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Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Grabung

04. August 2016 | Museumsblog | 0 comments

Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Ausgrabung

Muskelkraft und Fingerspitzengefühl – Ein Tag auf der Grabung

7 Uhr – Frische Morgenluft, ein klarer blauer Himmel mit einigen Schäfchenwolken und eine absolute Ruhe im Museumspark. Alles, was man hört, ist der Wind und Vogelgesang. Eine kleine Idylle, die jäh unterbrochen wird als der Grabungsleiter mit seinem PKW auf das Gelände fährt und sich die Grabungshelfer am Bauwagen sammeln.

Die ersten Handgriffe: Arbeitsschuhe werden geschnürt, Kaffee aufgesetzt und die Arbeitswerkzeuge zusammengepackt. Bewaffnet mit zwei Schubkarren, etlichen Schaufeln, Kellen, Eimern und weiteren Utensilien geht es auf die Grabung. Arbeitsanweisung für heute lautet das rechte Planum zu putzen. Putzen heißt hier mit Hilfe von Schaufeln Schlamm und Erdschichten abzutragen, bis man auf den archäologisch interessanten Grundboden kommt. Anschließend geht es an die Feinarbeit: Mit Kellen per Hand und auf den Knie den Boden möglichst glatt ziehen.

Der schlammige Boden ist schwer zu Schaufeln und schon nach kurzer Zeit merke ich, dass ich diese Form der körperlichen Arbeit nicht gewohnt bin. Ich wechsle von der Schaufel an die Kelle: Es geht auf die Knie, ein Gartenkissen dient als Unterlage und nun gilt es die Fläche nach und nach von vorne nach hinten mit der Kelle fein abzuputzen. Zu zweit oder zu dritt wird am Boden gearbeitet, während parallel weiter geschaufelt wird. Nur unterbrochen von einer Kaffeepause wird bis mittags an diesem Planum gearbeitet. Vier Grabungshelfer sind wir heute, allesamt Studenten der Geschichte, Geographie oder wie in meinem Fall der Germanistik. Trotz der anstrengenden Arbeit bleibt die gute Laune und Motivation: Anfangs wird die Arbeit noch von Musik aus dem Bagger begleitet. Später, als der Bagger an anderer Stelle im Einsatz ist, um einen neuen Bereich freizulegen, wird selbst gesungen. Madonna-Songs und Eigenkreationen wie „Das bisschen putzen macht sich von allein, sagt mein Chef“ begleiten die Arbeit. Besonders motivierend für mich ist es den direkten Fortschritt an der geputzten Fläche zu sehen. Dann ist es geschafft: Das Planum ist geputzt, doch das ist nur einer von vielen Arbeitsschritten auf einer archäologischen Grabung.

Bevor es in die Mittagspause geht, steht noch die Dokumentation der freigelegten Befunde aus. Befunde sind Verfärbungen im Boden an denen die Archäologen vergangene Strukturen erkennen können. Es sind – mal wieder, wie die Grabungshelfer bemerken – neuzeitliche Pfosten, die auf dieser Fläche vielfach vertreten sind. Etwa 20 Befunde wurden heute freigelegt. Zur Dokumentation werden die Bereiche nochmal nachgeputzt, nummeriert, fotografiert und vermessen.

13 Uhr – Mittagspause. Sitzen, durchatmen, essen. Es steht noch einige Arbeit auf dem Plan und die mittägliche Stärkung weiß man zu schätzen.

Am Nachmittag ist nach dem körperlichen Einsatz Genauigkeit gefragt. Es geht an die Beschreibung und schriftliche Dokumentation der Befunde und an die Vermessung mit dem Tachymeter. Etwa zwei Stunden nimmt die Nivellierung in Anspruch, bei der die Höhenunterschiede in einem Planum und in den einzelnen Befunden vermessen werden. Eine Schubkarre dient als Unterbau für den angeschlossenen Laptop, der die Ergebnisse direkt in eine digitale Karte überträgt. Zur Vermessung muss eine Person einen Stab, der oben mit einer Linse ausgestattet ist, mit Hilfe einer integrierten Wasserwaage an den Messpunkten ausrichten. Die zweite Person hat die Aufgabe mit dem Tachymeter die Linse via Fadenkreuz anzuvisieren und den Messbefehl für den Laser zu geben, diese Aufgabe durfte ich übernehmen. Hier gilt es wirklich Fingerspitzengefühl zu beweisen.

17 Uhr – letzte Arbeitsschritte für den heutigen Tag werden beendet und es geht an die Aufräumarbeiten. Erschöpft, aber zufrieden etwas geschafft und mich nützlich gemacht zu haben, kehre ich heim.

Von Vanessa Peral

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