Schriftgröße

Museumsblog

Die Kalkrieser Metallfunde im Blick

28. Juli 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Die Kalkrieser Metallfunde im Blick

Seit dem 1.7. darf ich meine Doktorarbeit im Zuge des Projektes „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? - eine anhaltende Kontroverse“ verfassen. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung finanziert und beschäftigt sich mit der Frage, ob Kalkriese der Ort der Varusschlacht 9 n. Chr. oder der späteren Auseinandersetzung zwischen Germanicus und Arminius ca. 15 n. Chr. ist.

Das Projekt besteht aus vier Teilbereichen, von denen ich als Doktorandin einen bearbeite. Meine Aufgabe ist es alle Metallfunde (ca. 300 Stück), die bisher nicht publiziert wurden, wissenschaftlich aufzunehmen und auszuwerten. Was bedeutet das? Die Funde werden in eine Datenbank aufgenommen, wenn dies nicht schon der Fall ist. Das heißt, es wird vermerkt, wo sie gefunden wurden, zu welchem Befund/Kontext sie gehören, wie ihre Maße und Gewicht sind und es erfolgt eine Beschreibung des Objekts: Wie sieht das Objekt aus? Hat der Fund Besonderheiten? Zeigt es Verzierungen, Gebrauchsspuren oder ein Graffito? Kurz um es wird ein Katalog erstellt, der die Funde auflistet. Gleichzeitig werden die Funde fotografiert und gezeichnet. Besondere Stücke sollen zudem unter einem Digital-Mikroskop nach Werk- und Gebrauchsspuren untersucht werden. Über diese Spuren lassen sich wiederrum Aussagen über die Herstellung und Nutzung der Gegenstände treffen.

Danach werden die Objekte bestimmt. Darunter versteht man die Zuordnung eines Fundes: Aus welchem Material besteht er und welchen Nutzen hatte er? Wofür hat man ihn verwendet? Die Bestimmung von Funden ergibt sich aus den Vergleichen mit anderen Funden und Fundorten. Dafür verwendet man meistens Bücher, in denen man recherchiert und nach ähnlichen Funden sucht. Man kann natürlich auch in andere Museen gehen, sich die Funde dort vor Ort angucken und so Vergleiche zu den eigenen Funden herstellen. Diese Vergleiche fließen ebenfalls in den Katalog mit ein. Parallel werden Proben von einigen Fundstücken genommen, um metallurgische Untersuchungen durchzuführen und um zu versuchen den Legionen einen metallurgischen Fingerabdruck nachzuweisen. Diese Untersuchungen sind Bestandteil eines anderen Teilprojektes, das von der Doktorandin Annika Diekmann durchgeführt wird und am Bergbaumuseum Bochum angesiedelt ist.

Im nächsten Schritt habe ich vor die Funde zu kartieren. Mit anderen Worten werden die Funde auf einer Karte verortet und sogenannte Verteilungskarten erstellt. Diese Karten zeigen, wo überall Objekte gefunden werden konnten. Dabei müssen jedoch bestimmte Faktoren beachtet werden, die eine Fundverteilung beeinflussen können. So wirken sich Erdverlagerungen durch Plaggenwirtschaft oder durch Pflügen der Felder auf die Funde im Boden aus. Durch die modernen Eingriffe verlieren die Funde sehr oft ihren antiken Kontext und weisen eine andere und neue Verteilung auf. Aber auch das Suchverhalten beeinflusst die Verteilung von Funden. Zum Beispiel sind fundleere Orte auch damit zu erklären, dass dort vielleicht nie Untersuchungen stattgefunden haben und an Orten mit einem hohen Fundaufkommen, im Gegenzug vermehrt Untersuchungen durchgeführt wurden. Für diese Kartierungen sollen auch die schon publizierten Funde herangezogen werden.

Als letztes sollen die Fundverteilungen ausgewertet werden und die zentrale Frage zur Zeitstellung des Schlachtfeldes beantwortet werden: Wie sind die Funde verteilt? Was lässt sich daraus schließen? In welchem Bezug stehen die Funde zu den Befunden in der näheren Umgebung? Gibt es Rückschlüsse auf die Kampfhandlung oder auf Plünderungen des Schlachtfeldes? Gibt es antike Parallelen zu anderen Schlachtfeldern? Lassen sich die Fundverteilungen in Bezug zu den antiken Schriftquellen bringen? Was sagen die metallurgischen Untersuchungen aus? Handelt es sich um das Schlachtfeld von Varus oder um das von Germanicus?

All diese Fragen sollen in den nächsten drei Jahren beantwortet werden.

Von Uta Schröder

Zurück zur Übersicht

Neuer Kommentar

0 Kommentare