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Die Römer

Publius Quintilius Varus

... oder Publius Quinctilius Varus - nach anderer Schreibweise - durchlief eine typische Ämterkarriere. Vermutlich begleitete er 22 v. Chr. Augustus in den Orient. 13 v. Chr. bekleidete er – zusammen mit dem späteren Kaiser Tiberius – das Amt des Konsuls. 6–4 v. Chr. verwaltete er als römischer Statthalter die Provinz Syria. In Palästina schlug er die Unruhen nach dem Tod des Königs Herodes mit Waffengewalt nieder, Jerusalem wurde besetzt und die Söhne des Herodes zu Herrschern über Teile des Reichs eingesetzt. Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus behauptete, Varus habe sich in der wohlhabenden Provinz Syria vor allem rücksichtslos bereichert. Er schrieb: »Als armer Mann betrat er das reiche Syrien und als reicher Mann verließ er das arme Syrien«.

Im Jahr 7 n. Chr. wurde er als Statthalter nach Germanien versetzt. Dort begann er, mit mehr oder weniger Fingerspitzengefühl, das römische Steuer- und Rechtssystem einzuführen und anzuwenden. Dies soll, nach Ausweis der antiken Geschichtsbücher, der Anlass für den Aufstand der Germanen unter Arminius gewesen sein.

Arminius stand seit langem als verdienter Offizier in römischen Diensten, besaß das römische Bürgerrecht und war in den Ritterstand erhoben worden. Er war so gut mit Varus bekannt, dass dieser einer Warnung des Cheruskers Segestes keinen Glauben schenken wollte, der am Vorabend auf den drohenden Aufstand hinwies. Varus entsprach vielmehr der Bitte der scheinbar bedrängten Germanen. Anstatt, wie geplant, auf direktem Wege in das Winterlager am Rhein zurückzukehren, schlug er einen Umweg in unbekanntes Terrain zu den angeblich Bedrängten ein und lief in den Hinterhalt.

Als Varus erkannte, dass die Niederlage unumgänglich und mit hohen Verlusten an Menschen und Ausrüstung verbunden war, wählte er den Selbstmord. Ein Entschluss, der ihm ehrenhafter erschien, als in Gefangenschaft zu gehen, hatte doch bereits sein Vater in ähnlich auswegloser Situation antsprechend gehandelt. Nach seinem Tod konnten ihn seine Soldaten nicht einmal begraben. Statt dessen schlugen die Germanen seinem Leichnam den Kopf ab und schickten ihn erst zu Marbod, von wo er nach Rom zu Kaiser Augustus gelangte. Die Wertschätzung, die Augustus seinem Statthalter entgegenbrachte, zeigt sich in der Tatsache, dass er das Haupt, ungeachtet der schmachvollen Niederlage, feierlich bestatten ließ.

In den antiken Geschichtsbüchern wird im Nachhinein Varus die Schuld an der Entstehung des Aufstands und an der Niederlage des römischen Heeres zugewiesen. Ob diese Wertung der Wirklichkeit entsprach, lässt sich nicht mehr feststellen. Möglicherweise entsprang sie auch dem Wunsch, einen Schuldigen für das Unglück zu finden, zumal einen, der nicht mehr widersprechen konnte.