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Neue Erkenntnisse bei den Ausgrabungen in Kalkriese

Von Mitte April bis Ende Juli 2018 hat sich das Kalkrieser Archäologie-Team in Kooperation mit der Universität Osnabrück und in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Salvatore Ortisi wieder auf Spurensuche im Museumspark begeben. Nachdem die Forscher in den vergangenen zwei Jahren auf der nördlichen Seite des Museumsparks eine weitere Wall-Graben-Anlage entdeckt haben, ging es dieses Jahr darum, den Befund zu überprüfen und mit dem „Germanenwall“ auf der gegenüberliegenden Seite zu vergleichen. Außerdem ging es darum, gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Härtling und seinem Team vom Institut für Geographie der Universität Osnabrück, durch geoarchäologische Untersuchungen die Landschaftsgeschichte des Ortes besser zu verstehen. Hierzu wurde in einem bis zu 1000 Quadratmeter großen Areal gegraben. Durch ein besseres Verständnis der Landschaft vor, während und nach der Schlacht möchten die Forscher das Kampfereignis im Jahr 9. n. Chr. besser verstehen.

Wie lassen sich Veränderungen durch die Eiszeit, frühe Besiedlungen und Ackerbau und die Bodenveränderungen durch die Plaggenwirtschaft deuten? Und welche Rückschlüsse lassen sich daraufhin auf den Schlachtverlauf ziehen? 15.000 Jahre Landschaftsgeschichte stehen hier einem Ereignis gegenüber, das zwei oder drei Tage gedauert hat.

Erstmals in Kalkriese wird zur Datierung der Befunde die sogenannte optisch stimulierte Lumineszenz (osl-Methode) eingesetzt. Bei dieser aufwendigen Datierungsmethode wird der letzte Belichtungszeitpunkt des gemessenen Festkörpers, z.B. eines Sandkorns, gemessen. Auf diese Weise kann das Alter mit einer Abweichung von etwa 20 Prozent gemessen werden. Die Methode dient als Ergänzung zur Radiokohlenstoffdatierung, der sogenannten C14-Datierung, mit deren Hilfe man vor allem das Alter organischer Materialien bestimmen kann. Die Ergebnisse der aufwendigen Verfahren, werden im nächsten Jahr erwartet.

Bei den diesjährigen Ausgrabungen hat das Grabungsteam um den örtlichen Grabungsleiter Marc Rappe eine Reihe von römischen Funden entdeckt, u.a. einen Schlüssel an einem römischen Fingerring oder eine schön gearbeitete Distelfibel. Wie auch bei anderen Grabungen in Kalkriese üblich, sind zudem viele Fragmente von römischen Ausrüstungsgegenständen aus dem militärischen und zivilen Bereich wie Schwertscheidenringe, Münzen, Knoten- und Kugelfibeln ans Tageslicht gekommen. Viele Funde wurden bei den diesjährigen Grabungen im Block, also zusammen mit dem umgebenden Erdreich geborgen. Auf diese Weise werden komplexe Fundzusammenhänge geschützt und eine anschließende fachgerechte Freilegung gewährleistet.

An der Datierung des Kampfplatzes ändern die Befunde und Funde nichts. Nach wie vor geht das Kalkrieser Wissenschaftlerteam davon aus, dass es sich hier um ein Ereignis im Kontext der Varusschlacht handelt.

Die Grabungskampagne 2018 wurde im Rahmen der Grundförderung durch den Kooperationsvertrag mit dem Land Niedersachsen und der Universität Osnabrück sowie dem Grabungsvertrag mit dem Landkreis Osnabrück ermöglicht. Projektbezogen haben die Stiftung der Sparkasse Osnabrück, die Varus-Gesellschaft, MBN Bau AG und Boels/Rental die diesjährige Grabung unterstützt.