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Ausstellungen im Rückblick

Im April 2002 wurde das Museum eröffnet. Gemeinsam mit unserem fiktiven Ermittler Stahnke gingen die Besucher in der damaligen Dauerausstellung noch auf »Spurensuche«.

Sieben Jahre später wurde ein erster Schlussstrich unter die Ermittlung gezogen. Die im Mai 2009 eröffnete neue Dauerausstellung zieht erstmals Bilanz, liefert einen Überblick über 20 Jahre archäologische Forschung in Kalkriese und legt alle Fakten auf den Tisch. Nähere Informationen hierzu finden Sie unter dem Menüpunkt »Ausstellung zur Varusschlacht«.

Zwischen 2002 und 2007 wurden mehrere Sonderausstellungen gezeigt. Mangels geeigneter Räumlichkeiten fanden diese im Park, im Foyer und im Turm statt – immer ein bisschen improvisiert, doch dafür ungewöhnlich und originell. Das fand auch der Art Directors Club, der unsere Sonderausstellung zu Theodor Mommsen im Jahr 2003 mit einer Auszeichnung ehrte.

Seit 2009 gibt es nun das Besucherzentrum. Zukünftig werden Sonderausstellungen auf 450 Quadratmetern im Obergeschoss gezeigt. Den Anfang machte im Jahr 2009 »Konflikt« – eine Ausstellung über Kriege und Konflikte in der germanischen Welt und deren Folgen.

Mehr Information über unsere Ausstellungen seit 2002 finden Sie hier im »Rückblick«.

ICH GERMANICUS! Feldherr - Priester - Superstar

Eine schillernde Persönlichkeit und die Jahre nach der Varusschlacht

Vom 20. Juni 2015 bis 1. November 2015 widmeten Museum und Park Kalkriese dem Feldherrn Germanicus eine große Sonderausstellung mit internationalen Leihgaben. Der designierte Nachfolger des Kaisers Tiberius sollte als neuer Oberbefehlshaber nach der Varusschlacht »aufräumen« und die endgültige Eroberung Germaniens bewerkstelligen.

Die Ausstellung  vollzog diese sogenannten Rachefeldzüge nach. Zugleich zeichnete sie das Bild einer schillernden und prominenten Persönlichkeit und die familiären Verbindung des designierten Thronfolgers Germanicus nach. Die Schau vereinte Leihgaben aus Häusern wie dem Louvre und dem British Museum mit Grabungsfunden aus Kalkriese, allen voran den Knochengruben, die als das einzige bekannte archäologische Indiz der Germanicusfeldzüge gelten.

Neben einem abwechslungsreichen Führungs- und Vortragsprogramm wurde die Veranstaltung von einem wissenschaftlichen Symposium begleitet. Auf Einladung des Varusschlacht-Museums, der Universität Osnabrück und der niedersächsischen Landesarchäologie diskutierten Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden Probleme und Strategien zur archäologischen Erforschung des „Germanicus-Horizonts“.

 
Die Ausstellung wurde gefördert von

... und zahlreichen Exponatpaten, die die uns bei den Kosten für die Transporte der internationalen Leihgaben unterstützt haben!

Mumien – Reise in die Unsterblichkeit

Sonderausstellung führte in die Welt des Alten Ägyptens

Vom 10. Mai bis 5. Oktober 2014 präsentierte Museum und Park Kalkriese die Sonderschau »Mumien – Reise in die Unsterblichkeit«. 80 Originalexponate aus dem Ägyptischen Museum in Florenz eröffneten Einblicke in die religiösen Jenseitsvorstellungen im Alten Ägypten.

Als wichtigste archäologische Quelle für das Verständnis der rätselhaften Götterwelt dienen die prachtvoll ausgestatteten Gräber. Bis heute zeigen die faszinierenden Fundstücke den Alltag, das Leben und die Glaubensvorstellungen der Ägypter. Im Mittelpunkt der hochkarätigen Ausstellung standen das religiöse Konzept des Jenseits, die aufwändigen Bestattungen und die Prozesse der Balsamierung und Mumifizierung in den rund drei Jahrtausenden vor Christus.

Ein Programm mit Führungen, Kinderangeboten und Vorträgen begleitete die Sonderausstellung in Museum und Park Kalkriese. Die Wanderausstellung wurde von expona museum exhibition network (Bozen) und Contemporanea Progetti (Florenz) in Zusammenarbeit mit dem Ägyptischen Museum in Florenz realisiert.

 

 

GLADIATOREN – Tod und Triumph im Colosseum

Vom 8. Juni bis 13. Oktober 2013 präsentierte die Varusschlacht im Osnabrücker Land die Sonderausstellung »Gladiatoren – Tod und Triumph im Colosseum«. Auf der 500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche beleuchtete die hochkarätige Schau vor einer eindrucksvollen Kulisse schlaglichtartig den Alltag und die Kampfkultur im Colosseum in Rom. Anhand von Exponaten, erstmals außerhalb Italiens zu sehen, und Infostationen entstand ein lebendiges Bild vom Mythos und der Lebenswirklichkeit der prunkvollen Kämpfer.

Die Sonderausstellung in Museum und Park Kalkriese ging zeitlich zurück in die Jahre 70 bis 80 n.Chr. – dem Beginn der Planungen und der ersten Aufführung im Colosseum. Zwar hatte es schon vorher Gladiatorenkämpfe gegeben, aber mit dem Colosseum wurden die blutigen Turniere und Duelle Kult, und Ausdruck der Selbstinszenierung des römischen Reiches. Dem Colosseum, das bis heute als Vorbild für moderne Wettkampfstätten dient, widmete die Sonderausstellung einen eigenen Themenabschnitt. Als größtes Bauwerk seiner Zeit verlieh dieses den Gladiatorenspielen nicht nur einen architektonisch imposanten, sondern einen technisch und funktional bis ins Letzte ausgeklügelten Rahmen. Zugleich war das Colosseum ein politisches Symbol, das die hierarchische Ordnung der Gesellschaft versinnbildlichte, alle sozialen Schichten der Gesellschaft integrierte und ihnen wiederum das Gefühl vermittelte an den Entscheidungsprozessen in der Arena – der Antwort auf die Frage nach Leben oder Tod – persönlich beteiligt zu sein. Anhand von originalen Baufragmenten, die erstmals außerhalb Italiens gezeigt wurden, entstand in diesem Bereich der Ausstellung ein greifbares Bild des antiken Bauwerks.

Wer waren die umjubelten Berufskämpfer wirklich? Und wie sah ihr Alltag in den Gladiatorenschulen aus? Die verschiedenen Stationen zu den Lebensverhältnissen der Gladiatoren boten Antworten. Bei einem Rundgang erfuhren die Besucher, dass die Gladiatoren sich vorwiegend auf einen bestimmten Waffentyp spezialisierten und die Gladiatur einem strengen Regelwerk folgte. Die blutigen Kämpfe waren also keineswegs Zufall. Diszipliniert trainierten die Hochleistungsathleten Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit. Dabei war ein Gladiator nicht nur ein Kämpfer, er verkörperte eine Rolle. Und der Gegner stand fest: Der Retirarius, bewaffnet mit Dreizack, Netz und Dolch, kämpfte beispielsweise immer gegen den Secutor, der fechtend mit Schwert, Großschild und schwerem Helm antrat. Beeindruckende Exponate und Stationen zeigten wie Sklaven, Gefangene und von der Gesellschaft ausgestoßene zu Gladiatoren wurden – der Mythos des Superhelden, der sich als Gladiator freiwillig in die Arena stürzt, geriet ins Wanken. Die Masse der Kämpfer hatte sich dieses Schicksal nicht erwählt und überschritt ein Alter von 20 Jahren nur selten: Trotz vergleichsweise guter Ernährung und medizinischer Versorgung überlebten nur wenige die Kämpfe unbeschadet. Kaum einer gelangte zu Ruhm, Ansehen oder gar Wohlstand.

Die Ausstellung wurde zusammengestellt von Dr. Rosella Rea, Direktorin des Colosseums, Rom. Die Leihgaben stammten aus dem Museo Archeologico Nazionali Napoli, aus dem Museo Civico Archeologico di Bologna, aus dem Colosseo Roma, Museo Civico Archeologico di Roma. Zu den Highlights gehörten ein Helm und Beinschienen aus Neapel. Weltweit sind kaum mehr als zehn Gladiatorenhelme überliefert. Ein originaler Helm aus Neapel war ab Juni in Kalkriese zu sehen. Die gestalterische Konzeption wurde vom Museum Exhibition Network Expona in Zusammenarbeit mit Contemporanea Progetti erstellt.

BodenSchätze – Geschichte[n] aus dem Untergrund

Eine Mitmach-Ausstellung für die ganze Familie
Bis 18.11.2012 in Kalkriese, ab Winter 2012 als Wanderausstellung überall in Deutschland

Schon mal Boden gezaubert? Die Mitmach-Ausstellung »BodenSchätze – Geschichte(n) aus dem Untergrund«, die vom 25. Mai bis zum 18. November 2012 in Museum und Park Kalkriese zu sehen war, macht’s möglich. Denn mit der großen BodenZauberMaschine ist das alles kein Problem. Auch in Wirklichkeit grenzt die Entstehung von Boden an Zauberei, und darüber hinaus ist er selbst ein kleines Wunder mit höchst ungewöhnlichen Fähigkeiten.

Tja, wer bisher glaubte, Boden sei einfach überall so da, immer braun und krümelig, der hat sich gewaltig geirrt. Was da unter unseren Füßen liegt, ist ein ganz eigener Kosmos und der hat es in sich. Ohne ihn wäre es hier nämlich ziemlich öde: leere Teller, keine Klamotten, und wir wären auch nicht da…denn ohne Boden gäbe es keine Pflanzen, ohne Pflanzen keinen Sauerstoff und ohne Sauerstoff kein Leben. Und noch eine Sache gäbe es ohne Boden nicht: Die Sonderausstellung  »BodenSchätze – Geschichte(n) aus dem Untergrund«.

Aber Boden ist nicht nur ein Multitalent, er birgt auch eine Fülle an Geheimnissen und Geschichten; und er kann richtig gut erzählen. Schließlich hat er schon einiges erlebt. Jeder Boden hat seine eigene Stimme, ob kräftig, ironisch, quietschfidel oder brummelig. Außerdem ist unser Boden ein leidenschaftlicher Sammler. Was er einmal in sich aufgenommen hat, das bleibt erhalten. Nun ja nicht immer, und natürlich auch nicht alles. Aber trotzdem ist Boden das größte Museum der Welt. Nur leider stellt er seine Schätze nicht aus. Um sie zu finden, muss man die Tricks der Profis kennen. Dazu gehören ein scharfes Auge, ein wacher Verstand und ganz viel Neugier. Dann kann es sogar passieren, dass man hoch oben aus der Luft mittelalterliche Burgen oder jahrtausendealte Gräber entdeckt. Und wer zu Spatel und Pinsel greift findet vielleicht noch sehr viel aufregendere Dinge….

In der Mitmach-Ausstellung dreht sich auf einer Fläche von 500 Quadratmetern alles rund um den Boden. Um Ameisenlöwen und Erdfarben, Lehmschlösser und Bodenkunst, Moorleichen und Heilerde. Über 20 Themenstationen, darunter viele Forscher- und Experimentiertische bieten einen abwechslungsreichen Überblick. Neben der BodenZauberMaschine – es gibt sie wirklich – ist die große Ausgrabungslandschaft ein weiterer Höhepunkt. Was verbirgt sich unterm Sand? – so lautet die große Frage. Wer sie beantworten möchte, darf selbst zum Pinsel greifen und an einer richtigen Ausgrabung teilnehmen.

Informativ, überraschend und interaktiv ist die Mitmach-Ausstellung ein Vergnügen für die ganze Familie, und besonders gut geeignet für Feldforscher, Bodenkundler und Schatzsucher ab 8 Jahren.
BodenSchätze-Ausstellung tourt durch Deutschland

Nach der erfolgreichen Laufzeit der Ausstellung »BodenSchätze – Geschichte(n) aus dem Untergrund« in Museum und Park Kalkriese, tourt die Mitmach-Ausstellung jetzt durch Deutschland.

Stationen der Wanderausstellung »BodenSchätze – Geschichte(n) aus dem Untergrund«:

Archäologisches Museums Frankfurt:  20. Juni bis 13. September 2015


 
 
 

Steinzeit-Massaker. Tatort Talheim

Sonderausstellung, 17. September 2011 bis 8. Januar 2012
Archäologen und Gerichtsmediziner ermitteln

1983 entdeckt Erhard Schoch in seinem Garten 34 Skelette. Archäologen, Anthropologen und Gerichtsmediziner nehmen die Ermittlung auf. Sie führt 7000 Jahre zurück, mitten in die Steinzeit. Unfall, Unglück oder Mord? Mit modernsten Methoden kommen die Ermittler einem Verbrechen auf die Spur. Die Ausstellung zeigt die neuesten Methoden und Forschungsergebnisse zum Tatort Talheim und eröffnet Einblicke in Leben und Alltagswelt der Jungsteinzeit.

Eine Ausstellung in Kooperation mit den Städtischen Museen Heilbronn und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Ein Himmel auf Erden – Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra

Vom 20. November 2010 bis zum 10. April 2011 führte die Varusschlacht im Osnabrücker Land mit der Wanderausstellung »Ein Himmel auf Erden – Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra« in die rätselhafte Welt unserer Vorfahren.

Die Himmelsscheibe von Nebra zeigt die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene, die man heute kennt. Die mit Goldelementen gestaltete Bronzescheibe wurde 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra im südlichen Sachsen-Anhalt von Raubgräbern gefunden. Die spektakuläre Odyssee der Himmelsscheibe durch die Hände von Händlern und Hehlern bis in das Landesmuseum Sachsen-Anhalt ist ebenso spannend wie die Erkenntnisse zu diesem einzigartigen archäologischen Fund selbst, der vor 3600 Jahren zusammen mit wertvollen Waffen, Schmuck und Gerät auf dem Gipfel des Mittelberges  niedergelegt wurde.

Die Wanderausstellung »Ein Himmel auf Erden – Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra« zeigt das Weltbild der Menschen vor rund 3600 Jahren. 16 Stationen geben Einblick in Religiosität, Gebräuche und soziale Ordnung, in Handwerkskunst und Handelsbeziehungen der Menschen um 1600 v. Chr. und lassen Analysemethoden nachvollziehbar werden, mit denen Archäologen und Naturwissenschaftler dieses geheimnisvolle Abbild der bronzezeitlichen Welt entschlüsseln.

»Ein Himmel auf Erden – Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra« ist eine Wanderausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen - Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Die Varusschlacht im Osnabrücker Land präsentierte die Wanderausstellung im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt Osnabrück, dem Museum am Schölerberg und seinem Planetarium. Die Wanderausstellung in Museum und Park Kalkriese wird von der Duni GmbH, Bramsche, gefördert.

MARCUS CAELIUS – Tod in der Varusschlacht

Sonderausstellung vom 7. März bis 11. Juli 2010

Geschichte in Stein geschlagen
Ein außergewöhnlicher archäologischer Fund stand im Mittelpunkt der Sonderausstellung
»MARCUS CAELIUS. TOD IN DER VARUSSCHLACHT«. Ein Stein. Ein Gedenkstein, der Geschichte erzählt. Die Geschichte eines Mannes, eines Soldaten, der in der Varusschlacht sein Leben ließ.
Ein Stein und doch ein beredtes Zeugnis der Kunst und der Lebenswelten vor zwei Jahrtausenden.

Einflussreich im Dienst des Varus
Der Mann, dem dieses Grabmal errichtet wurde, war eines von wohl rund 20 000 römischen und germanischen Opfern der Varusschlacht. Jener Schlacht, in der eine Armee aus drei Legionen des römischen Statthalters Publius Quinctilius Varus vernichtend geschlagen wurde. Mit Varus war Marcus Caelius ausgezogen, die Provinz Germanien zu festigen. Doch er kehrte nie zurück. Der Centurio Marcus Caelius hatte im langjährigen Dienst der römischen Armee bereits vieles erlebt. Er hatte es bis zum Anführer einer Hundertschaft gebracht. Marcus Caelius war Hauptmann der 18. Legion und ein hoch dekorierter Militär aus einflussreicher Familie in Bononia, dem heutigen Bologna. Für seinen Mut und seine Tapferkeit im Kampf war er vielfach ausgezeichnet und mit Privilegien bedacht worden. Ein erfolgreicher Mann im Zenit seines Lebens.

Am Ende ein leeres Grab
Doch sein Schicksal wendete sich auf tragische Weise: Als er 9 n. Chr. am Feldzug des Varus tief in den germanischen Wäldern rechts des Rheins teilnahm und mit dem Statthalter des Kaisers Augustus und dessen Legionen in einen Hinterhalt germanischer Krieger geriet, war alle Erfahrung vergebens … Marcus Caelius fiel in der Varusschlacht. Seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Das Grab, das sein Bruder Publius Caelius für ihn errichten ließ, blieb leer.

Ein Leben, in Stein geschrieben
Einzig ein Gedenkstein erinnert an den römischen Offizier. Dieser vor zwei Jahrtausenden gefertigte Stein, ein außergewöhnliches Zeugnis römischer Bildhauerkunst, wurde 1620 bei Xanten im Kreis Wesel gefunden. Die Umstände dieses Fundes sind nicht näher bekannt. Der Stein misst 127 x 108 x 18 Zentimeter. Zeichnungen der Stele um 1630 lassen darauf schließen, dass der Stein ursprünglich um ein Drittel höher war. Die Inschrift berichtet über Marcus Caelius: »Er fiel im Varuskrieg«. Sie ist bis heute das einzige nachweisliche archäologische Schriftzeugnis, das von einem Gefallenen der verheerenden Schlacht berichtet.

Bilder aus der Welt des Marcus Caelius
Der Caelius-Stein ist jedoch nicht nur als »einziger Zeuge« der Varusschlacht von überragender Bedeutung. Er ist zugleich eines der frühesten Werke römischer Bildhauerkunst nördlich der Alpen. Die detailreiche Bildszene und die mehrzeilige Inschrift werfen Schlaglichter auf die Welt, in der Marcus Caelius lebte. Sie machen kulturelle Normen, politische und militärische Organisation sowie gesellschaftliche Strukturen innerhalb der römischen Welt um die Zeitwende anschaulich und lebendig. Zahlreiche Funde aus dem Rheinland und Leihgaben aus weiteren europäischen Museen beleuchteten die Situation an der Rheingrenze zur Zeit des Kaisers Augustus. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LVR-RömerMuseum Xanten und dem LVR-LandesMuseum Bonn. Sie wurde von einem Katalog und spannende Führungen begleitet.

KONFLIKT

Sonderausstellung vom 15. Mai 2009 bis zum 10. Januar 2010 im Rahmen der Kooperation »IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht«.

Welche Rolle spielten Krieg und Konflikt in der germanischen Welt nach der Varusschlacht? Das war die zentrale Frage der Sonderausstellung. Anhand außergewöhnlicher Exponate präsentierte sie ein facettenreiches Bild der Germanen und zeichnete den Weg vom germanischen Krieger der Zeitenwende zu den germanischen Herrschern des 5. Jahrhunderts nach. Krieg und Konflikte spielten bei diesem Werdegang eine entscheidende Rolle. Vor allem durch sie kam es in den fünf Jahrhunderten nach der Varusschlacht zu tiefgreifenden Veränderungen. Das Imperium Romanum verlor zusehends an Einfluss. In Germanien hingegen bildeten sich allmählich gesellschaftliche Kräfte, die die Führung beanspruchten und wenig später auch die politischen Geschicke der römischen Welt bestimmen sollten.

Was also bewog die Germanen nach der Varusschlacht abermals die Konfrontation mit den militärisch trotz allem überlegenen Römern zu suchen? Die Antwort liegt in Germanien: Es ging um die Macht. Doch wer Macht wollte, brauchte eine große Gefolgschaft kampfbereiter Männer. Und um eine solche Gefolgschaft dauerhaft an sich zu binden, bedurfte es erheblicher Mittel; schließlich mussten die Gefolgsleute verpflegt und bei Laune gehalten werden. In Germanien ließen sich die hierfür erforderlichen Mittel nicht erwirtschaften, Raubzüge waren da vielversprechender – so geriet der wohlhabende Nachbar im Süden abermals ins Blickfeld der Germanen.

Doch die Angriffe der Gefolgschaftskrieger richteten sich nicht nur gegen die römischen Nachbarn. Vom 3. bis zum 5. Jahrhundert erschütterten Kriege den westlichen Ostseeküstenraum. Wo Machtstrukturen erst entstehen sollten, musste es zwangsläufig zu Konflikten kommen. Zu Tausenden wurden die Waffen und Ausrüstung der Besiegten in Seen versenkt. Erst archäologische Ausgrabungen brachten sie ans Tageslicht. Sie liefern uns heute detaillierte Einblicke in Bewaffnung und Aufbau germanischer Kampfeinheiten.

Im Verlauf der Jahrhunderte wurden kriegerische Auseinandersetzungen immer professioneller geführt. Als Söldner im römischen Heer erwarben die Germanen umfassendes Know-how, einige machten Karriere und stiegen sogar zum hochrangigen Offizier und Konflikt-Musov-kl Feldherrn auf – damit erhielten sie weitreichende Kenntnisse in römischer Militärtechnik, Logistik und Verwaltung. Ab dem 5. Jahrhundert entstanden auf römischem Territorium die ersten germanischen Königreiche. Die einstigen »Barbaren« traten das Erbe Roms an, und die üppige Goldausstattung in den Gräbern ihrer Könige lässt kaum Zweifel an dem von ihnen verkörperten Machtanspruch. Damit stellte die Sonderausstellung auch das herkömmliche Germanenbild in Frage. Der germanische Krieger, allzu oft als zotteliger Barbar mit Fellumhang und Hörnerhelm verballhornt, erschien so zunächst als Abenteurer und Glücksritter, am Ende schließlich als gewiefter und mit allen Wassern gewaschener »homo politicus«.

Warum Krieg?

 

 

Herr Stahnke und das Rätsel der Schleuderbleie

Ausstellung zur Varusschlacht von April 2002 bis Januar 2009

Mittelpunkt der Ausstellung war die Entdeckung der Varusschlacht: eine kriminalistische Spurensuche und ein wissenschaftlicher Indizienprozess. Diese Leitideen verkörperte der fiktive archäologische Detektiv »Herr Stahnke«, der mit kurzen Texten den roten Faden durch das Labyrinth der Ermittlung legte. Stahnke fragte, kommentierte, spekulierte und lud den Besucher ein, sich hieran aktiv zu beteiligen. Was bedeuteten die römischen Schleuderbleie und was hat sich hier vor 2000 Jahren wirklich zugetragen – so lauteten seine Fragen. Der erste Ermittlungsschritt führte die Besucher in die Bibliothek und Stahnke zu der Erkenntnis, dass »zu viele Hinweise einem mehr zu schaffen machen können als gar keine. An 700 Orten wurde die Varusschlacht schon vermutet… da macht man sich mit jedem weiteren Vorschlag ja nur lächerlich«.  Doch Stahnke ließ sich nicht entmutigen: »Die Kollegen haben gelacht. Konnte ich ihnen nicht verübeln. Sehe uns noch da stehen – Wiesen und Felder soweit das Auge reicht und nichts in der Hand als ein paar Bleiklümpchen und ein paar fixe Ideen. Doch unser Entschluss stand fest: Wir graben. Später hat keiner mehr gelacht.« Damit begann die eigentliche Spurensuche. Sie führte auf die Grabung, ins Labor, in die umgebende Natur, ins Münzkabinett, in die Geschichte und schließlich in »den Engpass«. Die gespaltenen Schädel und Knochen sowie die unzähligen, mitunter stark zerstörten Funde lieferten wertvolle Informationen, doch vor allem versinnbildlichten sie das unfassbare Ausmaß jener Tragödie, die sich vor 2000 Jahren im Engpass am Kalkrieser Berg ereignete.

Arminius – ein Cherusker wird Nationalheld

Für Stahnke war der Fall klar, nur eine Frage war noch offen: »Arminius hatte Rom viel zu verdanken: seine Erziehung, sein Können, seine Karriere. Und dann legt ausgerechnet er diesen Hinterhalt. Ist so jemand ein Held? Ein Befreier? Ein Verräter?« Stahnke machte sich erneut auf die Suche. Hinweise gibt es viele. Seit Jahrhunderten beflügelte der germanische Held die Phantasie und avancierte im 19. Jh. sogar zum deutschen Nationalhelden. Doch Arminius' eigentlicher Charakter blieb im Dunkel. Er war immer so, wie man ihn brauchte – beherzt, mutig, draufgängerisch und schließlich verzweifelt. Wenn er in der Inszenierung Claus Peymanns der »Hermannschlacht« von Kleist mit letzter Kraft das Schwert hob, bestanden allerdings kaum Zweifel: seine Zeit war abgelaufen. Und was wäre gewesen, wenn Varus gewonnen hätte? –  Mit ungewöhnlichen Fragen und Antworten beendete dieser Kurzfilm die Spurensuche zur Varusschlacht in Kalkriese.

Über die Ausstellung

Die Ausstellung präsentierte auf 600 Quadratmetern mehr als 3000 archäologische Fundstücke, darunter auch das Glanzstück der Sammlung – die römische Maske eines Gesichtshelmes. Konzeption und Ausführung übernahmen Intégral Concept, Paris; Jangled Nerves, Stuttgart, Media Content Hamburg, Art Studio Babelsberg, Potsdam; Médicis, Lyon; Peter Gerdes, Leer und alle Mitarbeiter der »VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese gGmbH«.
2005 erhielt die »VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land gGmbH« den European Union Prize for Cultural Heritage in der Kategorie Archäologische Stätten, den »Nobelpreis für Denkmalpflege«. Der Preis würdigte die Verzahnung von Wissenschaft, Architektur, Landschaft, Museale Präsentation und Populäre Vermittlung. »Für die didaktische und innovative Interpretation eines antiken Schlachtfeldes, das entscheidend war für den Verlauf der europäischen Geschichte und für die Erhaltung und Dechiffrierung seiner minimalistischen Spuren durch eine interdisziplinäre wissenschaftliche Erforschung,« – so formulierte Europa Nostra die Kurzform der Laudatio für den European Heritage Award 2005.

Tinte, Texte, Tacitus

gesprochen – geschrieben – gedruckt
Wie die Rede auf die Varusschlacht kam ...

Sonderausstellung 23. April 2007 bis Ende Oktober 2008

Wenige Jahre nach der verheerenden Niederlage des Jahres 9 n. Chr. erreichten römische Legionäre erneut den Schauplatz der Varusschlacht: »Und nun betraten sie die Unglücksstätte, grässlich anzusehen und voll schrecklicher Erinnerungen«. In seinen Annalen hielt der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus diesen historischen Moment anschaulich fest. Bis heute bildet diese Textpassage eine der Schlüsselszenen für die historische Annäherung an die Varusschlacht.

Dass wir diesen Text heute noch in den Händen halten, ist allerdings reines Glück oder anders gesagt: ein Geschenk der Geschichte. Denn nur wenige antike Texte haben den Weg bis in die Gegenwart gefunden.

Die Sonderausstellung rückte die zentrale literarische Quelle zur Varusschlacht in den Mittelpunkt und erzählte die Geschichte einer Kulturtechnik, die uns so selbstverständlich vorkommt, dass wir sie zu selten würdigen: die Geschichte des Schreibens und der Bücher.

Begleitend zur Sonderausstellung boten eine Führung, das museumspädagogischen Programm »Die gestohlene Schrift« und Thementage mehr zum Jahresthema 2007 »Tinte, Texte, Tacitus«.

Kalkriese - 15 Jahre Archäologie

Sonderausstellung 2005

Als Tony Clunn 1987 im Kalkrieser Boden auf römische Münzen stieß, ahnte keiner, welche Folgen dies haben würde. Doch neugierig geworden, setzten Clunn und die Archäologen der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück die Suche fort und fanden in den Folgejahren das, was den Beginn einer sensationellen Entdeckung darstellte: drei römische Schleuderbleie. Diese Funde zeigten, dass vor fast 2000 Jahren römische Truppen durch Kalkriese marschiert sein mussten. Zwar hatte schon der berühmte Althistoriker Theodor Mommsen die legendäre Varusschlacht an dieser Stelle vermutet, ohne hierfür allerdings »schlagkräftige« Hinweise auf die militärische Anwesenheit der Römer vorweisen zu können.

Nach ersten Voruntersuchungen fiel 1989 im Herbst der Startschuss für die systematischen archäologischen Untersuchungen in der Kalkrieser-Niewedder Senke. Nur einige Monate darauf wurde die Gesichtsmaske eines römischen Reiterhelmes geborgen, wenig später ein erster Abschnitt der Wallanlage. Schritt für Schritt begaben sich die Archäologen auf die Spur der Vergangenheit.

In wenigen Jahren entwickelten sich die Ausgrabungen in Kalkriese zu einem anerkannten Forschungsprojekt mit eigenem Museum und großem Park – im Jahr 2005 Grund genug, nach rund 15 Jahren einen Blick auf die Anfänge zu werfen und den Werdegang dieses außergewöhnlichen Projektes in einer Sonderausstellung »Kalkriese – 15 Jahre Archäologie« Revue passieren zu lassen.

Präsentiert wurde die Ausstellung im Turm und Park des Museums. 11 Themenstationen auf drei Stockwerken boten dem Betrachter einen ausführlichen Überblick zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung, den wichtigsten Entdeckungen und Funden und zur Entwicklung zum Museumspark.

Fortgesetzt wurde die Präsentation im Park. Im Mittelpunkt stand das Thema »Archäologie«. Was ist Archäologie? Seit wann gibt es »Archäologie«? Was haben Riesen mit Großsteingräbern zu tun? Wie werden archäologische Funde entdeckt? Warum gehen Archäologen manchmal in die Luft? Wieso ärgern sich nicht nur Gärtner, sondern auch Archäologen über Maulwürfe? Wie lässt sich mit Bäumen die Zeit messen? Was tun Archäologen im Winter? Was passiert nach der Ausgrabung mit den Funden? Was haben Altpapier und VW-Golf mit Archäologie zu tun? Warum ist »2009« ein besonderes Jahr? 17 Stationen widmeten sich der Geschichte der archäologischen Forschung, stellten alte und neue Grabungstechniken vor, erläuterten naturwissenschaftliche Methoden und ihre Erkenntnismöglichkeiten und zeigten, welche Verfahren in Kalkriese zum Einsatz kommen.

Theodor Mommsen

Sonderausstellung 2003 zum 100ten Todestag des Literaturnobelpreisträgers

»Was ich gewesen bin, oder hätte sein sollen, geht die Leute nichts an« – so bestimmte es Theodor Mommsen 1899 in seinem Testament, vier Jahre vor seinem Tod. Den letzten Willen eines Menschen sollte man achten … Doch bei allem Respekt: Es geht uns etwas an, was und wie Theodor Mommsen gewesen ist. Und das nicht nur, weil er als anerkannter Wissenschaftler schon 1885 anhand römischer Münzfunde die Varusschlacht in Kalkriese lokalisierte, sondern auch, weil er wie kaum ein anderer deutscher Historiker sein Fach und seine Zeit prägte, weil er 1902 als »größter lebender Meister der historischen Darstellung« mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde.

Grund genug also, diesem Menschen, der schon zu Lebzeiten als »geistige Weltmacht des 19. Jahrhunderts« galt, eine Sonderausstellung zu widmen. Theodor Mommsen wurde am 30.11.1817 in einfachen Verhältnissen geboren. Bildung spielte in dem liberalen Elternhaus eine zentrale Rolle. Gut gerüstet kommt Mommsen 1834 an das Königliche Christianeum nach Altona. Doch die Schule kann ihn nicht begeistern. Im April 1838 verlässt er die Schule mit einem exzellenten Zeugnis, um Jura zu studieren. 1843 legte er Examen und Promotion mit Auszeichnung ab.

Nach seinem Studium arbeitete er als Aushilfslehrer im Mädchenpensionat. 1844 erhält er von der dänischen Regierung ein Reisestipendium bekommt. 1847 kehrt er italienbegeistert nach Deutschland zurück. Als Redakteur der »Schleswig-Holsteinischen-Zeitung« setzt er sich im Zuge der Revolution mit Leitartikeln für die liberalen Ideen ein. 1848 wird der 31-jährige Professor in Leipzig. Seinen politischen Idealen bleibt er allerdings treu. So wird Mommsen wegen seines Protestes gegen die Unterdrückung der Einheits- und Freiheitsbestrebungen auf neun Monaten Freiheitsentzug verklagt. Knapp entgeht er der Gefängnisstrafe, doch nicht dem Rausschmiss aus der Universität. 1851 muss er Leipzig verlassen.

Zuflucht findet er in der Schweiz und tritt 1852 in Zürich eine Professur an. Er nimmt sein wohl größtes literarisches Werk in Angriff – die »Römische Geschichte«. 1861 wechselt Mommsen auf den Lehrstuhl für römische Geschichte nach Berlin. Mommsen widmet sich allerdings nicht nur der Wissenschaft. Zeitlebens bleibt er der Politik verbunden und ist der wohl prominenteste Wortführer gegen den aufflackernden Antisemitismus. Doch im Alter beschleicht ihn mehr und mehr Verbitterung angesichts des Scheiterns seiner politischen Ideale. Depressionen fesseln ihn ans Bett. Er findet Zuflucht in der Literatur und bei seiner Familie. Kurz vor seinem Tode ereilt ihn die Krönung seiner wissenschaftlichen Verdienste: der Nobelpreis für die »Römischen Geschichte«. Theodor Mommsen, der Sohn eines evangelischen Landpfarrers ist der erste Deutsche, dem diese Ehre zuteil wird. Am 1.11.1903 stirbt Theodor Mommsen – der Jurist, Historiker, Journalist, liberale Denker, Politiker, Dichter, Nobelpreisträger, Vater von 16 Kindern und liebevolle Gatte Marie Mommsens.

Die Ausstellung im Foyer des Museums präsentierte an zehn Schreibtischen Leben und Wirken Theodor Mommsens. Das ungewöhnliche Konzept, entwickelt in Zusammenarbeit mit Dr. T. Bendikowski und verb, Essen, wurde vom Art Directors Club gewürdigt und für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert.