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Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

09. August 2017 | Museumsblog | 2 Kommentare

Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

Hallo liebe Leser, heute möchte ich euch gerne einen Einblick in meine Doktorarbeit geben, die ich im Rahmen des Projektes „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse“ durchführen darf. Dafür möchte ich mich aber zunächst einmal kurz vorstellen. Mein Name ist Annika Diekmann und ich komme aus Bochum. Dort habe ich Chemie an der Ruhr-Universität Bochum studiert und seit Beginn dieses Jahres mache ich meinen Doktor in Chemie in Kooperation mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum in dem Projekt der VolkswagenStiftung. Jetzt könnte man sich fragen: „Was hat eine Chemikerin mit der Fragestellung Kalkriese als Ort der Varusschlacht zu tun?“ oder „Was macht ein Chemiker in einem Museum?“ Das möchte ich euch nun gerne erklären.

Ein Teilprojekt der gesamten Fragestellung „War es Varus oder Germanicus, der bei Kalkriese eine Schlacht geführt hat?“ ist die metallurgische Untersuchung der Fundstücke bei Kalkriese und die Identifizierung eines metallurgischen Fingerabdrucks. Aber was heißt das? Was ist ein metallurgischer Fingerabdruck? Allgemein ist ein Fingerabdruck, wie zum Beispiel der eines menschlichen Daumes, ein charakteristisches Merkmal für eine bestimmte Person. Keine zwei Personen besitzen den gleichen Fingerabdruck. Findet man also einen Fingerabdruck kann man ihn, wie sicherlich allen aus der Polizeiarbeit vertraut ist, mit anderen vergleichen bis man eine Übereinstimmung findet. Stimmen die Fingerabdrücke überein, so kann man davon ausgehen, dass der gefundene Fingerabdruck der übereinstimmenden Person gehört. Dieses Verfahren lässt sich auf metallurgische Untersuchungen übertragen. Nur, dass wir dieses Mal nicht die charakteristische Struktur der Haut vergleichen sondern die charakteristische Zusammensetzungen der Metallfundstücke. Die Zusammensetzung des Metalls kann genau so spezifisch und einzigartig sein wie der Fingerabdruck eines Menschen. Können wir also einen metallurgischen Fingerabdruck bei den Fundstücken bei Kalkriese „sichern“ so können wir diesen Fingerabdruck mit den Fingerabdrücken anderer Legionen vergleichen. Stimmt dieser Fingerabdruck dann z.B. mit den von den Legionen 17 - 19 überein, so können wir davon ausgehen, dass es Varus war der diese Schlacht geführt hat. Stimmen die Fingerabdrücke mit der Legion 2.-ten oder 20.-ten überein, so hat auf diesem Schlachtfeld wohl Germanicus gekämpft. Ein Problem an dieser Stelle ist, dass wir auch von den anderen Legionen (noch) keinen metallurgischen Fingerabdruck haben. Wir begeben uns hier wie Pioniere auf Neuland. 

Zur Sicherung also der Identifizierung eines metallurgischen Fingerabdrucks sind physikalisch-chemische Analysen notwendig. Und hier komme ich als Chemikerin ins Spiel. Die Analysen sind die zentralen Aufgaben in meiner Doktorarbeit und in diesem Projekt. Das kann ich natürlich nicht alleine. Es ist sehr wichtig, dass ich eng mit den anderen Projektteilnehmern zusammen arbeite. Denn die erfolgreiche „Sicherung eines metallurgischen Fingerabdrucks“ hängt nicht nur von den Analysen ab, genauso wenig wie bei der Polizeiarbeit das Auffinden eines Fingerabdrucks am Tatort ausreicht. Stellen Sie sich mal vor, man würde versuchen einen Kriminalfall zu lösen, ohne dass Polizei, Staatsanwaltschaft, Spurensicherung und Spurenauswertung, ggf. auch der Gerichtsmediziner zusammen arbeiten würden? So könnte man nie einen schwierigen Fall wie „Kalkriese als Ort der Varusschlacht?“ lösen können.

In unserem „Fall“ sind wir gerade mit der „Spurensicherung“ gestartet. Im März haben wir begonnen die ersten Proben zu nehmen. Das heißt, dass wir von den ersten Objekten ca. 2 – 5 mg Material entnommen haben. Das erscheint zunächst einmal recht wenig, (versuchen Sie mal daheim 2 – 5 mg Mehl, Wasser oder Zucker abzuwiegen) aber für eine Analyse kann dies schon reichen. Und es ist uns sehr wichtig, dass wir die historischen und wertvollen Fundobjekte so wenig wie möglich verändern. Und eine Probenentnahme ist leider ein irreversibler Eingriff in das Artefakt. Wenn Sie das nächste Mal im Museum und Park Kalkriese sind und vor den Vitrinen stehen, schauen Sie sich doch mal genau die Fundstücke an. Können Sie erkennen wo wir das Probenmaterial entnommen haben?

Mehr über die Entnahme des Probenmaterials und über die Analysen möchte ich Ihnen in einem folgenden Blogbeitrag erzählen.

Von Annika Diekmann

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2 Kommentare

11. Januar 2018 | Team Kalkriese

Danke. Wie sind auch gespannt auf die Ergebnisse!

08. Dezember 2017 | Ruud Fhij

Ende oder Anfang?

Wenn Ihnen das gelingt, und der Befund heiszt Varusschlagt, setzen Sie einen Schluszstrich nach 600 Jahre Discusionen! Auch wenn es nicht gelingt die Verbindung mit der Varusschlagt zu bestätigen, haben Sie ein neues Kapitel an die Varusschlagt zugefügt. Chapeau und fiel erfolg mit Ihre Doktorarbeit.