprochen.

In besonderer Erinnerung ist mir die Radtour mit einem Journalisten aus den USA geblieben. Er recherchierte damals über die Umgebung von Museen. Leider hatte man nicht bedacht, dass Amerikaner meistens nur Englisch sprechen und wie ich feststellen musste, auch nicht gut Radfahren können - so war es jedenfalls bei diesem super netten, entspannten Herrn. Für mich war es weniger entspannt, denn ich hatte ständig Angst, dass er stürzt und außerdem war ich nicht auf eine englische Führung vorbereitet, hatte mir nur schnell und ziemlich verzweifelt ein Wörterbuch aus der Verwaltung mitgenommen. Und dann nieselte es die ganze Zeit und nach zwei Kilometern sprang auch noch die Fahrradkette ab. Ein Gutes hatte dieses Erlebnis auf jeden Fall: wenig später belegte ich einen Conversation Course an der Volkshochschule und inzwischen kann ich auch ausländischen Gästen etwas über die Forschung in Kalkriese erzählen.

Ein anderes sehr unterhaltsames Format ist die Erlebnisführung mit Laetitia. Und sie ist nicht nur ein Erlebnis für die Gäste, sondern auch für uns. Einige Gruppen lassen sich sofort auf die etwas burschikose Art der Händlerin ein. Lassen sie entspannt ihren Text mit der richtigen Betonung darbieten, lachen an der richtigen Stelle und geben passende Kommentare ab, so dass eine spontane Interaktion entsteht. Manche Gruppen sind etwas zurückhaltend und zuerst etwas überrascht und unsicher, was sie von Laetitia halten sollen, aber die lockt sie meistens auch aus der Reserve.

Und dann gibt es die, die einen nicht mal die Begrüßung zu Ende sprechen lassen, ständig Fragen stellen, die später sowieso noch geklärt worden wären und Laetitia an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen, indem sie betonen, dass sie hauptsächlich Fakten erfahren wollen und dazu gehört natürlich, wie oft am Tag sie sich denn umziehen müsse.

Darauf kann sie dann nur antworten, dass sie natürlich nur dieses eine Kleid, dass sie am Leibe trug, vor den Barbaren retten konnte. Gerne zieht Laetitia sich nach solchen Erlebnissen wieder in ihr einsames Versteck am Rande des Schlachtfeldes zurück und hofft inständig vorerst keinen Gruppen mehr zu begegnen...

von Petra Tüting

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