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Aus dem Alltag eines Gästeführers

20. Januar 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Petra Tüting als Römische Gastgeberin

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Kaum angefangen, ist mir schon der erste Fehler unterlaufen, denn wir sind im Moment ausschließlich Frauen und damit Gästeführerinnen. Und auf die richtige Bezeichnung legen viele erheblichen Wert, obwohl so manche Rede dadurch enorm verlängert wird.

Die Gästeführerinnen haben jetzt im Winter Zeit, sich mit Dingen jenseits der Varusschlacht zu beschäftigen. Die Saison beginnt erst wieder im März, wenn die Schulen Ausflüge vor den Osterferien durchführen und die ersten Gruppen die länger werdenden Tage und das hoffentlich besser werdende Wetter für Museumsbesuche nutzen. Im Sommer, wenn sich drei Schulklassen und eine Seniorengruppe gleichzeitig durch unsere Ausstellung bewegen, möchte ich dem sich durch die nicht immer zu vermeidende Lautstärke gestört fühlendem Besucher zurufen: “Kommen sie doch im Winter, dann ist es ruhiger.“ Ein Museum bietet sich doch in der kalten Jahreszeit regelrecht an, wenn man bei schlechtem Wetter die Zeit sinnvoll nutzen will. Liegt es vielleicht daran, dass es sich um ein Schlachtfeld handelt und alle sich vorstellen, dass die Führungen hauptsächlich durch unseren Park gehen. Zugegeben, natürlich ist es schöner, bei Sonnenschein dort spazieren zu gehen, aber die meisten Führungen finden in unserem zwar kühl anmutenden, aber gut geheizten Museumsgebäude statt. Außerdem ist ein Besuch bei Regen und Kälte viel authentischer: Eingeweihte wissen, dass die römischen Legionen auch besonders wegen dieser Bedingungen geradezu im Matsch versunken sind.


... und hier als Mumie

Aber zurück zum Alltagsgeschäft in der Wintersaison. Einige Führungen finden natürlich auch jetzt statt. Diese werden dann so gerecht wie möglich unter uns aufgeteilt. Man glaubt, diese wenigen Termine sicher im Kopf eingespeichert zu haben. Und dennoch wird man plötzlich aus seinen lange aufgeschobenen Aufräumarbeiten gerissen, wenn aufmerksame Familienmitglieder einen zufälligen Blick auf den Wandkalender werfen und mit einem Augenzwinkern anmerken: „Musst du nicht gleich im Museum sein?“ Diese Wandkalender sind in vielen Gästeführerfamilien von zentraler Bedeutung, denn auch der kleinste Sprössling weiß, wenn dort Abkürzungen wie KF ( Komplett Führung) oder Spuren (Schülerführung) steht, dann hat Mama keine Zeit für Fußballspiele, Kindergeburtstage oder andere Unternehmungen. Wichtige Termine müssen weit im Voraus angemeldet werden. Glücklicherweise sind die meisten von uns in dem Alter, in dem die Kinder schon so gut wie erwachsen sind und deshalb ganz selbstständig herausfinden können, ob Mama gewillt ist, mitten in der Nacht den Fahrdienst nach einer Party zu übernehmen oder ob sie sich lieber mit interessierten Museumsgästen beschäftigt. Da das auch besser entlohnt wird, kommen wir natürlich genauso gern ausgeschlafen und ohne Augenringe ins Museum, um uns voll und ganz unserer Aufgabe zu widmen.

von Petra Tüting

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