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Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

22. June 2017 | Museumsblog | 0 comments

Aus dem Alltag einer Gästeführerin Teil 2

Da ja nun nicht jede Führung Stoff für eine Geschichte bietet, plaudere ich heute mal aus dem Nähkästchen. Am Anfang einer Gästeführer Karriere besteht immer die Angst, dass man Fragen nicht beantworten kann. Später weiß man, dass man nicht alles wissen kann, aber mit jeder Frage klüger wird. Denn wenn möglich, versucht man im Anschluss an die Führung die Antwort zu recherchieren.

Dann gibt es Fragen, die außer einem Lächeln hinter vorgehaltener Hand keine wirkliche Reaktion erfordern. Ich erinnere mich da an einen Zahnarzt, der seine Angestellten bei brütender Hitze zu einer Wanderung zum Venner Aussichtsturm anführte. Da ich dort oben wohne, hielt ich mit dem Auto kurz an, als ich die schwitzenden Wanderer erkannte. „Glauben Sie nicht auch, dass Varus und Arminius, dieser mit Thusnelda im Arm, von hier oben das Schlachtgeschehen beobachtet haben?“ rief mir der geschichtsbegeisterte Mediziner zu.

Eine Frage wurde jedoch jedem von uns schon einmal gestellt. „Sind Sie eigentlich Archäologin oder Historikerin?“ Die Antwortmöglichkeiten sind vielfältig. „Ich bin Gästeführer“ oder „Museumspädagoge“, kann man antworten. Der eine oder andere wird seinen erlernten Beruf erwähnen. Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben uns in diese spezielle Thematik gründlich eingearbeitet. Es sind aber noch ganz andere Fähigkeiten gefordert, denn ein komplexes Thema soll ja spannend rübergebracht werden und das für den geschichtlich vorgebildeten Besucher, der mit seinem Heimatverein anreist, ebenso wie für den Neuling in Sachen Antike. Also ist es sehr von Vorteil schon mal etwas von Rhetorik gehört zu haben. Auf keinen Fall sollte man Beklemmungen bekommen, wenn man vor einer größeren Gruppe sprechen soll. Hat man in der Schule so manche Note noch mit der mündlichen Mitarbeit gerettet oder durch eine Diskussion mit dem Lehrer über die selbige, dann ist man bei uns nicht verkehrt. Ein Zusatz in fast jedem Zeugnis der Grundschule mit dem Wortlaut „ Petra stört den Unterricht häufig durch Reden“, wandelt sich so im Rückblick eigentlich zu einem Lob.

von Petra Tüting

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