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Kunst zur Varusschlacht

Zwei Kunstwerke auf dem Gelände des Museumsparks deuten das historische Ereignis auf ihre Weise.

2000 Jahre Varusschlacht waren 2009 der Anlass für das internationale Kunstprojekt »COLOSSAL Kunst Fakt Fiktion« unter Leitung des belgischen Kurators Jan Hoet. Zwanzig Künstlerinnen und Künstler formulierten in der VarusRegion mit unterschiedlichsten Installationen ihre Sichtweisen auf das Ereignis, seine Folgen und seine Wahrnehmung.

Von den bis Ende 2011 zu sehenden Kunstwerken, die fast alle an die Künstler zurückgingen oder beseitigt werden mussten, sind einzelne auch jetzt noch in der Region zu sehen: so vor dem Osnabrücker Hauptbahnhof die »Battle Drums« des Amerikaners Dennis Oppenheim, in der Hase (Innenstadt) die »Fountain of Wishes« des Spaniers Fernando Castillo und schließlich auf dem Kalkrieser Gelände der Varusschlacht zwei Kunstwerke von Hans Lemmen und Susanne Tunn.

Hans Lemmen, »Golden Boy«, 2009

Blattgold, verteilt auf 6 Bäumen, Höhe circa 800 cm

Kein Zeichen an der Wand, sondern ein Zeichen am Baum hinterlässt Hans Lemmen im archäologischen Park von Kalkriese. Sein riesiger »Goldjunge« erscheint nicht nur kopflos, sondern auch auf mehrere Bäume verteilt. Nur von einem einzigen Standpunkt aus fügt er sich zusammen, wenn man am westlichen Ende des Museumsparks den Wald betritt.

Der 1959 geborene Niederländer lebt und arbeitet in Maastricht und Waltwilder. Vernunftbegabtheit und Tierisches im Menschen führen ihn zu Fragen nach unserer fatalen Beziehung zu Umwelt und Natur. Wird der Mensch sich langfristig selbst »enthaupten«, wenn er so weitermacht wie bisher? Die dreifache Beschaffenheit unserer Gattung – Tier, Mensch und Superwesen – wird im Werk von Hans Lemmen in wechselnden Kombinationen vorgeführt und ist eines seiner zentralen Themen.

Susanne Tunn, »The Key«, 2009

Kalkstein, 230 x 220 x 180 cm

Ein gewaltiger und doch fast schwerelos auf einer schiefen Ebene gelagerter Stein liegt im Eingangsbereich des Museumsparks Kalkriese. Wie ein umgedrehter kompakter Tisch oder ein auf dem Rücken liegendes Tier streckt er alle Viere gen Himmel. Der Titel »The Key« weckt Assoziationen: Was schließt der Schlüssel auf? Oder ist der Stein selbst, der behutsam und markant zugleich sein Inneres offenbart, das »Aufgeschlossene«? Die Beschaffenheit des Steins wird sichtbar, das raue Außen und das glatte Innen wirken wie die Umkehrung des Erwarteten. Doch auch konkrete Fundstücke aus Kalkriese haben die Künstlerin zu diesem steinernen Statement angeregt.

Susanne Tunn, geboren 1958, lebt und arbeitet bei Osnabrück. Für COLOSSAL hat die Bildhauerin diesen Zwanzigtonner mit großer Präzision und Behutsamkeit bearbeitet, Spuren in ihn eingeschrieben, ein Monument von großer Leichtigkeit und geradezu Zartheit geschaffen.