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Pavillons und Weg der Römer

Raum zum Nachdenken

Im Park befinden sich der Pavillon des Sehens, der Pavillon des Hörens und der Pavillon des Fragens.

Der Pavillon des Sehens zeigt kein Bild der Schlacht, der Pavillon des Hörens gibt keine Geräusche aus der Vergangenheit wieder, der Pavillon des Fragens gibt keine Antworten. Es sind Orte, die die Wahrnehmung schärfen und die sinnliche Auseinandersetzung anregen. Hier ist nicht Wissen, sondern Vorstellungskraft gefragt. Was geschah an diesem Ort? Welche Geräusche erschütterten wohl die Landschaft? Die Varusschlacht ist Vergangenheit – Krieg jedoch gibt es immer noch. Warum?

Der Pavillon des Sehens

Der Weg der Römer wendet sich mit seinen teils beschrifteten Bodenplatten erst dem Pavillon des Sehens zu. Dann korrigiert er seine Richtung leicht, bevor sich seine Spur über das Feld hinweg fortsetzt.

Im Pavillon ist es dunkel, sehr dunkel sogar. Nur durch ein großes Prisma dringt Licht und das verfremdete Bild der Umgebung. Das Feld. Wie wir es heute sehen. Es ist ruhig, man könnte fast sagen, friedlich. Keine Spur von Verwüstung und Tod wie vor 2000 Jahren. Um eine Ahnung zu wecken, müssen wir unsere Sicht auf diesen Ort bewusst verändern ...

Der Pavillon des Hörens

Zuerst das dumpfe Geräusch der marschierenden Soldaten. Dann wird der gleichmäßige Takt unterbrochen. Unruhe. Befehle, Rufe, Schreie und Stöhnen der Verwundeten.

Heute ist davon glücklicherweise nichts mehr zu hören. Auch die Erinnerung daran ist fast vergessen. Was verbindet uns mit den Menschen, die hier vor so langer Zeit einander bekämpften und litten?

Das Hörrohr fängt den Klangteppich des 21. Jahrhunderts auf und verstärkt ihn am Ohr des Zuhörers. Man kann es zum Wald hin ausrichten oder in Richtung auf das Moor. – Wie war wohl dem Legionär zumute, als er bemerkte, dass etwas nicht stimmte, und angestrengt versuchte, jeden verdächtigen Laut wahrzunehmen?

Der Pavillon des Fragens

Wie gesagt, 2000 Jahre sind eine lange Zeit. Was also geht mich dieses Scharmützel der alten Römer an?
In unserem Land hat es seit vielen Jahrzehnten keinen Krieg gegeben. Gott sei Dank! Andererseits ist der Krieg allgegenwärtig. Spätestens während der abendlichen Fernsehnachrichten. Aber so etwas, wie hier geschah, passiert doch nicht mehr. Oder ... ?

Der »Weg der Römer«

Wegmarken aus vergänglichem Material

Der Weg der Römer führte vermutlich von Osten kommend entlang des Kalkrieser Berges. Nach der Niederlage und der Plünderung des Schlachtfeldes weist nach 2000 Jahren nur noch eine dünne, aber deutlich sich abzeichnende Streuung kleiner Fundstücke auf die Route hin, die die römischen Legionäre wohl mit ihrem Tross 9 n. Chr. einschlugen.

Dieser Weg ist nun mit Platten belegt, die ganz offensichtlich dem Verfall durch Rost ausgesetzt sind. Ähnlich wie die Erinnerung an die Schlacht und die Gefallenen in Laufe der Zeit immer blasser wurde, bis sie im Mittelalter in Vergessenheit geriet.

Wie mit der Wiederentdeckung der Schriften des Tacitus im 15. Jahrhundert die Nachricht von der Varusschlacht wiederentdeckt wurde und erneut in das Bewusstsein der Menschen gelangte, so tauchen im einförmigen Nebeneinander der Stahlplatten hin und wieder Platten auf, die kurze Zitate antiker Quellen tragen. Die Beschreibung des Geschehens kehrt an den Ort ihres Ursprungs zurück.

Der Weg der Römer verlief nicht gerade. Er folgte den Vorgaben der Natur, die an diesem Ort ganz besondere Anforderungen bereithielt. Im Süden der dicht bewaldete Berg, im Norden das unwegsame Moor. Die Wahl des gangbaren Wegs schien einfach ...