Schriftgröße

Museumsblog

Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

09. März 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

Das Pojekt-Team freut sich auf die Arbeit

Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

Kalkriese als Ort der Varusschlacht? »Selbstverständlich«, sagen die meisten; »keinesfalls«, sagen andere; »woher will man das wissen?«, fragen wiederum Dritte. Auch wenn nach fast 30 Jahren Forschungen in Kalkriese vieles dafür spricht, dass hier der Kampf zwischen Römern und Germanen im Jahr 9 n. Chr. stattgefunden hat, sind nicht alle Zweifler überzeugt. Die historischen Schriftquellen sind in ihren Beschreibungen zu vage, als das man sie als Verlaufsprotokoll der Ereignisse und Wegbeschreibung zum Ort des Geschehens lesen kann. Was auf den einen Ort passt, passt auch auf andere. Und die Archäologie? Es gibt keinen weiteren Fundort, der Kalkriese an die Seite zu stellen ist, und zweifelsfrei hat hier eine Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden. Doch war es auch die legendäre Varusschlacht? Die archäologischen Funde – auch die Münzen – erlauben keine jahrgenaue Datierung. So können wir zwar die Jahreszeit bestimmen, in der die Schlacht stattgefunden hat, jedoch nicht in welchem Jahr. Es könnte durchaus möglich sein, dass die vor Ort ausgetragenen Kämpfe sich zwischen Arminius und Germanicus im Jahr 15 n. Chr. – also sechs Jahre nach der Varusschlacht – ereignet haben. Denn auch in diesem Jahr kam es zu schweren Kämpfen, in denen die Römer beinahe vier Legionen verloren hätten.

Bislang kreiste die Diskussion um eine Reihe von Fragen: Wie datieren die römischen Münzen den Kalkrieser Fundplatz; wie passt der Fundplatz zur historischen Überlieferung; welche Szenarien lassen sich vor Ort rekonstruieren (Hinterhalt, Plünderungen nach der Schlacht)? Vieles ist darüber deutlich geworden, vor allem die Schwierigkeiten, die archäologischen Bodenfunde und die historischen Schriftquellen in Einklang zu bringen. Wirklich gelungen ist das nicht. *

Details

Crashkurs Varusschlacht geht in die zweite Runde

14. Februar 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Crashkurs Varusschlacht geht in die zweite Runde

Vor einigen Wochen begab sich eine neue Schülerschar der Thomas-Morus-Schule erneut auf die Spurensuche und läutete den Start der zweiten Runde „Crashkurs Varusschlacht“ ein. Nachdem im letzten Jahr der Film „VarusLeaks“ im Rahmen des Programm‘s „Kultur macht stark“ Mitschüler, Lehrer und Zuschauer begeisterte, wird auch in diesem Jahr wieder ein spannender Film mit und von Schülern eigenständig entwickelt und umgesetzt. Dabei wird sich alles rund um das Thema „Varusschlacht“ drehen. Das fertige Filmergebnis wird am Juni in der Thomas-Morus-Schule präsentiert und natürlich auch wieder auf Youtube veröffentlicht. Hilfe bei der Umsetzung, beim Dreh und Schnitt erhalten die Teilnehmer von Pädagogen und Archäologen des Museums als Themenexperten sowie dem Forum Osnabrück für Kultur und Soziales e.V. als theater- und medienpädagogische Unterstützung.
Seit Anfang Januar haben die Schüler bei regelmäßigen Treffen schon jede Menge Input zum Thema Schauspiel bekommen. Außerdem wurde das Museum und der Park Kalkriese schon auf der Suche nach den jeweiligen Lieblingsexponaten durchforstet. Welche das sind? Das und sich selbst stellen die Schüler in Kürze selbst auf unserem Blog vor!

Details

Aus dem Alltag eines Gästeführers

20. Januar 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Petra Tüting als Römische Gastgeberin

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Kaum angefangen, ist mir schon der erste Fehler unterlaufen, denn wir sind im Moment ausschließlich Frauen und damit Gästeführerinnen. Und auf die richtige Bezeichnung legen viele erheblichen Wert, obwohl so manche Rede dadurch enorm verlängert wird.

Die Gästeführerinnen haben jetzt im Winter Zeit, sich mit Dingen jenseits der Varusschlacht zu beschäftigen. Die Saison beginnt erst wieder im März, wenn die Schulen Ausflüge vor den Osterferien durchführen und die ersten Gruppen die länger werdenden Tage und das hoffentlich besser werdende Wetter für Museumsbesuche nutzen. Im Sommer, wenn sich drei Schulklassen und eine Seniorengruppe gleichzeitig durch unsere Ausstellung bewegen, möchte ich dem sich durch die nicht immer zu vermeidende Lautstärke gestört fühlendem Besucher zurufen: “Kommen sie doch im Winter, dann ist es ruhiger.“ Ein Museum bietet sich doch in der kalten Jahreszeit regelrecht an, wenn man bei schlechtem Wetter die Zeit sinnvoll nutzen will. Liegt es vielleicht daran, dass es sich um ein Schlachtfeld handelt und alle sich vorstellen, dass die Führungen hauptsächlich durch unseren Park gehen. Zugegeben, natürlich ist es schöner, bei Sonnenschein dort spazieren zu gehen, aber die meisten Führungen finden in unserem zwar kühl anmutenden, aber gut geheizten Museumsgebäude statt. Außerdem ist ein Besuch bei Regen und Kälte viel authentischer: Eingeweihte wissen, dass die römischen Legionen auch besonders wegen dieser Bedingungen geradezu im Matsch versunken sind.


Details

Auf einen guten Jahrgang

20. Dezember 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Auf einen guten Jahrgang

Das Jahr neigt sich dem Ende – auch wenn man das Gefühl hat erst gestern mit Freunden auf das noch junge Jahr 2016 angestoßen zu haben.

Zum Abschluss dieses Jahres möchte ich in unserem auch noch sehr jungen Museumsblog ein wenig zurückblicken. Viele Ereignisse haben das Jahr 2016 zu einem sehr abwechslungsreichen und vielversprechenden Jahr gemacht. Gestartet sind wir in Kalkriese mit einem, wenn man das so sagen darf, Knaller. Beim Oster-Leuchten hat eine tolle Feuerwerksshow den Himmel erleuchtet und das Jahresmotto eingeläutet. Mit den Piraten in der Antike haben wir nicht nur eine neue Sonderausstellung präsentiert, sondern auch ein antikes Thema beleuchtet, dem sich vorher noch keiner in einer Ausstellung oder Publikation wirklich angenähert hat. Herausragende Funde aus Italien, Vorträge und viele Programme für Kinder haben die antiken Piraten in den Fokus gerückt.

Der wahre Knaller sollte allerdings noch kommen. Bei den Ausgrabungen im Museumspark konnten die Archäologen – wie man unter Piraten sagen würde – fette Beute machen. Gleich acht Goldmünzen aus augusteischer Zeit. Eine kleine archäologische Sensation, die nicht nur in Wissenschaftskreisen für Aufsehen sorgte. Wer sie noch live sehen möchte, muss sich beeilen: Nur noch drei Wochen ist die Kabinettausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ zu sehen.

In Sachen Forschung ging es rasant weiter. Die Zusage der VW-Stiftung für ein mehrjähriges Forschungsprojekt im Rahmen der Förderinitiative „Forschung in Museen“ ist ein riesiger Schritt für uns. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Bergbau Museum Bochum und der LMU München. Und es geht noch weiter. Bei den Grabungen wirft ein weiterer Befund neue Fragen auf: Ein zweiter Wall. Hinweise auf ein Römerlager? Eine zweite Wallanlage? Oder etwas ganz anderes? Es gibt viele neue Fragen! Weitere Ausgrabungen werden folgen. Auch nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten sind die Forschungen in Kalkriese noch lange nicht abgeschlossen.

Begleiten Sie uns auch 2017 auf der spannenden Spurensuche, um die Vergangenheit weiter zu ergründen. Ihnen und Ihren Angehörigen wünschen wir besinnliche Festtage und ein gute neues Jahr!

von Caroline Flöring

Details

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

14. September 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Ein Gastbeitrag einer ehemaligen Praktikantin und drei ihrer Kommilitoninnen, vier Studentinnen der Archäologie aus Münster.

Heute werfen wir einen Blick in die Sonderausstellung, genauer gesagt in die zwei kleinen Tempel, die wir, vier Archäologiestudentinnen aus Münster, dort entdeckt haben. Ja, entdeckt, dieses Wort trifft es in unserem Fall ganz gut. Als Archäologiestudentinnen haben wir schon einiges kennengelernt, aber solche kleinen Tempel sind uns bisher noch nicht begegnet. Deswegen schauen wir uns diese beiden Objekte umso genauer an. Dem Besucher werden sie als Votivtempelchen aus Blei aus dem Ende des 1.  Jh. v. Chr. vorgestellt. Gefunden wurden sie in einem Wrack in Comacchio, Italien. Handelt es sich hierbei um ein Kultobjekt, das verhandelt wurde, oder um Privatschreine der Besatzung? Oder um etwas gänzlich anderes? Unser Interesse ist geweckt.

Werfen wir nun einen ersten Blick auf die beiden Objekte. Ihre Gestaltung entspricht der von ‚großen‘ Tempeln, eben nur in Miniaturformat. Sie stehen auf einem Podest und haben an der Front je zwei Säulen. Die Türen von Tempelchen 1 sind geöffnet. Im Eingangsbereich steht ein nackter, geflügelter Eros. Bei Tempelchen 2 ist nur der rechte Türflügel geöffnet.

   

 

Es ist schon bemerkenswert, wie detailliert einzelne Verzierungen, wie das Tropaion („Siegeszeichen“) auf der Wand von Tempelchen 2, angefertigt wurden. Die gesamte Gestaltung der kleinen Tempel wirkt sehr authentisch. Man könnte meinen, dass es sich um Souvenirs von zwei Tempeln handelt, die sich Reisende mit nach Hause nehmen konnten. Es erscheint uns aber wahrscheinlicher, dass es sich um Privatschreine bzw. Teile davon handelt, die als Beiladung auf dem Schiff transportiert wurden.

Blickt man durch die geöffneten Türen in die Tempel hinein, so erkennt man schemenhafte Gestalten. Für uns war es naheliegend, dass es sich dabei um die Kultstatuen handeln muss. Denkt man einen Schritt weiter, so müsste sich der Tempel dann ja einer bestimmten Gottheit zuordnen lassen. Dazu muss man die Gottheit in Form der Kultstatue identifizieren. Allerdings gestaltete sich dies äußerst schwierig, weil die Statuen vorwiegend im Dunkeln liegen.

 

Wir wollen uns aber nicht von der Dunkelheit abschrecken lassen und unbedingt die Statuen in den Tempeln genauer in Augenschein nehmen. Dazu holen wir kurzerhand unsere Taschenlampen heraus (genauer gesagt unsere Handys mit Taschenlampenfunktion – das Ergebnis ist aber dasselbe). Leider reflektiert das Glas der Vitrine das Licht etwas, dennoch kann man die Statuen viel besser erkennen. Mithilfe des zusätzlichen Lichtes sieht man ganz hinten in Tempelchen 1 eine zweite Statue. Nach längerem Hinsehen sind wir uns einig, dass es sich dabei um die Statue einer halbnackten Venus handelt, die eine Figur hält. Dagegen ‚versteckt‘ sich in Tempelchen 2 der Gott Merkur, erkennbar an seinem Stab, dem Caduceus. Also Venus und Eros in dem einen Tempel und Merkur in dem anderen. Venus ist die Göttin der Schönheit und der Liebe, und Merkur der Gott der Reisenden und Kaufleute. Die kleinen Tempel wurden in einem Wrack gefunden. Ob da wohl eine Verbindung besteht?

Wir vier sind uns jedenfalls einig, dass diese kleinen Tempel noch eine sehr spannende Geschichte in sich tragen. Wir haben zwar einen Blick hineinwerfen können. Dieser war aber sehr kurz und konnte nicht alle Ecken erreichen. So verstecken sich die beiden Kultstatuen weiterhin im dunkleren Teil ihrer Tempel.

Von Melanie Barwe, Saskia Erhardt, Lydia Hofmann und Inga Wopke

Details

Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

08. September 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

Die Nora-Stele wurde 1773 nahe des Ortes Nora gefunden, der genaue Fundplatz ist heute leider unbekannt, heute ist sie Eigentum des Museo Archeologico Nazionale der sardischen Hauptstadt Cagliari.

Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

Schlendert der Besucher durch die Kalkrieser Sonderausstellung »Gefahr auf See – Piraten in der Antike«, wird er unweigerlich an der Nora-Stele vorbei kommen. Diese ist eines von mehreren großen Steinobjekten in der Ausstellung.

Während die übrigen Steinobjekte bildliche Darstellungen von Schiffen oder Seeschlachten zeigen oder wie die Alabastersarkophage die Entführung der Helena oder Odysseus und die Sirenen, befindet sich auf der Nora-Stele lediglich eine nur für Experten lesbare Ritzinschrift. Es handelt sich dabei um Altphönizisch, eine zwar tote aber bekannte Sprache.
Trotzdem bleibt die Nora-Stele rätselhaft und selbst unter den Fachleuten ist die Deutung des Textes umstritten. Nur über einen Punkt herrscht weitgehender Konsens: Es handelt sich um die älteste historisch verbürgte Nennung des Namens der Insel Sardinien, datiert auf etwa 900 v. Chr.
Für die Uneinigkeit der Experten in der Interpretation der Stele gibt es mehrere Gründe:

Die semitischen Sprachen, so auch die modernen Sprachen Hebräisch oder Arabisch, sind Konsonantenschriften. D.h. Vokale werden nicht geschrieben. Dabei machen doch gerade sie den entscheidenden Unterschied aus.
Was bedeutet etwa WLL? Welle? Wille? Wolle? Oder HLL: Halle? Helle? Hölle? Hülle?

Hinzu kommt die nur unvollständige Überlieferung der Stele, zuweilen fehlen Buchstaben, mitunter ganze Zeilen. Das wird zusätzlich dadurch erschwert, dass weder Lücken noch Satzzeichen Worte und Sätze voneinander trennen. So zieht sich also eine endlose Schlange von Konsonanten über den Sandstein. Und zu allem Überfluss kann diese Schlange auch noch die Richtung ändern oder sogar Haken schlagen: Mal  verlief der Schriftzug von links nach rechts und dann wieder von rechts nach links. Dadurch wird es knifflig zu unterscheiden, wo ein meist nur aus drei oder vier Konsonanten bestehendes Wort beginnt oder aufhört, was ein Verb ist oder ein Substantiv, was ein Eigenname und was eine Präposition.

?strwkcr hcn hclztsz ,lkv nh rn thcn ?sw

Was? Nicht nur ohne Vokale, zusätzlich noch rückwärts?

Natürlich gehen unterschiedliche Leserichtungen auch mit unterscheidlichen Bedeutungen einher. Und so wie man das Wort Lager rückwärts Regal entziffert, können sich folglich auch ganz unterschiedliche Satzinhalte ergeben, zumal, wenn das Fehlen von Vokalen den Bedeutungshorizont erweitert.
So eröffnen sich also viele Möglichkeiten der Auslegung, die Stele zu lesen. Aber zumindest scheinen alle Analysten der Stele sich darin einig zu sein, dass die Konsonantenfolge der dritten Zeile BŠRDNŠ mit B als Präposition be gelesen ‚auf/bei Sardinien‘ bedeutet. Das Š am Zeilenende gehört wohl schon zum nächsten Wort in der nächsten Zeile.
Ansonsten reichen die Interpretationen des Stelentextes vom Siegesbericht über die  Friedensbotschaft bis hin zur Vermeldung eines Schiffsuntergangs.

Aber auch aus einem weiteren Anlass bietet die Nora-Stele einen Grund zum Rätseln. Besondere Aufmerksamkeit der Forscher hat nämlich noch eine mutmaßliche Ortsnamennennung auf sich gezogen: Die Buchstabenfolge BTRŠŠ wird von einigen Forschern mit be-Taršiš (in/bei/mit Taršiš) gedeutet.
Taršiš begegnet uns in der Bibel als ein Ort, der weit im Westen des Mittelmeers liegt. Manche glauben, es handele sich um Tartessos in Südspanien, das zunächst Handelspartner der Phönizier war und später von den Karthagern zerstört wurde.
Aber vielleicht gab es  mehrere Orte mit dem Namen Taršiš? War das sardische Nora, wo die Stele 1773 gefunden wurde, einer davon? Oder gab es nur das eine Taršiš und die Gleichsetzung mit Tartessos ist falsch? Einige Forscher meinen, mit TRŠŠ/Taršiš sei ein nur zufällig gleichnamiger Ort gemeint, womöglich der phönizische Name Noras oder einer Siedlung in der Nähe. Dabei gibt es streng genommen gar keinen weiteren Grund das biblische Taršiš in Spanien zu suchen, als dass Tartessos ebenfalls ein Ort war, an dem die Phönizier Blei und Silber abbauten bzw. von den einheimischen Eliten kauften.

Was folgt aus all dem?

Selbst wenn die Völker schreiben konnten (und das Buchstabenalphabet der Phönizier war die Grundlage für das griechische und dieses wiederum für das lateinische, also unser Alphabet), bleiben oft mehr Fragen offen als dass uns die Quellen Antworten geben.


von Andreas Böcker

Details

Neue Möbel für alte Patienten

01. September 2016 | Museumsblog | 4 Kommentare

Neue Möbel für alte Patienten - Die Einrichtung des Klimamagazins

Neue Möbel für alte Patienten - Die Einrichtung des Klimamagazins

Wenn man als Besucher ein Museum besucht, sieht man in den Ausstellungsräumen, in Vitrinen oder auf Sockeln wunderbar in Szene gesetzte Objekte. Was man nicht unbedingt ahnt ist, dass es sich hierbei in den meisten Fällen um die Spitze des Eisberges handelt. Nur ein ganz geringer Teil an ausgewählten, exponierten und besonderen Objekten wird gezeigt. Hinter den verschlossenen Türen eines Museums existieren ungeahnte Weiten und Welten. Dort schlummern in Regalen, Kisten und den kuriosesten Verpackungen Objekte und Gegenstände die auf den ersten Blick nicht einzigartig, passend oder aufregend genug waren um es in die Ausstellung zu schaffen.

Details

A walk in the park #KultTrip

05. August 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

A walk in the park #KultTrip

A walk in the park oder Wandeln auf den Spuren der Römer #KultTrip

Vom Besucherzentrum geht es gleich wieder ins Freie, wenn man die Dauerausstellung zur Varusschlacht besuchen will. Doch heute gehe ich nicht in die Ausstellung, sondern folge dem Weg der Römer im Museumspark. Der erste Eindruck: Ganz schön weitläufig und ruhig. Der Park des Varusschlacht Museums ist tatsächlich selbst ein Teil der Ausstellung, wie ich auf meinem Spaziergang feststelle. Mir fällt dabei auf, dass der Turm, mit dem Museum und seiner Aussichtsplattform, stets über den Bäumen hervorragt – ein Leuchtturm der Geschichte, wenn man so will.

Zurück zu meinem Spaziergang. Ich betrete den Park über eine Brücke, die aus ganz in Reih und Glied angeordneten Stahlplatten besteht. Sie sollen an eine Legion auf dem Marsch erinnern. Auf einer der Platten lese ich den ersten Text auf meinem Weg:

Überlieferung… unweit des Teutoburger Waldgebirges, wo die Überreste des Varus und der Legionen unbestattet liegen sollen… Haud procul teutoburgiensi saltu inquo relicuiae vari legionumque insepultae dicebantur…
(Cornelius Tacitus römische Geschichtsschreiber geboren um 55 n. Chr.)

Details

Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Grabung

04. August 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Ausgrabung

Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Grabung

7 Uhr – Frische Morgenluft, ein klarer blauer Himmel mit einigen Schäfchenwolken und eine absolute Ruhe im Museumspark. Alles, was man hört, ist der Wind und Vogelgesang. Eine kleine Idylle, die jäh unterbrochen wird als der Grabungsleiter mit seinem PKW auf das Gelände fährt und sich die Grabungshelfer am Bauwagen sammeln.

Die ersten Handgriffe: Arbeitsschuhe werden geschnürt, Kaffee aufgesetzt und die Arbeitswerkzeuge zusammengepackt. Bewaffnet mit zwei Schubkarren, etlichen Schaufeln, Kellen, Eimern und weiteren Utensilien geht es auf die Grabung. Arbeitsanweisung für heute lautet das rechte Planum zu putzen. Putzen heißt hier mit Hilfe von Schaufeln Schlamm und Erdschichten abzutragen, bis man auf den archäologisch interessanten Grundboden kommt. Anschließend geht es an die Feinarbeit: Mit Kellen per Hand und auf den Knie den Boden möglichst glatt ziehen.

Der schlammige Boden ist schwer zu Schaufeln und schon nach kurzer Zeit merke ich, dass ich diese Form der körperlichen Arbeit nicht gewohnt bin. Ich wechsle von der Schaufel an die Kelle: Es geht auf die Knie, ein Gartenkissen dient als Unterlage und nun gilt es die Fläche nach und nach von vorne nach hinten mit der Kelle fein abzuputzen. Zu zweit oder zu dritt wird am Boden gearbeitet, während parallel weiter geschaufelt wird. Nur unterbrochen von einer Kaffeepause wird bis mittags an diesem Planum gearbeitet. Vier Grabungshelfer sind wir heute, allesamt Studenten der Geschichte, Geographie oder wie in meinem Fall der Germanistik. Trotz der anstrengenden Arbeit bleibt die gute Laune und Motivation: Anfangs wird die Arbeit noch von Musik aus dem Bagger begleitet. Später, als der Bagger an anderer Stelle im Einsatz ist, um einen neuen Bereich freizulegen, wird selbst gesungen. Madonna-Songs und Eigenkreationen wie „Das bisschen putzen macht sich von allein, sagt mein Chef“ begleiten die Arbeit. Besonders motivierend für mich ist es den direkten Fortschritt an der geputzten Fläche zu sehen. Dann ist es geschafft: Das Planum ist geputzt, doch das ist nur einer von vielen Arbeitsschritten auf einer archäologischen Grabung.

Bevor es in die Mittagspause geht, steht noch die Dokumentation der freigelegten Befunde aus. Befunde sind Verfärbungen im Boden an denen die Archäologen vergangene Strukturen erkennen können. Es sind – mal wieder, wie die Grabungshelfer bemerken – neuzeitliche Pfosten, die auf dieser Fläche vielfach vertreten sind. Etwa 20 Befunde wurden heute freigelegt. Zur Dokumentation werden die Bereiche nochmal nachgeputzt, nummeriert, fotografiert und vermessen.

13 Uhr – Mittagspause. Sitzen, durchatmen, essen. Es steht noch einige Arbeit auf dem Plan und die mittägliche Stärkung weiß man zu schätzen.

Details

14 Tage als Museumspädagoge

13. Juli 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

14 Tage als Museumspädagoge

Max Alfing (17, Gymnasium in der Wüste) erzählt von seinem Praktikum

Meine erste Begegnung mit dem Varusschlacht-Museum fand im Rahmen der Römer- und Germanentage statt, die ich mit meiner Familie besucht habe. Die Römer und Germanen, die sich in Kostümen und Gewändern auf und im Museumspark tummelten, haben es mir sofort angetan. Als ich vor einem Legionärszelt einen römischen Offizier traf, der sich in voller Montur und Rüstung präsentierte, interessierte mich besonders, wie schwer so eine Rüstung tatsächlich war – und der Zenturio setzte mir prompt seinen schweren eisernen Helm mit Kopfschmuck auf! Ich glaube, dass dieser Tag mein Interesse für Geschichte und insbesondere die römische geweckt hat.

Als Praktikant der Museumspädagogik habe ich innerhalb von zwei Wochen einen sehr guten und spannenden Eindruck von dem Alltag eines Museumspädagogen erhalten. Ehrlich gesagt wusste ich zu Anfang nicht genau, was ich von meinem Praktikum erwarten sollte, aber mein „Chef“, Museumspädagoge Stephan Quick, gab mir ziemlich schnell eine Idee und Richtung, wohin mein Praktikum führen sollte.

Als erstes verschaffte ich mir einen Überblick über das Programmangebot und natürlich über die Ausstellung. Was ich an den Führungen gut fand, war auf jeden Fall das vielfältige Angebot an Führungen, die für jede Altersklasse geeignet sind: Man kann als Kind für einen Tag in die Haut eines römischen Legionärs der Antike schlüpfen und sogar in Rekonstruktionen von römischen Zelten auf dem Museumsgelände übernachten. Als Erwachsener kann man nicht nur die Dauerausstellung besuchen und mehr zu den Hintergründe der Varusschlacht erfahren, sondern auch die zur Zeit laufenden Ausgrabungen besuchen und so etwas über die Arbeit der Archäologen erfahren. Besonders gut hat mir die Arbeit mit den Kindern gefallen, vor allem, wenn sie selbst Begeisterung an dem Thema gezeigt haben, was immer der Fall und wiederum dem großen, interessanten Angebot des Museums zu verdanken war.

Aber ich bin nicht nur bei den Führungen dabei gewesen, sondern habe Stephan Quick auch in Besprechungen und zu Terminen begleitet und dabei gelernt, wie zum Beispiel das Museum und Schulen kooperierend zusammenarbeiten und dabei auch große Projekte umsetzen, wie einen Film zusammen zu planen. Was ich auch aus erster Nähe beobachten durfte: Die Anforderungen, die an Museumspädagogen gestellt werden. Man muss sehr flexibel sein und als „Schaltzentrale“ des Museums auch gut den Überblick behalten. An der Stelle meinen Respekt für Herrn Quick, dass er das so alles auf dem Schirm hat.

Am Ende meines Praktikums konnte ich die Erfahrungen aus beiden Bereichen zusammenfließen lassen, und zusammen mit Herrn Quick eine Lesereihe für Kinder gestalten, welches mir viel Spaß bereitet hat, und was, wie ich hoffe auch bei den Kindern gut ankommt. Ich konnte viele Erfahrungen gewinnen und möchte am Ende dem gesamten Team des Museums meinen Dank aussprechen, für diese tolle und spannende Zeit, mit der ich nur positive Erinnerungen und Erfahrungen verbinde, die ich hier gesammelt habe. Es war ein tolles Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde!

von Max Alfing

Details