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Die Idee: Wir machen einen Workshop

09. Februar 2018 | Museumsblog | 2 Kommentare

Die Idee: Wir machen einen Workshop

Wie bereits in vorherigen Blogbeiträgen dargestellt, versuchen wir einen metallurgischen Fingerabdruck, der Legionen, die in Kalkriese ihre Spuren hinterlassen haben, zu gewinnen. Dazu analysiere ich zusammen mit meinen Kollegen im Bergbau-Museum Bochum die Kalkrieser Buntmetalle (Kupfer, Messing Bronze etc.) auf ihre chemische Zusammensetzung. Das Gleiche machen wir auch an den Buntmetallen anderer Standorte, wo zweifelsfrei jene Legionen stationiert waren, die unter dem Kommando von Varus bzw. Germanicus standen. Stimmt der Fingerabdruck von Kalkriese mit dem einer der jeweiligen Legionen überein, sollten wir den römischen Feldherrn vom Schlachtfeld bei Kalkriese endlich überführen können.

Dabei stellt sich uns aber ein bereits bekanntes Problem. Wo finde ich denn diesen metallurgischen Fingerabdruck? Welche Objekte analysieren wir am besten? Wir müssen eine Auswahl treffen, schließlich können wir ja nicht von allen Funden irreversibel Probenmaterial entnehmen! Und selbst wenn, diese alle zu messen und auszuwerten, da wäre man ja mindestens 30 Jahre lang beschäftigt. Also welche Kriterien bei der Auswahl der „nur“ ca. 600 Objekte, welche wir analysieren können, sind zu beachten? Wie gehen wir bei der Spurensuche strategisch am besten vor? Zum Glück sind wir ja nicht alleine, auch andere Wissenschaftler haben sich bereits mit diesem Problem auseinandergesetzt und erstaunliches herausgefunden. (An dieser Stelle sei auf die Arbeit von Pablo Fernàndez hingewiesen).

Ein interessantes Beispiel ist Messing. Hier besteht die Möglichkeit, anhand seiner chemischen Zusammensetzung zu erkennen, wie oft es recycelt wurde (zumindest annäherungsweise). Auch in anderen Forschungsprojekten in denen Buntmetalle analysiert werden, stoßen die Forscher immer wieder auf ähnliche Probleme und Fragen wie wir. Daher haben wir neun Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Forschungsinstituten und Museen in Deutschland und England nach Kalkriese eingeladen, um gemeinsam diese Fragen in einem Workshop anzugehen. An dieser Stelle möchten wir noch mal explizit der VolkswagenStiftung für ihre Unterstützung danken, ohne die dieser Workshop nicht hätte stattfinden können! Wir haben bewusst nur einen kleinen Kreis von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen eingeladen, um zum einen konkret über römisches Metallrecycling und Buntmetallverarbeitung zu Augustus Zeiten zu diskutieren (und bislang beschäftigen sich noch nicht so viele Forscher mit dieser speziellen Thematik); zum anderen um eine offene, entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der es sich zwangloser diskutieren lässt. Wir hoffen aber, in Zukunft den Kreis zu erweitern und eine größere Tagung zu diesem Thema durchzuführen, um somit noch mehr Wissenschaftler und Forscher in diesem Gebiet zu vernetzen und einen problemorientierten Wissensaustausch zu ermöglichen.

Am 17. November begann unser Workshop mit ein paar einführenden Worten und einer kleinen Vorstellung unserer Gäste und unseres Projektes durch die Projektleiter Heidrun Derks und Stefan Burmeister. Danach war unser wissenschaftlicher Nachwuchs schon an der Reihe. Uta Schröder übernahm die weitere Moderation; ich habe die Ansätze und Fragestellung zur metallurgischen Analyse unseres Projektes vorgestellt. Das war auch zugleich der Startschuss für die ersten anregenden Diskussionen. Im Laufe des Tages hat jeder Gast einen 20-minütigen Vortrag zum Thema Buntmetallverarbeitung und Recycling gehalten, der wiederum selbst ca.20 Minuten in Hinblick auf den metallurgischen Fingerabdruck diskutiert wurde. Somit hatten wir wie gewünscht mehr Dialoge als Monologe in unserer kleinen Runde. Insgesamt wurden neun Vorträge gehalten (Workshopprogramm), bevor am Abend Phil Freeman von der Universität Liverpool ein Fazit zog. Zusammenfassend können wir sagen, dass wir wie erhofft viele anregende Diskussionen hatten, also auch viel Wissensaustausch, in einer offenen und produktiven Atmosphäre. Es wurde aber auch deutlich, dass dieser Workshop einen starken naturwissenschaftlichen Schwerpunkt hatte (besonders in puncto Datenauswertung und Austausch) und in einem späteren Workshop die archäologischen Gesichtspunkte verstärkt aufgegriffen werden sollten. Es ist uns besonders wichtig, unsere Fragestellung in enger fachübergreifender Zusammenarbeit anzugehen, um möglichst viele Blickwinkel hierauf zu eröffnen. Denn eine Antwort ist nur befriedigend, wenn möglichst wenig Fragen offenbleiben und keine Frage, egal wie unangenehm sie zunächst auch klingen mag, ungestellt bleibt. In diesem Sinne freuen wir uns schon auf einen weiteren Workshop, mit hoffentlich noch mehr Teilnehmern in ebenso wissensdurstiger Atmosphäre.

Von Annika Diekmann

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