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Das Untersuchungsareal

30 Quadratkilometer Forschungsgebiet

Neben den Ausgrabungen auf der Fundstelle Oberesch wurde immer auch die Geländeprospektion fortgesetzt, die dazu dient, die Ausdehnung des Untersuchungsgebietes zu ermitteln, denn wir haben es nicht mit einem kleinräumigen Schlachtfeld, sondern mit einem großräumigen Schlachtareal von mehr als 30 km² zu tun. Es erstreckt sich etwa zwischen dem Hang des Kalkrieser Berges und dem Großen Moor sowie zwischen Hase und Hunte.

Das Untersuchungsareal, 2. Absatz

Die Entdeckung zahlreicher weiterer Fundplätze und die Nachgrabungen an einzelnen Stellen lassen allerdings inzwischen erkennen, dass die Fundstelle auf dem Oberesch bis heute die ertragreichste und aussagefähigste Fundstelle des Untersuchungsgebietes um Kalkriese geblieben ist. Möglicherweise handelt es sich um eine oder gar »die« Hauptfundstelle im Rahmen des ausgedehnten Kampfgeschehens. Dafür spricht neben der großen Zahl von Funden die Lage des Oberesches im Zentrum des Engpasses zwischen Berg und Moor. Deutlich wurde darüber hinaus, dass die römischen Truppen, die von Osten nach Westen zu marschieren versuchten, schon vor dem Erreichen des Oberesches angegriffen worden sind. Zwar gibt es an diesen Stellen keine Befunde aus dem Kampfgeschehen wie den Wall als befestigten Hinterhalt auf dem Oberesch; man muss aber davon ausgehen, dass auch Waldkanten und Strauchverhaue, die heute archäologisch nicht mehr nachweisbar sind, als Hinterhalt genutzt wurden. Es handelt sich offenbar um ein Defileegefecht, d.h. Angriffe in die Flanke des vorbeiziehenden Heeres, das nur versuchen konnte, weiter nach Westen zu kommen. Hier gibt es neue Erkenntnisse! Alles zu den Grabungen und Ergebnissen unter Aktuelles aus Kalkriese

Auch westlich und nordwestlich des Oberesches sind Fundstellen bekannt, die auf Kampfhandlungen zurückzuführen sind – ebenfalls mit sehr viel geringen Fundmengen als der Oberesch. Die jüngsten Forschungen haben gezeigt, dass aus der Anzahl der römischen Funde allerdings nicht direkt auf die Intensität der Kämpfe geschlossen werden darf; dazu bedarf es erst der Analyse der Prozesse, die nach der Schlacht die Überlieferung der Funde beeinflusst haben – ein ganz neuer Ansatz schlachtfeldarchäologischer Arbeiten, für die in Kalkriese Pionierarbeit geleistet werden kann. Beim jetzigen Stand der Auswertung lässt sich jedoch schon sagen, dass wir eine Entwicklung der Kampfhandlungen von intensiven Kämpfen im Osten, bei denen die Logistik des römischen Heeres noch annähernd funktionierte, über heftige Kämpfe auf dem Oberesch hin zu Fluchtbewegungen und nachsetzenden Gefechten im Westen und Nordwesten erkennen können.