Schriftgröße


Informationen und Lösungen

Mehr INFORMATION – für Schüler, Lehrer und alle, die es wissen wollen

Hier haben wir einige vertiefende Kerninformationen sowie die Lösungen zu den Themen der Unterrichtseinheiten und Arbeitsblätter zusammengestellt.

 

 

 

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

DIE VARUSSCHLACHT
Im Jahre 9 n. Chr. lockten germanische Krieger, angeführt von dem Cherusker Arminius, drei römische Legionen in einen Hinterhalt. Den antiken Quellen zufolge wurden die 17., 18. und 19. Legion vernichtend geschlagen. Ihr Anführer, der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus, beging Selbstmord. Das Ereignis ging als Varusschlacht in die Geschichte ein und wurde Jahrhunderte später als „Schlacht im Teutoburger Wald“ und „Hermannsschlacht“ populär. Von dieser Bedeutung zeugt unter anderem das Hermannsdenkmal in Detmold.


Die Suche
In den folgenden Jahrhunderten geriet das Ereignis in Vergessenheit. Erst mit der Entdeckung der antiken Quellen ab dem 16. Jh. gelangte der Verlauf der römisch-germanischen Konfliktgeschichte und der triumphale Sieg der Germanen über die Römer auch einem breiteren Publikum wieder zur Kenntnis. Schon frühzeitig erkannte man das hierin steckende politische Potential. So avancierte der Sieg der Germanen über die Römer im Jahre 9 n. Chr. ab dem 18. Jh. zur deutschen Schicksalsschlacht und im 19. Jh. zum Gründungsmythos des Deutschen Reichs.
Der Ort des Geschehens war und blieb indes unbekannt. Aufgrund fehlender lokalisierbarer Ortsangaben in den antiken Quellen begann die Suche, an der sich über die Jahrhunderte Generationen an Heimatforschern beteiligten. Hunderte an mutmaßlichen Tatorten wurden vorgeschlagen und nicht wenige wurden Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen. „700 Theorien – doch keine führt zum Schlachtfeld“ titelte 1983 der Althistoriker Wilhelm Winkelmann. In der Tat hatte die intensive Suche bis dahin zwar blühende Spekulationen, aber keine konkreten Hinweise und Indizien, also archäologische Befunde und Funde, auf die einstige antike Schlacht erbracht.


Die Entdeckung

Im Sommer 1987 entdeckte der britische Major Tony Clunn in Kalkriese bei Bramsche einen römischen Münzschatz und Schleudergeschosse aus Blei. Zwar hatte man in der Region schon zuvor häufig römische Münzen gefunden, nicht jedoch römische Waffen. Nach ersten Probeuntersuchungen wurden ab 1989 großflächige archäologische Ausgrabungen in Angriff genommen. Hierbei traten zahllose Hinweise auf ein Kampfgeschehen zwischen Römern und Germanen zutage sowie einige spektakuläre Funde. Anhand der Münzfunde datierten Numismatiker den Gesamtbefund in die Jahre zwischen 7 und 10 n. Chr. – demnach spricht einiges dafür, den Fundplatz Kalkriese im Kontext der Varusschlacht zu sehen, die sich den antiken Autoren zufolge über mehrere Tage und Orte hingezogen hatte. Ob der Fundplatz Kalkriese am Anfang, in der Mitte oder am Ende dieser Ereigniskette liegt, lässt sich aus den derzeit vorliegenden Hinweisen allerdings nicht erschließen.


Befunde und Funde
Bis heute konnten mehr als 6000 römische Funde geborgen werden. Dazu gehören militärische Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Werkzeuge, Alltagsgerät und rund 2000 römische Münzen. Hinzu kommen Skelette verendeter Tiere sowie Menschenknochen mit Spuren von Gewalteinwirkung. Zu den wichtigsten Befunden gehört eine auf 400 Metern Länge nachgewiesene, künstlich aufgeschüttete Wallanlage.

Sie wurde bisher als einer von den Germanen am Kalkrieser Berg errichteter Hinterhalt gedeutet. Bei den Ausgrabungen im Sommer 2017 konnten Indizien für weitere Wallanlagen im Norden und Osten entdeckt werden. Unklar ist noch, ob diese zusammengehören. Dies zu klären, wird Aufgabe der nächsten Jahre sein. Sollte sich hierbei ein Zusammenhang ergeben, könnte es sich eventuell um eine römische Anlage, eventuell ein improvisiertes Nachtlager handeln.

Der Museumspark
Dank des zunehmenden öffentlichen Interesses wurde im Verlauf der 1990er Jahre beschlossen, am Fundort einen Museumspark zu gründen. Der Park wurde im Jahr 2000 als externes Expo-Projekt eröffnet. Zwei Jahre später folgte die Fertigstellung des Museums. 2009 kam anlässlich des großen Kooperationsprojektes „2000 Jahre Varusschlacht – Imperium Konflikt Mythos“ das Besucherzentrum im Eingangsbereich hinzu.
Für die Bauten zeichnen die Schweizer Architekten Annette Gigon und Mike Guyer verantwortlich. Ihr Entwurf setzt auf klare Formen ohne dramatische Effekte und eine jeweils durchgängige Materialsprache. Der rund 40 Meter hohe Turm lenkt als Landmarke die Perspektive des Betrachters auf den Ort der historischen Auseinandersetzung – den Park.
Bei der Gestaltung des Parks wurde angesichts der seither eingetretenen weit fortgeschrittenen landschaftlichen Veränderungen weitgehend auf eine Rekonstruktion verzichtet und nicht auf Veranschaulichung, sondern auf Abstraktion und Reduktion gesetzt: Eiserne Stelen versinnbildlichen den Wallverlauf, der Landschaftsschnitt versteht sich als modellhafte Annäherung an die einstige landschaftliche Gliederung und Vegetation und die Pavillons laden den Besucher dazu ein, sich ein eigenes Bild von den Ereignissen vor 2000 Jahren zu machen.