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Museumsblog

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

22. Juni 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

Da ja nun nicht jede Führung Stoff für eine Geschichte bietet, plaudere ich heute mal aus dem Nähkästchen. Am Anfang einer Gästeführer Karriere besteht immer die Angst, dass man Fragen nicht beantworten kann. Später weiß man, dass man nicht alles wissen kann, aber mit jeder Frage klüger wird. Denn wenn möglich, versucht man im Anschluss an die Führung die Antwort zu recherchieren.

Dann gibt es Fragen, die außer einem Lächeln hinter vorgehaltener Hand keine wirkliche Reaktion erfordern. Ich erinnere mich da an einen Zahnarzt, der seine Angestellten bei brütender Hitze zu einer Wanderung zum Venner Aussichtsturm anführte. Da ich dort oben wohne, hielt ich mit dem Auto kurz an, als ich die schwitzenden Wanderer erkannte. „Glauben Sie nicht auch, dass Varus und Arminius, dieser mit Thusnelda im Arm, von hier oben das Schlachtgeschehen beobachtet haben?“ rief mir der geschichtsbegeisterte Mediziner zu.

Eine Frage wurde jedoch jedem von uns schon einmal gestellt. „Sind Sie eigentlich Archäologin oder Historikerin?“ Die Antwortmöglichkeiten sind vielfältig. „Ich bin Gästeführer“ oder „Museumspädagoge“, kann man antworten. Der eine oder andere wird seinen erlernten Beruf erwähnen. Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben uns in diese spezielle Thematik gründlich eingearbeitet. Es sind aber noch ganz andere Fähigkeiten gefordert, denn ein komplexes Thema soll ja spannend rübergebracht werden und das für den geschichtlich vorgebildeten Besucher, der mit seinem Heimatverein anreist, ebenso wie für den Neuling in Sachen Antike. Also ist es sehr von Vorteil schon mal etwas von Rhetorik gehört zu haben. Auf keinen Fall sollte man Beklemmungen bekommen, wenn man vor einer größeren Gruppe sprechen soll. Hat man in der Schule so manche Note noch mit der mündlichen Mitarbeit gerettet oder durch eine Diskussion mit dem Lehrer über die selbige, dann ist man bei uns nicht verkehrt. Ein Zusatz in fast jedem Zeugnis der Grundschule mit dem Wortlaut „ Petra stört den Unterricht häufig durch Reden“, wandelt sich so im Rückblick eigentlich zu einem Lob.

von Petra Tüting

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Achtung! Freundliche Übernahme!

20. Juni 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Achtung! Freundliche Übernahme!

Unter dem Motto #ArchaeoSwap tauschen neun (archäologische) Museen quer durch Deutschland am Montag, den 26. Juni für einen Tag ihre Online-Kanäle.

Was kann man sich darunter vorstellen?
Wenn plötzlich Playmobil-Erklärungen auf dem Instagram Account vom LWL-Museum für Archäologie auftauchen, dann war das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg am Werk! Für ein paar Stunden tauschen Deutschlands Archäologie-Museen ihre Plattformen und nehmen ihre LeserInnen mit auf diverse Reisen durch die Geschichte. Zum Beispiel können die Follower des Ägyptischen Museums München, ohne eine Reise nach Nordrhein-Westfalen anzutreten, einen Blick ins Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen ergattern. Auf den Social Media-Kanälen des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst werden zur Abwechslung viele Informationen zur Vorgeschichte geteilt, die das Freilicht-Museum sonst in ihrer Dauerausstellung vermittelt. Während dessen bekommen die Karlsruher Follower des Landesmuseums durch das Varusschlacht – Museum und Park Kalkriese viele Assoziationen zur Römerzeit und so werden Brücken zwischen Epochen und Ländern geschlagen. Denn Migration gibt es schließlich seit 2 Millionen Jahren! Darüber wird aber sicher das Neanderthal Museum auf dem Twitter-Kanal des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen mehr erzählen, denn die kennen sich mit Migration aus! Die LeserInnen können sich auf neue Impulse und interessante Assoziationen gefasst machen.

Auch wer den Blog des Archäologischen Museums Hamburg verfolgt, sollte offen für Überraschungen sein, denn vielleicht verirren sich Geschichten zu Schwarzwälder Artefakten in den (digitalen) Norden?! Wer weiß, was sich das Badische Landesmuseum Karlsruhe so überlegt… Und wer üblicherweise mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz auf Reise durch die Welt geht und fremde Länder wie Vietnam erkundet, der kann sich auf Einblicke in die Arbeit von Archäologen mit Hilfe moderner Methoden gefasst machen, wenn das LWL-Museum für Archäologie die Social Media-Kanäle in Sachsen bespielt. Denn das Herner Museum beschäftigt sich aktuell mit technischen Revolutionen und deren Auswirkungen auf die Archäologie.

Mit dem #Museumsswap können digitale BesucherInnen am Montag, den 26. Juni einen Spaziergang durch Museen von Chemnitz über Oerlinghausen bis nach München mit nur wenigen Klicks antreten. Die #ArchaeoSwap-Teilnehmerreihenfolge wurden per Zufallsprinzip entschieden und sollen den digitalen NutzerInnen/BesucherInnen der neun Museen interessantes, aber vor allem unterhaltsames Wissen über vielleicht ferne Museumshäuser vermitteln und – wer weiß – zur nächsten Reise inspirieren ;) Also unbedingt dran bleiben! Mit dem Hashtag #ArchaeoSwap lassen sich alle Posts und Nachrichten verfolgen – es lohnt sich!

Informationen:
Die teilnehmenden Museen und die Rotation:
Stiftung Neanderthal Museum ? Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen ? Staatliches Museum Ägyptische Kunst ? Varusschlacht – Museum und Park Kalkriese ? Badisches Landesmuseum Karlsruhe ? Archäologisches Museum Hamburg ? Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg ? LWL-Museum für Archäologie ? Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz ?

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Drehstart beim Projekt „Crashkurs Varusschlacht“

12. Mai 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Drehstart beim Projekt „Crashkurs Varusschlacht“

Am vergangenen Wochenende war es dann endlich soweit – der Dreh stand an. An zwei Tagen wurde von morgens bis abends geschauspielert, gefilmt und geprobt bis am Sonntagabend tatsächlich alles fertig war. Wir geben einen kleinen Einblick wie unser Wochenende am Museum gelaufen ist:

Nachdem die Schüler mit dem Shuttlebus am Museum abgesetzt wurden ging es erstmal ans Einrichten. Das Kindermuseum diente uns als Garderobe, Pausenraum und Maske. Während die Hauptdarsteller nach der Ankunft erstmal noch in Ruhe ihre Dialoge durchgehen konnten, wurden die Nebenrollen von den Johannitern geschminkt. Danach waren die Schüler kaum wiederzuerkennen!
Henning (Kamera) und Miguel (Regie) machten sich währenddessen auf die Suche nach dem perfekten Drehplatz. Zum Glück war uns der Wettergott wohlgesonnen und wir hatten super Wetter. Daher fand sich schnell ein Platz im Park, der perfekt für die ersten Szenen geeignet war. Nur noch schnell die Nebelmaschine aufgebaut und der Dreh konnte losgehen. Die Schüler hatten ihre Rollen so verinnerlicht, dass wir perfekt im Zeitplan in die Kuchenpause gehen konnten. Die wurde bei bestem Wetter in der Sonne oder mit Kuchen und Gameboy im Kindermuseum verbracht bis alle wieder gestärkt in die nächsten Szenen starten konnten. Gedreht wurde bis spät in den Abend hinein. Anschließend saßen wir alle noch gemütlich zusammen und haben den ersten Drehtag ausklingen lassen bis erschöpft und zufrieden die Schlafquartiere in den Konferenzräumen bezogen wurden.

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Kultur macht stark Runde 2

24. April 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Was bisher geschah…

Seit dem Start der 2. Runde von „Kultur macht stark“ sind einige Monate verstrichen. Was haben die Schüler der Thomas-Morus-Schule in der Zwischenzeit alles gelernt und umgesetzt? Ein kurzer Rückblick: Anfangs stand neben dem Schauspieltraining mit dem Theaterpädagogen Miguel Lugasi vor allem eins auf dem Programm: Ideen sammeln. Denn bevor es ans Schauspielern geht musste erstmal einmal die Filmidee gefunden werden. Dazu gehörte auch die Entwicklung der Rollenbilder, bei denen die Schüler eifrig mitwirkten. Es wurden Steckbriefe entworfen um die Charaktere beim Dreh möglichst authentisch darzustellen.

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Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

09. März 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

Das Pojekt-Team freut sich auf die Arbeit

Kalkriese reloaded – ein neues Forschungsprojekt

Kalkriese als Ort der Varusschlacht? »Selbstverständlich«, sagen die meisten; »keinesfalls«, sagen andere; »woher will man das wissen?«, fragen wiederum Dritte. Auch wenn nach fast 30 Jahren Forschungen in Kalkriese vieles dafür spricht, dass hier der Kampf zwischen Römern und Germanen im Jahr 9 n. Chr. stattgefunden hat, sind nicht alle Zweifler überzeugt. Die historischen Schriftquellen sind in ihren Beschreibungen zu vage, als das man sie als Verlaufsprotokoll der Ereignisse und Wegbeschreibung zum Ort des Geschehens lesen kann. Was auf den einen Ort passt, passt auch auf andere. Und die Archäologie? Es gibt keinen weiteren Fundort, der Kalkriese an die Seite zu stellen ist, und zweifelsfrei hat hier eine Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden. Doch war es auch die legendäre Varusschlacht? Die archäologischen Funde – auch die Münzen – erlauben keine jahrgenaue Datierung. So können wir zwar die Jahreszeit bestimmen, in der die Schlacht stattgefunden hat, jedoch nicht in welchem Jahr. Es könnte durchaus möglich sein, dass die vor Ort ausgetragenen Kämpfe sich zwischen Arminius und Germanicus im Jahr 15 n. Chr. – also sechs Jahre nach der Varusschlacht – ereignet haben. Denn auch in diesem Jahr kam es zu schweren Kämpfen, in denen die Römer beinahe vier Legionen verloren hätten.

Bislang kreiste die Diskussion um eine Reihe von Fragen: Wie datieren die römischen Münzen den Kalkrieser Fundplatz; wie passt der Fundplatz zur historischen Überlieferung; welche Szenarien lassen sich vor Ort rekonstruieren (Hinterhalt, Plünderungen nach der Schlacht)? Vieles ist darüber deutlich geworden, vor allem die Schwierigkeiten, die archäologischen Bodenfunde und die historischen Schriftquellen in Einklang zu bringen. Wirklich gelungen ist das nicht. *

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Crashkurs Varusschlacht geht in die zweite Runde

14. Februar 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Crashkurs Varusschlacht geht in die zweite Runde

Vor einigen Wochen begab sich eine neue Schülerschar der Thomas-Morus-Schule erneut auf die Spurensuche und läutete den Start der zweiten Runde „Crashkurs Varusschlacht“ ein. Nachdem im letzten Jahr der Film „VarusLeaks“ im Rahmen des Programm‘s „Kultur macht stark“ Mitschüler, Lehrer und Zuschauer begeisterte, wird auch in diesem Jahr wieder ein spannender Film mit und von Schülern eigenständig entwickelt und umgesetzt. Dabei wird sich alles rund um das Thema „Varusschlacht“ drehen. Das fertige Filmergebnis wird am Juni in der Thomas-Morus-Schule präsentiert und natürlich auch wieder auf Youtube veröffentlicht. Hilfe bei der Umsetzung, beim Dreh und Schnitt erhalten die Teilnehmer von Pädagogen und Archäologen des Museums als Themenexperten sowie dem Forum Osnabrück für Kultur und Soziales e.V. als theater- und medienpädagogische Unterstützung.
Seit Anfang Januar haben die Schüler bei regelmäßigen Treffen schon jede Menge Input zum Thema Schauspiel bekommen. Außerdem wurde das Museum und der Park Kalkriese schon auf der Suche nach den jeweiligen Lieblingsexponaten durchforstet. Welche das sind? Das und sich selbst stellen die Schüler in Kürze selbst auf unserem Blog vor!

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Aus dem Alltag eines Gästeführers

20. Januar 2017 | Museumsblog | 0 Kommentare

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Petra Tüting als Römische Gastgeberin

Aus dem Alltag eines Gästeführers

Kaum angefangen, ist mir schon der erste Fehler unterlaufen, denn wir sind im Moment ausschließlich Frauen und damit Gästeführerinnen. Und auf die richtige Bezeichnung legen viele erheblichen Wert, obwohl so manche Rede dadurch enorm verlängert wird.

Die Gästeführerinnen haben jetzt im Winter Zeit, sich mit Dingen jenseits der Varusschlacht zu beschäftigen. Die Saison beginnt erst wieder im März, wenn die Schulen Ausflüge vor den Osterferien durchführen und die ersten Gruppen die länger werdenden Tage und das hoffentlich besser werdende Wetter für Museumsbesuche nutzen. Im Sommer, wenn sich drei Schulklassen und eine Seniorengruppe gleichzeitig durch unsere Ausstellung bewegen, möchte ich dem sich durch die nicht immer zu vermeidende Lautstärke gestört fühlendem Besucher zurufen: “Kommen sie doch im Winter, dann ist es ruhiger.“ Ein Museum bietet sich doch in der kalten Jahreszeit regelrecht an, wenn man bei schlechtem Wetter die Zeit sinnvoll nutzen will. Liegt es vielleicht daran, dass es sich um ein Schlachtfeld handelt und alle sich vorstellen, dass die Führungen hauptsächlich durch unseren Park gehen. Zugegeben, natürlich ist es schöner, bei Sonnenschein dort spazieren zu gehen, aber die meisten Führungen finden in unserem zwar kühl anmutenden, aber gut geheizten Museumsgebäude statt. Außerdem ist ein Besuch bei Regen und Kälte viel authentischer: Eingeweihte wissen, dass die römischen Legionen auch besonders wegen dieser Bedingungen geradezu im Matsch versunken sind.


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Auf einen guten Jahrgang

20. Dezember 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Auf einen guten Jahrgang

Das Jahr neigt sich dem Ende – auch wenn man das Gefühl hat erst gestern mit Freunden auf das noch junge Jahr 2016 angestoßen zu haben.

Zum Abschluss dieses Jahres möchte ich in unserem auch noch sehr jungen Museumsblog ein wenig zurückblicken. Viele Ereignisse haben das Jahr 2016 zu einem sehr abwechslungsreichen und vielversprechenden Jahr gemacht. Gestartet sind wir in Kalkriese mit einem, wenn man das so sagen darf, Knaller. Beim Oster-Leuchten hat eine tolle Feuerwerksshow den Himmel erleuchtet und das Jahresmotto eingeläutet. Mit den Piraten in der Antike haben wir nicht nur eine neue Sonderausstellung präsentiert, sondern auch ein antikes Thema beleuchtet, dem sich vorher noch keiner in einer Ausstellung oder Publikation wirklich angenähert hat. Herausragende Funde aus Italien, Vorträge und viele Programme für Kinder haben die antiken Piraten in den Fokus gerückt.

Der wahre Knaller sollte allerdings noch kommen. Bei den Ausgrabungen im Museumspark konnten die Archäologen – wie man unter Piraten sagen würde – fette Beute machen. Gleich acht Goldmünzen aus augusteischer Zeit. Eine kleine archäologische Sensation, die nicht nur in Wissenschaftskreisen für Aufsehen sorgte. Wer sie noch live sehen möchte, muss sich beeilen: Nur noch drei Wochen ist die Kabinettausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ zu sehen.

In Sachen Forschung ging es rasant weiter. Die Zusage der VW-Stiftung für ein mehrjähriges Forschungsprojekt im Rahmen der Förderinitiative „Forschung in Museen“ ist ein riesiger Schritt für uns. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Bergbau Museum Bochum und der LMU München. Und es geht noch weiter. Bei den Grabungen wirft ein weiterer Befund neue Fragen auf: Ein zweiter Wall. Hinweise auf ein Römerlager? Eine zweite Wallanlage? Oder etwas ganz anderes? Es gibt viele neue Fragen! Weitere Ausgrabungen werden folgen. Auch nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten sind die Forschungen in Kalkriese noch lange nicht abgeschlossen.

Begleiten Sie uns auch 2017 auf der spannenden Spurensuche, um die Vergangenheit weiter zu ergründen. Ihnen und Ihren Angehörigen wünschen wir besinnliche Festtage und ein gute neues Jahr!

von Caroline Flöring

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Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

14. September 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Ein Gastbeitrag einer ehemaligen Praktikantin und drei ihrer Kommilitoninnen, vier Studentinnen der Archäologie aus Münster.

Heute werfen wir einen Blick in die Sonderausstellung, genauer gesagt in die zwei kleinen Tempel, die wir, vier Archäologiestudentinnen aus Münster, dort entdeckt haben. Ja, entdeckt, dieses Wort trifft es in unserem Fall ganz gut. Als Archäologiestudentinnen haben wir schon einiges kennengelernt, aber solche kleinen Tempel sind uns bisher noch nicht begegnet. Deswegen schauen wir uns diese beiden Objekte umso genauer an. Dem Besucher werden sie als Votivtempelchen aus Blei aus dem Ende des 1.  Jh. v. Chr. vorgestellt. Gefunden wurden sie in einem Wrack in Comacchio, Italien. Handelt es sich hierbei um ein Kultobjekt, das verhandelt wurde, oder um Privatschreine der Besatzung? Oder um etwas gänzlich anderes? Unser Interesse ist geweckt.

Werfen wir nun einen ersten Blick auf die beiden Objekte. Ihre Gestaltung entspricht der von ‚großen‘ Tempeln, eben nur in Miniaturformat. Sie stehen auf einem Podest und haben an der Front je zwei Säulen. Die Türen von Tempelchen 1 sind geöffnet. Im Eingangsbereich steht ein nackter, geflügelter Eros. Bei Tempelchen 2 ist nur der rechte Türflügel geöffnet.

   

 

Es ist schon bemerkenswert, wie detailliert einzelne Verzierungen, wie das Tropaion („Siegeszeichen“) auf der Wand von Tempelchen 2, angefertigt wurden. Die gesamte Gestaltung der kleinen Tempel wirkt sehr authentisch. Man könnte meinen, dass es sich um Souvenirs von zwei Tempeln handelt, die sich Reisende mit nach Hause nehmen konnten. Es erscheint uns aber wahrscheinlicher, dass es sich um Privatschreine bzw. Teile davon handelt, die als Beiladung auf dem Schiff transportiert wurden.

Blickt man durch die geöffneten Türen in die Tempel hinein, so erkennt man schemenhafte Gestalten. Für uns war es naheliegend, dass es sich dabei um die Kultstatuen handeln muss. Denkt man einen Schritt weiter, so müsste sich der Tempel dann ja einer bestimmten Gottheit zuordnen lassen. Dazu muss man die Gottheit in Form der Kultstatue identifizieren. Allerdings gestaltete sich dies äußerst schwierig, weil die Statuen vorwiegend im Dunkeln liegen.

 

Wir wollen uns aber nicht von der Dunkelheit abschrecken lassen und unbedingt die Statuen in den Tempeln genauer in Augenschein nehmen. Dazu holen wir kurzerhand unsere Taschenlampen heraus (genauer gesagt unsere Handys mit Taschenlampenfunktion – das Ergebnis ist aber dasselbe). Leider reflektiert das Glas der Vitrine das Licht etwas, dennoch kann man die Statuen viel besser erkennen. Mithilfe des zusätzlichen Lichtes sieht man ganz hinten in Tempelchen 1 eine zweite Statue. Nach längerem Hinsehen sind wir uns einig, dass es sich dabei um die Statue einer halbnackten Venus handelt, die eine Figur hält. Dagegen ‚versteckt‘ sich in Tempelchen 2 der Gott Merkur, erkennbar an seinem Stab, dem Caduceus. Also Venus und Eros in dem einen Tempel und Merkur in dem anderen. Venus ist die Göttin der Schönheit und der Liebe, und Merkur der Gott der Reisenden und Kaufleute. Die kleinen Tempel wurden in einem Wrack gefunden. Ob da wohl eine Verbindung besteht?

Wir vier sind uns jedenfalls einig, dass diese kleinen Tempel noch eine sehr spannende Geschichte in sich tragen. Wir haben zwar einen Blick hineinwerfen können. Dieser war aber sehr kurz und konnte nicht alle Ecken erreichen. So verstecken sich die beiden Kultstatuen weiterhin im dunkleren Teil ihrer Tempel.

Von Melanie Barwe, Saskia Erhardt, Lydia Hofmann und Inga Wopke

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Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

08. September 2016 | Museumsblog | 0 Kommentare

Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

Die Nora-Stele wurde 1773 nahe des Ortes Nora gefunden, der genaue Fundplatz ist heute leider unbekannt, heute ist sie Eigentum des Museo Archeologico Nazionale der sardischen Hauptstadt Cagliari.

Die Nora-Stele – erste belegte Erwähnung der Insel Sardinien

Schlendert der Besucher durch die Kalkrieser Sonderausstellung »Gefahr auf See – Piraten in der Antike«, wird er unweigerlich an der Nora-Stele vorbei kommen. Diese ist eines von mehreren großen Steinobjekten in der Ausstellung.

Während die übrigen Steinobjekte bildliche Darstellungen von Schiffen oder Seeschlachten zeigen oder wie die Alabastersarkophage die Entführung der Helena oder Odysseus und die Sirenen, befindet sich auf der Nora-Stele lediglich eine nur für Experten lesbare Ritzinschrift. Es handelt sich dabei um Altphönizisch, eine zwar tote aber bekannte Sprache.
Trotzdem bleibt die Nora-Stele rätselhaft und selbst unter den Fachleuten ist die Deutung des Textes umstritten. Nur über einen Punkt herrscht weitgehender Konsens: Es handelt sich um die älteste historisch verbürgte Nennung des Namens der Insel Sardinien, datiert auf etwa 900 v. Chr.
Für die Uneinigkeit der Experten in der Interpretation der Stele gibt es mehrere Gründe:

Die semitischen Sprachen, so auch die modernen Sprachen Hebräisch oder Arabisch, sind Konsonantenschriften. D.h. Vokale werden nicht geschrieben. Dabei machen doch gerade sie den entscheidenden Unterschied aus.
Was bedeutet etwa WLL? Welle? Wille? Wolle? Oder HLL: Halle? Helle? Hölle? Hülle?

Hinzu kommt die nur unvollständige Überlieferung der Stele, zuweilen fehlen Buchstaben, mitunter ganze Zeilen. Das wird zusätzlich dadurch erschwert, dass weder Lücken noch Satzzeichen Worte und Sätze voneinander trennen. So zieht sich also eine endlose Schlange von Konsonanten über den Sandstein. Und zu allem Überfluss kann diese Schlange auch noch die Richtung ändern oder sogar Haken schlagen: Mal  verlief der Schriftzug von links nach rechts und dann wieder von rechts nach links. Dadurch wird es knifflig zu unterscheiden, wo ein meist nur aus drei oder vier Konsonanten bestehendes Wort beginnt oder aufhört, was ein Verb ist oder ein Substantiv, was ein Eigenname und was eine Präposition.

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Was? Nicht nur ohne Vokale, zusätzlich noch rückwärts?

Natürlich gehen unterschiedliche Leserichtungen auch mit unterscheidlichen Bedeutungen einher. Und so wie man das Wort Lager rückwärts Regal entziffert, können sich folglich auch ganz unterschiedliche Satzinhalte ergeben, zumal, wenn das Fehlen von Vokalen den Bedeutungshorizont erweitert.
So eröffnen sich also viele Möglichkeiten der Auslegung, die Stele zu lesen. Aber zumindest scheinen alle Analysten der Stele sich darin einig zu sein, dass die Konsonantenfolge der dritten Zeile BŠRDNŠ mit B als Präposition be gelesen ‚auf/bei Sardinien‘ bedeutet. Das Š am Zeilenende gehört wohl schon zum nächsten Wort in der nächsten Zeile.
Ansonsten reichen die Interpretationen des Stelentextes vom Siegesbericht über die  Friedensbotschaft bis hin zur Vermeldung eines Schiffsuntergangs.

Aber auch aus einem weiteren Anlass bietet die Nora-Stele einen Grund zum Rätseln. Besondere Aufmerksamkeit der Forscher hat nämlich noch eine mutmaßliche Ortsnamennennung auf sich gezogen: Die Buchstabenfolge BTRŠŠ wird von einigen Forschern mit be-Taršiš (in/bei/mit Taršiš) gedeutet.
Taršiš begegnet uns in der Bibel als ein Ort, der weit im Westen des Mittelmeers liegt. Manche glauben, es handele sich um Tartessos in Südspanien, das zunächst Handelspartner der Phönizier war und später von den Karthagern zerstört wurde.
Aber vielleicht gab es  mehrere Orte mit dem Namen Taršiš? War das sardische Nora, wo die Stele 1773 gefunden wurde, einer davon? Oder gab es nur das eine Taršiš und die Gleichsetzung mit Tartessos ist falsch? Einige Forscher meinen, mit TRŠŠ/Taršiš sei ein nur zufällig gleichnamiger Ort gemeint, womöglich der phönizische Name Noras oder einer Siedlung in der Nähe. Dabei gibt es streng genommen gar keinen weiteren Grund das biblische Taršiš in Spanien zu suchen, als dass Tartessos ebenfalls ein Ort war, an dem die Phönizier Blei und Silber abbauten bzw. von den einheimischen Eliten kauften.

Was folgt aus all dem?

Selbst wenn die Völker schreiben konnten (und das Buchstabenalphabet der Phönizier war die Grundlage für das griechische und dieses wiederum für das lateinische, also unser Alphabet), bleiben oft mehr Fragen offen als dass uns die Quellen Antworten geben.


von Andreas Böcker

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