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Die Römer

Marcus Caelius

Marcus Caelius wird von keinem antiken Geschichtsschreiber mit Namen genannt. Und das, obwohl er während der Varusschlacht Hauptmann der 18. Legion war (»centurio primi ordinis«). Im Dienste seines Kaisers in Rom hatte er seine Soldaten und die römischen Interessen wohl – wenn auch erfolglos – bis zu seinem Tod verteidigt.

Marcus Caelius hat an einem anderen Ort seine Spuren hinterlassen.

Nachdem er in der Ferne gefallen und die Nachricht von seinem Tod an den Rhein gelangt war, beschloss sein Bruder Publius, ihm dort einen Gedenkstein zu errichten, wo er vor der schicksalshaften Schlacht stationiert gewesen war. Er ging also zum Steinmetz und bestellte einen Gedenkstein, ganz in der Art eines Grabsteins:
Auf dem Relief sollte sein Bruder Marcus in militärischer Uniform, mit allen Auszeichnungen geschmückt, zu sehen sein. Neben ihm würde er die Porträts des Privatus und des Thiaminus anbringen lassen.
Die beiden Männer hatten einst als Sklaven in Marcus' Diensten gestanden. Nun waren sie schon seit Jahren aus dem Sklavendienst entlassene, freie Männer und ihrem einstigen Dienstherrn in Dankbarkeit verbunden. Wie üblich würden auch sie und ihre Familien im Grabbezirk des Patrons ihre letzte Ruhe finden. Marcus bestellte zudem eine Rahmung des Gedenksteins nach Art eines Tempels, mit einem verzierten Giebel und Schmuckornamenten sowie Flatterbändern auf den Ecken des Tempeldachs. Unter dem Reliefbild sollte eine Inschrift an das Schicksal seines Bruders erinnern.

Die Arbeit des Steinmetz' geriet ganz nach seinen Wünschen ...

Grab- bzw. Gedenkstein des Marcus Caelius, gefunden zwischen Xanten und Birten am Fürstenberg. Aus Lothringer Kalkstein, 1,37 m hoch und 1,08 m breit.

Inschrift in Übersetzung
Für Marcus Caelius, den Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, (gebürtig) aus Bologna, Hauptmann (»centurio primi ordinis«) der 18. Legion, 53 ½ Jahre alt. Er fiel im Varuskrieg. Die Gebeine (seiner) Freigelassenen dürfen (hier ebenfalls) bestattet werden. (Sein) Bruder Publius Caelius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, hat (ihm diesen Gedenkstein) errichten lassen.

Zum Verständnis notwendige, im Text implizierte Ergänzungen stehen in runden Klammern.

Lateinische Inschrift
M(arco) Caelio T(iti) f(ilio) Lem(onia tribu) Bon(onia)
[I] o(rdini) leg(ionis) XIIX ann(orum) LIII s(emissis)
[ce]cidit bello Variano ossa
[lib(ertorum) i]nferre licebit P(ublius) Caelius T(iti) f(ilius)
Lem(onia tribu) frater fecit

In runden Klammern steht die Auflösung der auf dem Grabstein verwendeten Abkürzung. In eckigen Klammern stehen sicher ergänzte Teile der Inschrift, die aufgrund der Zerstörung des Steins fehlen.