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Die Architektur

Abstraktion statt Einfühlung

Die architektonische Handschrift verdankt Museum und Park Kalkriese den Schweizer Architekten Anette Gigon und Mike Guyer. Sie entwickelten gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Rainer Zulauf, Lukas Schweingruber und André Seippel das Gesamtkonzept für diesen ungewöhnlichen Ort.

Die Grundidee der Architekten war so einfach wie bestechend: Interpretation statt pseudohistorischer Rekonstruktion – und damit Abstraktion statt Veranschaulichung und Einfühlung. Entstanden ist ein offener Denk- und Assoziationsraum, der den Besuchern einen Rahmen für eigene Gedanken, Ideen und Reflexionen eröffnet.

Wesentliche Merkmale des Konzeptes sind die schlichte Formsprache und das ungewöhnliche Material. Der kompakte Museumskubus ist mit Stahlplatten verkleidet, deren Oberfläche mit Rost bedeckt ist – eine direkte Referenz an die archäologischen Funde. Die auffällige Rostschicht, ein Kennzeichen des fortschreitenden Zerfalls, dient hier als Schutzschicht, die den Stahl vor weiterer Korrosion bewahrt.

Die architektonischen Elemente im Park des Museums – die drei Pavillons, die Stelen des Walls, der Landschaftsschnitt und der vor dem Museum beginnende »Weg der Römer« – führen das Gestaltungskonzept weiter und geben der Vorstellungskraft eine Richtung. Auch hier ist ein offener Raum entstanden, der zwar Impulse liefert, aber auch Platz für Fragen und eigene Interpretationen lässt.