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Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

14. September 2016 | Museumsblog | 0 comments

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Hinein geleuchtet – Ein kleiner Einblick in die Votivtempelchen

Ein Gastbeitrag einer ehemaligen Praktikantin und drei ihrer Kommilitoninnen, vier Studentinnen der Archäologie aus Münster.

Heute werfen wir einen Blick in die Sonderausstellung, genauer gesagt in die zwei kleinen Tempel, die wir, vier Archäologiestudentinnen aus Münster, dort entdeckt haben. Ja, entdeckt, dieses Wort trifft es in unserem Fall ganz gut. Als Archäologiestudentinnen haben wir schon einiges kennengelernt, aber solche kleinen Tempel sind uns bisher noch nicht begegnet. Deswegen schauen wir uns diese beiden Objekte umso genauer an. Dem Besucher werden sie als Votivtempelchen aus Blei aus dem Ende des 1.  Jh. v. Chr. vorgestellt. Gefunden wurden sie in einem Wrack in Comacchio, Italien. Handelt es sich hierbei um ein Kultobjekt, das verhandelt wurde, oder um Privatschreine der Besatzung? Oder um etwas gänzlich anderes? Unser Interesse ist geweckt.

Werfen wir nun einen ersten Blick auf die beiden Objekte. Ihre Gestaltung entspricht der von ‚großen‘ Tempeln, eben nur in Miniaturformat. Sie stehen auf einem Podest und haben an der Front je zwei Säulen. Die Türen von Tempelchen 1 sind geöffnet. Im Eingangsbereich steht ein nackter, geflügelter Eros. Bei Tempelchen 2 ist nur der rechte Türflügel geöffnet.

   

 

Es ist schon bemerkenswert, wie detailliert einzelne Verzierungen, wie das Tropaion („Siegeszeichen“) auf der Wand von Tempelchen 2, angefertigt wurden. Die gesamte Gestaltung der kleinen Tempel wirkt sehr authentisch. Man könnte meinen, dass es sich um Souvenirs von zwei Tempeln handelt, die sich Reisende mit nach Hause nehmen konnten. Es erscheint uns aber wahrscheinlicher, dass es sich um Privatschreine bzw. Teile davon handelt, die als Beiladung auf dem Schiff transportiert wurden.

Blickt man durch die geöffneten Türen in die Tempel hinein, so erkennt man schemenhafte Gestalten. Für uns war es naheliegend, dass es sich dabei um die Kultstatuen handeln muss. Denkt man einen Schritt weiter, so müsste sich der Tempel dann ja einer bestimmten Gottheit zuordnen lassen. Dazu muss man die Gottheit in Form der Kultstatue identifizieren. Allerdings gestaltete sich dies äußerst schwierig, weil die Statuen vorwiegend im Dunkeln liegen.

 

Wir wollen uns aber nicht von der Dunkelheit abschrecken lassen und unbedingt die Statuen in den Tempeln genauer in Augenschein nehmen. Dazu holen wir kurzerhand unsere Taschenlampen heraus (genauer gesagt unsere Handys mit Taschenlampenfunktion – das Ergebnis ist aber dasselbe). Leider reflektiert das Glas der Vitrine das Licht etwas, dennoch kann man die Statuen viel besser erkennen. Mithilfe des zusätzlichen Lichtes sieht man ganz hinten in Tempelchen 1 eine zweite Statue. Nach längerem Hinsehen sind wir uns einig, dass es sich dabei um die Statue einer halbnackten Venus handelt, die eine Figur hält. Dagegen ‚versteckt‘ sich in Tempelchen 2 der Gott Merkur, erkennbar an seinem Stab, dem Caduceus. Also Venus und Eros in dem einen Tempel und Merkur in dem anderen. Venus ist die Göttin der Schönheit und der Liebe, und Merkur der Gott der Reisenden und Kaufleute. Die kleinen Tempel wurden in einem Wrack gefunden. Ob da wohl eine Verbindung besteht?

Wir vier sind uns jedenfalls einig, dass diese kleinen Tempel noch eine sehr spannende Geschichte in sich tragen. Wir haben zwar einen Blick hineinwerfen können. Dieser war aber sehr kurz und konnte nicht alle Ecken erreichen. So verstecken sich die beiden Kultstatuen weiterhin im dunkleren Teil ihrer Tempel.

Von Melanie Barwe, Saskia Erhardt, Lydia Hofmann und Inga Wopke

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