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Funde und Befunde

Archäologen sprechen gerne von »Funden« und »Befunden«. Mit »Funden« sind dabei die einzelnen Fundstücke gemeint. Ein »Befund« beschreibt dagegen die besondere Situation der Auffindung mit allen Eigenschaften einer bestimmten Fundstelle.

Ein »Befund« ist zum Beispiel eine Verfärbung im Erdboden, die dadurch entstand, dass an dieser Stelle der Stützpfosten eines Hauses verwitterte. Der »Befund« kann also wichtige Erkenntnisse liefern, obwohl er keine greifbaren Fundstücke enthalten muss.

Münzen

Seit dem späten 17. Jahrhundert fanden die Bauern zahlreiche Silber- und Goldmünzen aus der Zeit des Kaisers Augustus. Münzen aus Edelmetall sind – im Gegnsatz zu korrodierten Bronzemünzen – im Erdreich gut zu erkennen.

Alle Fundmünzen aus Kalkriese stammen aus der römischen Republik des ersten Jahrhunderts vor Christus und aus der Zeit des Kaisers Augustus. Die jüngsten Münzen wurden bald nach 7 n. Chr. mit einem Gegenstempel des Varus versehen, bevor sie an die Soldaten ausgegeben wurden. Es fällt auf, dass keine der in Kalkriese gefundenen Münzen nach 9 n. Chr. – dem Datum der Varusschlacht – geprägt wurde.

Der Wall

Die aus Grassoden aufgeschichtete Abschnittsbefestigung wurde auf der Südseite – ihrer Rückseite – von Entwässerungsgräben begleitet. Es gab Durchlässe und auf der Kuppe des Walls eine hölzerne Brustwehr, wie Pfostenlöcher belegen. Hier gibt es neue Erkenntnisse! Alles zu den Grabungen und Ergebnissen unter Aktuelles aus Kalkriese

Maultiere

Neben Pferdeknochen gibt es solche von Maultieren, den Trag- und Zugtieren im Tross der Legionen. Eines der verunglückten und vom einstürzenden Wall verschütteten Maultierskelette trug um den Hals eine kleine Glocke aus Bronze. Im Nacken eines anderen Maultierskelettes wurde bei der Ausgrabung eine weitere Glocke gefunden. Diese war allerdings mit pflanzlichem Material ausgestopft. Offenbar hatte man sie behelfsweise als Kappe auf die Deichsel gesetzt.

Die Knochengruben

In den acht bislang gefundenen Gruben sind menschliche und tierische Skelettreste ungeordnet nebeneinander zu finden. Sollte es sich um die notdürftigen Gräber handeln, die die Soldaten des Germanicus im Jahr 16 n. Chr. ihren gefallenen Kameraden bereiteten? Nachdem die Gebeine bereits sechs Jahre unbestattetet auf der Oberfläche gelegen hatten, lagen die Knochen sicher nicht mehr im anatomischen Verband. Die zudem von den Germanen unter Führung des Arminius erneut bedrohten Römer suchten daher wohl rasch alle erkennbaren Knochen zusammen, um wenigstens eine formelle Bestattung zu ermöglichen, bevor sie sich selbst in Sicherheit brachten. Für Überlegungen zur Herkunft der Knochen blieb da keine Zeit.

Bewaffnung und Ausrüstung der Soldaten

Sollte man nicht erwarten, dass auf einem antiken Schlachtfeld viele zerbrochene Waffen und der Besitz der Getöteten zu finden sei? Nein! Die Germanen haben – wie allgemein üblich – nach der Schlacht das Terrain gründlich abgesucht und geplündert. Auch zerbrochene Waffen liefern wertvolles Metall zur Wiederverwendung! Dem Besitz der getöteten Römer erging es nicht anders: Was die Germanen nicht selbst verwenden wollten, wurde als Rohmaterial weiterverarbeitet oder als Handelsware eingesetzt.

Die wenigen, noch heute zu findenden Bruchstücke von Waffen und Ausrüstung sind der Plünderung nur durch besondere Bedingungen entgangen. Vielleicht waren sie bei den Kampfhandlungen in den Boden getreten worden und so für die nächsten 2000 Jahre nicht mehr zu sehen ...

Der Luxus der Offiziere

Dass an den Kämpfen nicht nur einfache Soldaten, sondern auch höherrangige Offiziere beteiligt waren, ist trotz der spärlichen Funde ganz offensichtlich. Wenn der Geldbeutel (mit Gold- und Silbermünzen) es hergab, verzichtete man auch in den fernen Ländern des Barbaricums nicht auf den geschätzten (stadt-)römischen Luxus!

Vom gepflegten Leben der wohlhabenderen Römer zeugt ein bronzenes Weinsieb, mit dem man Gewürze abseihen konnte, der Griff eines reich verzierten silbernen Trinkbechers, ein Silberlöffel und das Bruchstück einer »Millefiori«-, das heißt »Tausend-Blumen«-Trinkschale aus vielfarbigem Glas, wie es sich reiche Leute in der römischen Hauptstadt vorzugsweise kauften. Aber auch eine mit silbernen Beschlägen und geschnittenen Halbedelsteinen verzierte Schwertscheide konnte sich nicht jeder leisten!