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Neue Erkenntnisse bei den Ausgrabungen in Kalkriese

Römische Befestigungsanlage am Ort der Varusschlacht entdeckt

Seit zwei Wochen wird im Museumspark Kalkriese erneut gegraben. In drei großräumigen Suchschnitten haben sich die Archäologen aus Kalkriese und der Universitäten Osnabrück und München auf Spurensuche begeben. Dabei sind die Wissenschaftler auf interessante Funde, aber auch Befunde gestoßen, die zu neuen Erkenntnissen im Hinblick auf den Verlauf der Varusschlacht führen. In den Grabungsschnitten haben die Forscher eine provisorische römische Befestigungsanlage bestehend aus einer Wallanlage und vorgelagertem Graben lokalisiert.


Schon im Sommer 2016 wurde ebenfalls in nördlicher Richtung eine Wallanschüttung gefunden, die auf den ersten Blick Rätsel aufgab. Aufgrund der neuen Ergebnisse geht das Forscherteam davon aus, dass der schon vor Jahren gefundene Wallabschnitt im Süden, der Wall der bei den Grabung im letzten Jahr entdeckt wurde und die jetzt gefundenen Anschüttungen Teil einer römischen Befestigungsanlage sind. Der unregelmäßige Verlauf spricht dafür, dass sich die Römer im Verlauf der Schlacht hier verschanzt haben dürften. Für den wissenschaftlichen Leiter zeigen die Forschungsergebnisse der vergangenen drei Jahre und auch die Ergebnisse aus den letzten Jahrzehnten, dass es sich hier um den Ort der Varusschlacht handelt und sich an der Datierung des Ortes nichts ändert.

Die Befestigungsanlage entspricht nicht den üblichen römischen Standards eines Marschlagers. Technik und Bauweise sprechen jedoch eine klare römische Sprache. Defensiv angelegt und ausgestattet mit einem nach außen gerichtetem Graben nutzten die Römer anscheinend die Topografie des Geländes, um sich zu verschanzen. Aufgrund der Größe gehen die Archäologen davon aus, dass hier maximal 2.000 bis 3.000 Mann Schutz gesucht haben können. Die Funde zeigen außerdem, dass hier auch Kämpfe stattfanden. In einem weiteren Grabungsschnitt im Westen stehen die Archäologen noch am Anfang. In den kommenden Wochen werden hier weitere Funde und Befunde erwartet.

Aus den neuen Erkenntnissen ergeben sich eine Reihe von neuen Forschungsfragen, die das Kalkrieser-Team und die Wissenschaftler der Universität Osnabrück sicherlich in den nächsten Jahren antreiben werden. Aus welcher Richtung kamen die Römer? Und wo lassen sich weitere Lager- oder Gefechtsorte ausmachen? Von wo aus haben die Germanen angegriffen und die Römer womöglich in einen Hinterhalt gelockt? Wo können neue Fundstellen ausgemacht werden und wie weit nach Osten zieht sich der Fundschleier tatsächlich? Dazu werden in den nächsten Monaten gezielt weitere Fläche großräumig untersucht. Auch weitere archäologische Ausgrabungen sind geplant – perspektivisch im 30 Quadratkilometer großen Schlachtareal, aber sicherlich auch im Museumspark, einem der Hauptkampfplätze.

Auch eine Reihe an römischen Funden haben die Archäologen bei den diesjährigen Ausgrabungen entdeckt. Darunter einen Phallusanhänger und eine so genannte Lunula, eine kleine halbmondförmige Sichel. Beide Teile bestehen aus einer Kupferlegierung und waren am Pferdegeschirr als Verzierung befestigt. Weiter wurde ein filigran gearbeitetes Kosmetikbesteck gefunden, dessen genaue Verwendung noch nicht ganz klar ist. Alle Objekte passen in das bisherige Fundspektrum von Kalkriese und befinden sich in einem äußerst guten Erhaltungszustand. Weiter wurden eine Vielzahl an Sandalennägeln, als auch Münzen gefunden.

Die derzeitige Grabungskampagne wird im Rahmen der Grundförderung durch den Kooperationsvertrag mit dem Land Niedersachsen und der Universität Osnabrück und dem Grabungsvertrag mit dem Landkreis Osnabrück ermöglicht. Projektbezogen haben die Stiftung der Sparkasse Osnabrück, die Varus-Gesellschaft und MBN Bau AG die diesjährige Grabung unterstützt.

Stippvisite auf der Ausgrabung

Für alle Interessierten, die einem echten Archäologen über die Schulter schauen möchten, bietet das Varusschlacht-Museum vom 1. bis 3. Oktober 2017  während des Forum Kalkriese die Möglichkeit zur „Stippvisite auf der Ausgrabung“. An den Thementagen am Feiertagswochenende steht die Archäologie im Fokus. Hier haben die Besucher die einmalige Gelegenheit, mit dem Kalkrieser Archäologie-Team ins Gespräch zu kommen und die vielfältige Arbeit bei der Erforschung des antiken Schlachtfelds hautnah kennenzulernen. Zusätzlich zur Stippvisite stehen Werkstattführungen, archäologische Parkführungen, Aktionen mit den Sondengängern und viele weitere Programmpunkte auf dem Plan.