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Fifty shades of brown

18. June 2018 | Museumsblog | 0 comments

Fifty shades of brown

Das Arbeitsleben eines Restaurators ist sehr facettenreich, die durchzuführenden Tätigkeiten sehr abwechslungsreich. (Nein, ich möchte wirklich keinen anderen Beruf haben.) Ich möchte nun einen Einblick in einen Arbeitsbereich geben, der mit Farben zu tun hat, aber nicht sehr farbenfroh ist.

Ich wurde mit einer sehr interessanten Aufgabe für unsere neue Sonderausstellung „Götter Glaube und Germanen“ betraut, oder eher gesagt, habe ich sie an mich gerissen mit den Worten: „Das kriege ich hin, das sieht danach viel besser aus!“ Ein Exponat, so nennen wir die in einer Ausstellung gezeigten Objekte, ist eine Abformung der „Männer von Hunteburg“. Ende der vierziger Jahre, genau gesagt am 25. April 1949, wurden im Schweger Moor bei Hunteburg zwei Moorleichen gefunden. Die beiden Männer waren jeweils in einen deckenförmigen Mantel gewickelt. Die Moorleichen wurden geborgen, ins Landesmuseum nach Hannover gebracht, dort untersucht und sind dann, beim Versuch sie zu konservieren, in Rauch aufgegangen.

Glücklicherweise wurde nach dem Auswickeln der Beiden aus den Mänteln eine Abformung angefertigt. Die Methode der Abformung wird in der Restaurierungspraxis immer dann angewendet, wenn man ein Stück duplizieren möchte und eine Kopie braucht. Eine andere Möglichkeit ist das Abformen einer Fundsituation, die nach der Bearbeitung in dieser Form nicht mehr vorhanden, also zerstört ist. Beispiele sind die Kopie der Maske, oder anderer Fundobjekte. Weil die Originale sehr korrosionsanfällig sind, wurden deshalb die Kopien in einer Wanderausstellung gezeigt. Die Knochengrube, die in der Dauerausstellung zu sehen ist, ist die Abformung einer Fundsituation. Angefertigt wurde sie direkt auf der Ausgrabung, danach wurden die Knochen einzeln entnommen und zur Bearbeitung weiter an den Anthropologen gegeben.

Jetzt gibt es also eine Kopie der beiden Männer die auf ihren Mänteln liegen, aus Gips gefertigt und auf einem Holzkasten montiert. Dieser hat Fehlstellen und ist blau angemalt. Die Moorleichen wirken einfach angepinselt, in einem hellen Sandton, die Knochenpartien sind dunkel hervorgehoben. Die Mäntel lassen sich kaum vom angedeuteten Erdreich unterscheiden. Kurzum, sie sehen ziemlich hässlich aus und wirken nicht gerade realistisch. Was das betraf waren wir so ziemlich einer Meinung, auch mit meiner Kollegin aus der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, die uns die Abformung als Leihgabe zur Verfügung stellt. Wir erhielten das Okay die Abformung farblich neu zu gestalten, und so den Besuchern ein ansehnliches Exponat zu präsentieren. Ein bisschen regte sich mein Restauratorengemüt: die Farbfassung ist ja schon fast „historisch“, und ein Übermalen würde diesen Zustand zerstören. Aber so war das Exponat einfach nicht ausstellungsgeeignet, allenfalls um weiter im Depot zu verstauben.

So ging es ans Werk. Als erstes wurde eine einfache Reinigung mit Wasser durchgeführt, um anhaftende Staubauflagerungen zu entfernen. Da nicht zu ermitteln war mit welchen Farben vor fast siebzig Jahren gearbeitet wurde, gab es als erste Schicht einen Anstrich mit Tiefengrund. Das hatte auch den Vorteil, dass die Flüssigkeit in die feinen Haarrisse eindrang und diese damit festigte. Auch gab es vereinzelt kleine Schollen die drohten abzuplatzen, die damit gefestigt wurden. Dann standen wir vor einem Problem: es gibt zwar einige Abbildungen der beiden vom Fundzustand und nach der Bergung, aber leider noch keine Farbfotos. Wobei man ja bei Fotos auch nicht immer davon ausgehen kann, die originale farblich korrekte Abbildung zu sehen. Aber eine Farbfotografie wäre schon eine große Hilfe gewesen. So konnte man auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen nur erkennen, dass die Moorleichen wesentlich heller als die Mäntel und das umgebende Erdreich waren. Es gab auch Versuche die Farbe mit Worten zu beschreiben, aber unter graubraun kann man viel interpretieren. Also orientierten sich meine Praktikantin Clarissa und ich an existierenden Moorleichen. Wobei einige auch durch Konservierungsmittel eine Farbveränderung mitgemacht haben könnten. Es wurde mit Künstler-Acrylfarben gearbeitet. Diese wurden lasierend in mehreren Schichten mit einem Schwamm aufgetupft. Ein Arbeiten mit dem Pinsel kann sonst wieder den Eindruck von angepinselt vermitteln. Das Auftragen von mehreren Schichten führt zu einer gewissen Tiefe. Es soll vermittelt werden, dass es sich um echte Moorleichen handelt. Unter den vielen Brauntönen die richtigen zu treffen ist nicht immer einfach. Zwischenzeitlich gab es eine Phase da sahen die beiden Männer aus wie in Schokolade getaucht.

Auch die Mäntel weisen durch die Lagerung im Moor nur noch Brauntöne auf. Ehemals aus farbenprächtig gefärbter Wolle gewebt, gibt es nur noch ein einheitliches Braun. Hierbei ist dann die Herausforderung, dass die angemalte Gipskopie nicht glänzt, sondern einen matten Schimmer von Wolle aufweist.  Die Lagerung im Moor führt dazu, dass alle organischen Materialien, die menschlichen und die tierischen (pflanzliche erhalten sich nicht), in einem nahezu einheitlichen Rotbraun gefärbt sind. Ehemals blasse Haut: braun, ehemals blonde Haare: braun, ehemals farbenprächtige Mäntel: braun. Dieses Braun hat vielfältige Schattierungen, von rötlich bis gräulich. In der Farbpalette eines archäologischen Restaurators finden sich hauptsächlich Erdtöne. Fröhliches Gelb oder leuchtendes Himmelblau gibt es eher selten. Von einem der beiden Prachtmäntel gibt es eine Rekonstruktion, die in unserer Ausstellung zu sehen ist. Nur so lässt sich die ehemalige Pracht erahnen.

Es ist faszinierend, wie sich die Wollmäntel erhalten haben. Die Erhaltung von organischen Materialien ist in Kalkriese aufgrund der Bodenbedingungen eher schlecht, auf meinen Tisch gelangen höchstens ein paar Holzreste, die sich in Tüllen von z.B. Lanzenspitzen erhalten haben. Um die Löcher im Holzkasten zu verdecken, wurde eine Abdeckung aus Presspappe rundherum angebracht. Diese Abdeckung wurde braun lackiert. Um den Faktor realistisch noch zu erhöhen, wurde in den Erdbereichen Torf aufgebracht. Dazu wurde ein handelsüblicher Sack Torf aus dem Baumarkt besorgt, und eine Tube Holzleim. Der Leim wurde auf die Abformung an den Stellen aufgetragen, an denen der Torf haften sollte. Dieser wurde direkt in den Leim gedrückt. Für eine zweite Schicht wurde der Leim mit Wasser verdünnt und aufgesprüht, dann nochmal Torf aufgedrückt. Um loses Erdreich zu fixieren, wurde einfach nochmal die Leimverdünnung aufgesprüht. Danach sahen die Männer aus, als ob sie auf einem Torfblock liegen würden, die Mäntel und die Moorleichen heben sich nun deutlich vom Erdreich ab.

Mit neuem Make Up und einer ordentlichen Moorpackung sind die beiden nun gut gerüstet für einen Ansturm von vielen neugierigen Besuchern.

von Christiane Matz

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Mein Praktikum zwischen Münzen und Vitrinen

07. June 2018 | Museumsblog | 0 comments

Mein Praktikum zwischen Münzen und Vitrinen

Mein Praktikum zwischen Münzen und Vitrinen

Was sind die Aufgaben eines Restaurators archäologischen Kulturguts und wie werden die unterschiedlichen Fundstücke vor dem Zerfall bewahrt und so aufgearbeitet, dass die frühere Funktion oder der originale Zustand wieder sichtbar werden? Welche Vorgänge durchläuft ein Fundstück, bis es präsentabel in der Vitrine einer Ausstellung liegt?
Mit vielen Fragen im Gepäck begann ich mein Praktikum Anfang November 2017. Die Grabungen des Jahres waren abgeschlossen und mein künftiger Arbeitsplatz für die folgenden vier Monate in der Restaurierungswerkstatt war voll mit Funden in Fundtüten. Die erste Aufgabe, die ich hatte, bestand darin, den Funden den richtigen Fundzettel zuzuordnen und sie nach Gemeinde, Gemarkung, Fundstelle, Schnitt und Fundnummer zu sortieren.
Schon bei dieser Aufgabe erhielt ich einen Überblick über die ausgegrabenen Stücke, die im Jahr 2017 neu ans Licht kamen: Darunter viele einzelne Sandalennägel, die mal mehr, mal weniger gut zu erkennen waren. Einige der 200 Silbermünzen, die Anfang des Jahres gefunden wurden, befanden sich auf dem gegenüberliegenden Tisch von Frau Matz, bereit für die Restaurierung.
In der darauffolgenden Woche legte ich einen eingegipsten Fund vorsichtig mit einem weichen Pinsel frei. Es handelte sich um einen stark korrodierten Eisenring. Frau Matz erzählte mir, dass sie des Öfteren zur Ausgrabungsstelle gerufen wird, um sich einen Überblick von der Situation zu verschaffen. Durch ihre Fachkompetenz kann sie dann vor Ort beurteilen, wie das Fundstück am besten geborgen werden soll. Funde, die zu fragil sind, um sie schon bei der Ausgrabung freizulegen, werden großzügig eingegipst und dann in die Restaurierungswerkstatt gebracht.

Meine erste Münze
Die erste Münze, die ich restaurieren durfte, war eine mittelalterliche Osnabrücker Münze.  Zu Beginn erklärte und beschrieb Frau Matz die unterschiedlichen Korrosionsschichten, die mich erwarteten. Anschließend befreite ich die Münze mit einer feinen Kanüle von der Korrosion. Nach und nach zeichnete sich die Gravur des Osnabrücker Rads immer deutlicher ab. Obwohl der Durchmesser einer Kanüle nur wenige Millimeter beträgt, reicht nur eine kleine Bewegung aus, um die originale Oberfläche der Münze anzuritzen. Dadurch werden mechanische Spuren hinterlassen oder sogar die Oberfläche beschädigt. Konzentriert beobachtete ich, nach dieser Erfahrung, durch das Mikroskop die Bewegungen der Kanüle auf der Münze. Ich achtete darauf, dass diese gut ausgeleuchtet war, um keine Stelle fälschlicherweise als Korrosion wahrzunehmen und nochmals zu bearbeiten.
Meine erste römische Münze wurde in Cuxhaven gefunden. Ich war überrascht, wie sich die Münze in ihrer Korrosion von der mittelalterlichen Münze unterschied. Wo ich vorher noch mit etwas stärkerem Druck die Korrosion abtrug, musste ich bei der römischen Münze aufpassen nicht zu viel zu entfernen, da die Schichten schon mit leichtem Druck zu lösen waren. Vergleichen lässt sich dies am besten mit dem Entfernen von weichem Kerzenwachs mit einem Fingernagel. Schicht für Schicht, vom Braun der anhaftenden Erde bis zum Tiefschwarz der letzten Korrosionsschicht, verfärbte sich die Münze, als ich immer näher auf die originale Oberfläche gelangte. Die erste Locke des Kopfes freizulegen oder den ersten gut erkennbaren Buchstaben zu erhalten, ist ein tolles Gefühl. Je mehr gut identifizierbare Buchstaben vorhanden sind, desto leichter hat es der Grabungstechniker Axel Thiele, die restaurierten Münzen zu bestimmen. Viele Buchstaben und Abbildungen unter der Korrosion zu finden und richtig freizulegen waren somit meine wichtigsten Ziele. Die freigelegte Münze zeigt Marcus Aurelius (161-180 n. chr.). Für diese Münze brauchte ich sieben - acht Tage.

Die vielfältigen Aufgaben im Museum
Schon in den ersten Wochen meines Praktikums durfte ich weitere Aufgabengebiete kennenlernen die sich außerhalb der Werkstatt befanden. Nachdem die Sonderausstellung „Schnappschuss - Zoom dich in die Römerzeit“ geendete hatte, folgte der Abbau der Ausstellung. Dabei durfte ich Frau Matz bei der Begutachtung und Dokumentierung der ausgeliehenen Ausstellungsstücke für die Rückführung zusehen. Beim Abbau der restlichen Ausstellungsgegenstände konnte ich die Mitarbeiter tatkräftig unterstützen.
Im Gegenzug holten Frau Matz und ich nach der Ausstellung „Triumph - Roms Ende in Germanien“ in Haltern Ausstellungsstücke aus Kalkriese wieder zurück in die Heimat. Um die Ausstellungsstücke jedoch aus der gut verdichteten Vitrine zu bekommen, die die richtige Luftfeuchtigkeit der Stücke gewährleistete, dauerte es einige Minuten und es brauchte einige kräftige Hände. Um vernünftig an die Vitrine herantreten zu können, führte uns der Weg hinter die Kulissen, wo auf engstem Raum gearbeitet wurde. Trotz kniffligen Arbeitens war die Stimmung entspannt und lustig, da sich alle bereits kannten und schon häufig miteinander gearbeitet hatten, gerade auch die Restauratoren. Bei der Übergabe der Ausstellungstücke müssen die Protokolle der einzelnen Stücke auf ihre Richtigkeit hin überprüft und ergänzt werden. Aufgezeichnet wird während der Übergabe, dass sich die Ausstellungsstücke wieder in den Händen des Restaurators des eigenen Hauses befinden und in welchem Zustand sie entgegengenommen wurden. Zuletzt unterschreiben beide Restauratoren und die Übergabe ist abgeschlossen.

Anfang des Jahres 2018 hatte ich die Gelegenheit, der Chemikerin Annika Diekmann vom Bergbau-Museum Bochum beim beproben verschiedener Fundstücke zu helfen. Bei der Aufzeichnung der Fundnummern, die als nächstes beprobt werden sollten, hatte ich die Möglichkeit, weitere Funde aus Kalkriese im Museumsmagazin anzusehen. Unzählige Ringe, Bleche und individuell verzierte Fibeln kreuzten meinen Weg.

Zurzeit wird die neue Sonderausstellung „Götter, Glauben und Germanen“ konzipiert. Dabei fallen viele Arbeitsschritte für einen Restaurator an. Der Leihverkehr für die Ausstellungsstücke muss geplant werden, bei der Wahl der Vitrinen muss auf die unterschiedlichen Ansprüche der Ausstellungsstücke geachtet werden, die Beleuchtung und das Klima im gesamten Museumsbereich sowie in den Vitrinen müssen eingestellt werden. Ich war erstaunt darüber, dass die Aufgaben eines Restaurators nicht nur auf dem Wohl der Ausstellungsstücke liegen, sondern sich auch auf das Planen neuer Ausstellungen beziehen.
Neben restauratorischen Aufgaben hatte ich auch das Glück in andere Bereiche des Museums blicken zu können. Dabei durfte ich der Grafikerin Gabriele Dlubatz bei der Umzeichnung von Grafiken am Computer helfen. Ein genaues Gegenteil zur Handarbeit bei der Restaurierung, jedoch auch ein interessantes und lehrreiches Aufgabengebiet.

Ich bin gespannt, was mich in den weiteren Wochen erwartet. Genug Abwechslung gibt es auf jeden Fall. Ich freue mich auf weitere Münzen und den weiteren Aufbau der Sonderausstellung: Wie werden die Vitrinen gestellt? Wie wird der gesamte Ausstellungsplan aussehen?  Ebenso freue ich mich auf weitere schöne Tage mit tollen Kollegen, die mich in jedem Gespräch, mag es in einer Besprechung oder bei einem privaten Gespräch sein, mit neuem Wissen über Restaurierung, Historie und Archäologie fesseln.

von Clarissa Birkholz

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Fundpatentreffen 2018

30. May 2018 | Museumsblog | 0 comments

Fundpatentreffen 2018 – Ein Bericht von Klaus-Jürgen Gran

Fundpatentreffen 2018 – Ein Bericht von Klaus-Jürgen Gran

Als ich am Mittwoch, dem 16. Mai 2018, in Osnabrück in mein Auto steige, um nach Kalkriese zu fahren, ist sie sofort wieder da, diese Spannung! Was werden die neuen Grabungen der Archäologen auf dem Gelände des Parks bisher ergeben haben? Neue Funde, neue Theorien, neue Vermutungen über den hiesigen Ablauf der Geschehnisse vor gut 2000 Jahren? Von Beginn an habe ich die sensationellen Ergebnisse der Ausgrabungen und deren Deutung rund um die Varusschlacht mit Interesse und wachsender Begeisterung verfolgt. Schon im Geschichtsunterricht (bis zum
Abitur 1964) hatte das Aufeinandertreffen von Römern und Germanen mich besonders interessiert. Und als langjähriger hoher Reserveoffizier der Infanterie im Deutschen Heer vermochte ich das strategische und taktische Denken und Handeln des Arminius und die daraus resultierende Niederlage der römischen Legionen natürlich auch unter militärisch-fachlicher Sicht zu beurteilen.

Keine Frage also, dass ich schon 2014 der Anregung der „Varusschlacht im Osnabrücker Land“ folgte, eine Fundpatenschaft zu übernehmen – und auf Dauer beizubehalten. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass die Fundpatenschaft für beide Seiten eine Win-win-Situation ergibt. Die Varusschlacht gGmbH generiert zusätzliche Finanzmittel, die ihr zugutekommen. Die Fundpaten genießen den Vorzug, stets über den Fortgang und die Ergebnisse der aktuellen Grabungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. So auch in diesem Frühjahr! Gegen 16:00 Uhr haben sich etwa ein Dutzend Fundpaten in Kalkriese eingefunden. Sofort geht es zur aktuellen Grabung, die in diesem Jahr eine vergleichsweise riesige Fläche umfasst. Und schon erklärt Grabungstechniker Marc Rappe, dass man bereits auf eine Vielzahl von Fundstücken gestoßen ist, die es freizulegen, zu bergen und auszuwerten gilt. Die meisten Fundstücke im unteren Grabungsbereich sind – keineswegs überraschend – römischer Ausrüstung und Waffen zuzuordnen. Damit bekommen alle Beteiligten – Grabungsleitung, Restauratoren, aber auch die Wissenschaftler der beteiligten Disziplinen – reichlich zu tun. Dabei sind die Grabungsergebnisse des Vorjahres noch nicht einmal abschließend ausgewertet. Verdichtet sich die Vermutung eines römischen Marschlagers? Gerät die Version vom „Hinterhalt am Germanenwall“ weiter ins Wanken? Alle vor Ort, Fachleute und Fundpaten, sind sich einig: es bleibt weiterhin spannend! Und es gibt in Kalkriese auf unabsehbare Zeit viel zu tun und manches Rätsel zu lösen. Nach der Stippvisite bei der aktuellen Grabung führt uns Museumsleiterin Frau Dr. Heidrun Derks durch die vor kurzem eröffnete neue Sonderausstellung „Götter, Glaube und Germanen“. Ihre profunden Erläuterungen ergänzen die Ausstellung und lassen viele Zusammenhänge deutlicher werden, als wenn man die Ausstellungsstücke ohne Fachkommentar betrachtet.

Beim abschließenden Grillimbiss und den begleitenden Gesprächen wird wieder einmal deutlich, mit welcher Begeisterung alle Mitarbeiter der Varusschlacht im Osnabrücker Land in ihren Aufgaben aufgehen. Das ist schon ein großartiges Team! Nach rund drei Stunden fahre ich wieder in der Überzeugung nach Hause zurück, dass wir Fundpaten ein „absolutes Highlight“ des Osnabrücker Landes unterstützen.

Osnabrück, am 21. Mai 2018
Klaus-Jürgen Gran
Notar a.D. und Oberst der Reserve

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Die Idee: Wir machen einen Workshop

09. February 2018 | Museumsblog | 0 comments

Die Idee: Wir machen einen Workshop

Wie bereits in vorherigen Blogbeiträgen dargestellt, versuchen wir einen metallurgischen Fingerabdruck, der Legionen, die in Kalkriese ihre Spuren hinterlassen haben, zu gewinnen. Dazu analysiere ich zusammen mit meinen Kollegen im Bergbau-Museum Bochum die Kalkrieser Buntmetalle (Kupfer, Messing Bronze etc.) auf ihre chemische Zusammensetzung. Das Gleiche machen wir auch an den Buntmetallen anderer Standorte, wo zweifelsfrei jene Legionen stationiert waren, die unter dem Kommando von Varus bzw. Germanicus standen. Stimmt der Fingerabdruck von Kalkriese mit dem einer der jeweiligen Legionen überein, sollten wir den römischen Feldherrn vom Schlachtfeld bei Kalkriese endlich überführen können.

Dabei stellt sich uns aber ein bereits bekanntes Problem. Wo finde ich denn diesen metallurgischen Fingerabdruck? Welche Objekte analysieren wir am besten? Wir müssen eine Auswahl treffen, schließlich können wir ja nicht von allen Funden irreversibel Probenmaterial entnehmen! Und selbst wenn, diese alle zu messen und auszuwerten, da wäre man ja mindestens 30 Jahre lang beschäftigt. Also welche Kriterien bei der Auswahl der „nur“ ca. 600 Objekte, welche wir analysieren können, sind zu beachten? Wie gehen wir bei der Spurensuche strategisch am besten vor? Zum Glück sind wir ja nicht alleine, auch andere Wissenschaftler haben sich bereits mit diesem Problem auseinandergesetzt und erstaunliches herausgefunden. (An dieser Stelle sei auf die Arbeit von Pablo Fernàndez hingewiesen).

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Der metallurgische Fingerabdruck der Legionen – was wir wollen

02. February 2018 | Museumsblog | 0 comments

Der metallurgische Fingerabdruck der Legionen – was wir wollen

Varus oder Germanicus? - In mehreren Blogbeiträgen haben wir hier bereits unser – nicht mehr ganz so neues – von der VolkswagenStiftung gefördertes Forschungsprojekt vorgestellt. Mit unserem Projekt »Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse«, so der Projekttitel, zielen wir auch auf die zentrale Frage: Varus oder Germanicus? Wessen Truppen gingen auf dem Kalkrieser Schlachtfeld unter; die von Varus oder die von Germanicus? Das wurde in der Presse bereits so gedeutet, dass wir selbst nicht mehr an Varus glauben und nun alle Karten auf Germanicus setzen würden. Haben wir also 30 Jahre lang in die falsche Richtung gedacht? In der Wissenschaft ist es nicht ungewöhnlich, dass man aufgrund neuer Erkenntnisse alte Gewissheiten revidieren und alles grundlegend neu überdenken muss. Doch an dem Punkt sind wir nicht. Es wäre ein großes Missverständnis zu denken, wir würden nun einfach die Richtung wechseln und alles auf Germanicus setzen. Dafür gibt es von wissenschaftlicher Seite keine Grundlage. Wie bereits in meinem Blogbeitrag vom März 2017 ausgeführt, tritt die Forschung in der Frage der historischen Zuordnung von Kalkriese auf der Stelle. Auch die Befürworter der Varus-Hypothese müssen die Zweifel der Gegner anerkennen. Alle Seiten haben gute Argumente; doch es fehlt bislang der eindeutige Beweis für das, was hier in Kalkriese vor nun über 2000 Jahren geschehen ist. Aber wir wollen es genau wissen! Auf verschiedenen Wegen soll das Forschungsprojekt hier mehr Klarheit bringen. Das muss natürlich ergebnisoffen sein; also: Varus oder Germanicus? Die Projektergebnisse werden es hoffentlich ans Licht bringen.

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Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

13. October 2017 | Museumsblog | 3 comments

Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

Dass ich immer genügend Münzen auf meinem Arbeitstisch liegen habe, verdanke ich meinem Kollegen Klaus Fehrs. Unermüdlich grast er mit seinem Metalldetektor die Umgebung des Schlachtfeldes ab. Eine römische Münze ist meistens immer dabei, neben vielen anderen Gegenständen, vor allem Neuzeitlichen. Der Großteil seiner Fundstücke besteht aus Münzen, Knöpfen und Schnallen. Was man eben auf einem Acker so verlieren kann, oder was früher in Zeiten ohne staatliche Müllentsorgung auf dem Misthaufen gelandet ist - und mit dem Mist auf dem Acker.

Ich freue mich über jede Münze die Klaus mir bringt. Über manche mehr, über andere weniger. Denn die Münzen befinden sich in einem sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand. Manchmal ist nur noch ein kleines Fragment vorhanden, und es braucht sehr viel Erfahrung um sagen zu können, dass es sich hierbei mal um ein As, eine römische Kupfermünze gehandelt haben muss. Und dann gibt es die Silber und Kupfermünzen, die fast prägefrisch sind. Die Darstellung auf den Münzen springt einem beim Restaurieren förmlich entgegen, die Kupfermünzen weisen eine geschlossene grünliche Patina auf. Solche Objekte zu restaurieren macht wirklich Spaß und ist zeitlich weniger aufwendig als bei schlecht erhaltenen.

 

 

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Osnabrücker Kulturnacht 2017 - ein kleiner Rückblick

30. August 2017 | Museumsblog | 0 comments

Osnabrücker Kulturnacht 2017 - ein kleiner Rückblick

Osnabrücker Kulturnacht 2017 - ein kleiner Rückblick

Am vergangenen Samstag durfte sich die Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese wieder auf der Kulturnacht in Osnabrück präsentieren. An unserem Stand konnten wir bei tollem Wetter zahlreichen Besuchern mit Mulsum (römischem Gewürzwein) und Moretum (römischer Käsecreme) die römische Küche näherbringen und sie natürlich auch über unser Museum und seine Angebote informieren. Aber auch für den Nachwuchs war gesorgt. Die mutigen konnten in einen römischen Schienenpanzer und einen Helm schlüpfen und ausprobieren, wie viel Gewicht ein römischer Legionär täglich mit sich herumschleppen musste. Als Belohnung gab es ein Abschlussfoto mit dem fast lebensgroßen römischen Reiter auf dem Plakat unserer aktuellen Sonderausstellung. Den kleineren mussten wir dabei helfend unter die Rüstungsärmel greifen, da sie unter alle dem Metall doch arg ins Wanken gerieten.

Bei großem Andrang waren unsere vier MitarbeiterInnen dauerhaft im Einsatz und es entspannen sich zahlreiche Gespräche mit interessierten Besuchern über Römer und Germanen, unser Museum, die kommenden Ausgrabungen und vieles mehr. Am Ende waren Mulsum und Moretum aufgebraucht und zahlreiche Faltblätter hatten den Besitzer gewechselt.

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Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

09. August 2017 | Museumsblog | 2 comments

Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

Der Fall Kalkriese – ein kleiner Nachtrag

Hallo liebe Leser, heute möchte ich euch gerne einen Einblick in meine Doktorarbeit geben, die ich im Rahmen des Projektes „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse“ durchführen darf. Dafür möchte ich mich aber zunächst einmal kurz vorstellen. Mein Name ist Annika Diekmann und ich komme aus Bochum. Dort habe ich Chemie an der Ruhr-Universität Bochum studiert und seit Beginn dieses Jahres mache ich meinen Doktor in Chemie in Kooperation mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum in dem Projekt der VolkswagenStiftung. Jetzt könnte man sich fragen: „Was hat eine Chemikerin mit der Fragestellung Kalkriese als Ort der Varusschlacht zu tun?“ oder „Was macht ein Chemiker in einem Museum?“ Das möchte ich euch nun gerne erklären.

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Die Kalkrieser Metallfunde im Blick

28. July 2017 | Museumsblog | 0 comments

Die Kalkrieser Metallfunde im Blick

Seit dem 1.7. darf ich meine Doktorarbeit im Zuge des Projektes „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? - eine anhaltende Kontroverse“ verfassen. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung finanziert und beschäftigt sich mit der Frage, ob Kalkriese der Ort der Varusschlacht 9 n. Chr. oder der späteren Auseinandersetzung zwischen Germanicus und Arminius ca. 15 n. Chr. ist.

Das Projekt besteht aus vier Teilbereichen, von denen ich als Doktorandin einen bearbeite. Meine Aufgabe ist es alle Metallfunde (ca. 300 Stück), die bisher nicht publiziert wurden, wissenschaftlich aufzunehmen und auszuwerten. Was bedeutet das? Die Funde werden in eine Datenbank aufgenommen, wenn dies nicht schon der Fall ist. Das heißt, es wird vermerkt, wo sie gefunden wurden, zu welchem Befund/Kontext sie gehören, wie ihre Maße und Gewicht sind und es erfolgt eine Beschreibung des Objekts: Wie sieht das Objekt aus? Hat der Fund Besonderheiten? Zeigt es Verzierungen, Gebrauchsspuren oder ein Graffito? Kurz um es wird ein Katalog erstellt, der die Funde auflistet. Gleichzeitig werden die Funde fotografiert und gezeichnet. Besondere Stücke sollen zudem unter einem Digital-Mikroskop nach Werk- und Gebrauchsspuren untersucht werden. Über diese Spuren lassen sich wiederrum Aussagen über die Herstellung und Nutzung der Gegenstände treffen.

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Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

22. June 2017 | Museumsblog | 0 comments

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

Da ja nun nicht jede Führung Stoff für eine Geschichte bietet, plaudere ich heute mal aus dem Nähkästchen. Am Anfang einer Gästeführer Karriere besteht immer die Angst, dass man Fragen nicht beantworten kann. Später weiß man, dass man nicht alles wissen kann, aber mit jeder Frage klüger wird. Denn wenn möglich, versucht man im Anschluss an die Führung die Antwort zu recherchieren.

Dann gibt es Fragen, die außer einem Lächeln hinter vorgehaltener Hand keine wirkliche Reaktion erfordern. Ich erinnere mich da an einen Zahnarzt, der seine Angestellten bei brütender Hitze zu einer Wanderung zum Venner Aussichtsturm anführte. Da ich dort oben wohne, hielt ich mit dem Auto kurz an, als ich die schwitzenden Wanderer erkannte. „Glauben Sie nicht auch, dass Varus und Arminius, dieser mit Thusnelda im Arm, von hier oben das Schlachtgeschehen beobachtet haben?“ rief mir der geschichtsbegeisterte Mediziner zu.

Eine Frage wurde jedoch jedem von uns schon einmal gestellt. „Sind Sie eigentlich Archäologin oder Historikerin?“ Die Antwortmöglichkeiten sind vielfältig. „Ich bin Gästeführer“ oder „Museumspädagoge“, kann man antworten. Der eine oder andere wird seinen erlernten Beruf erwähnen. Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben uns in diese spezielle Thematik gründlich eingearbeitet. Es sind aber noch ganz andere Fähigkeiten gefordert, denn ein komplexes Thema soll ja spannend rübergebracht werden und das für den geschichtlich vorgebildeten Besucher, der mit seinem Heimatverein anreist, ebenso wie für den Neuling in Sachen Antike. Also ist es sehr von Vorteil schon mal etwas von Rhetorik gehört zu haben. Auf keinen Fall sollte man Beklemmungen bekommen, wenn man vor einer größeren Gruppe sprechen soll. Hat man in der Schule so manche Note noch mit der mündlichen Mitarbeit gerettet oder durch eine Diskussion mit dem Lehrer über die selbige, dann ist man bei uns nicht verkehrt. Ein Zusatz in fast jedem Zeugnis der Grundschule mit dem Wortlaut „ Petra stört den Unterricht häufig durch Reden“, wandelt sich so im Rückblick eigentlich zu einem Lob.

von Petra Tüting

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