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Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

13. October 2017 | Museumsblog | 3 comments

Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

Money, Money, Money - Ein Blick in die Restaurierungswerkstatt

Dass ich immer genügend Münzen auf meinem Arbeitstisch liegen habe, verdanke ich meinem Kollegen Klaus Fehrs. Unermüdlich grast er mit seinem Metalldetektor die Umgebung des Schlachtfeldes ab. Eine römische Münze ist meistens immer dabei, neben vielen anderen Gegenständen, vor allem Neuzeitlichen. Der Großteil seiner Fundstücke besteht aus Münzen, Knöpfen und Schnallen. Was man eben auf einem Acker so verlieren kann, oder was früher in Zeiten ohne staatliche Müllentsorgung auf dem Misthaufen gelandet ist - und mit dem Mist auf dem Acker.

Ich freue mich über jede Münze die Klaus mir bringt. Über manche mehr, über andere weniger. Denn die Münzen befinden sich in einem sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand. Manchmal ist nur noch ein kleines Fragment vorhanden, und es braucht sehr viel Erfahrung um sagen zu können, dass es sich hierbei mal um ein As, eine römische Kupfermünze gehandelt haben muss. Und dann gibt es die Silber und Kupfermünzen, die fast prägefrisch sind. Die Darstellung auf den Münzen springt einem beim Restaurieren förmlich entgegen, die Kupfermünzen weisen eine geschlossene grünliche Patina auf. Solche Objekte zu restaurieren macht wirklich Spaß und ist zeitlich weniger aufwendig als bei schlecht erhaltenen.

Ich festige die Münzen mit einem mikrokristallinen Wachs, bevor ich sie unter mein Steromikroskop lege und mit einer Kanüle Sandkörner, Schmutz und Korrosion Stück für Stück entferne. Die Festigung führe ich durch, um zu vermeiden, dass sich beim Freilegen Bruchteile von Korrosion und Oberfläche vom Kern der Münze lösen. Die Arbeit geschieht rein manuell. Die Kanüle einer Spritze hat sich für mich zum Arbeiten als praktisch erwiesen, da man mit der feinen Spitze am allerbesten die Bereiche zwischen den Buchstaben und alle Ecken erreichen kann. Das Ziel ist es, die alte Oberfläche wieder freizulegen. Bei den Asses ist es die grüne Patina, eine Art Edelkorrosion, die die ehemals kupferfarbene Oberfläche umgewandelt hat. Dieser Effekt ist bei frisch eingedeckten Kupferdächern, z.B. auf Kirchen zu beobachten. Nach einer Weile färben sich diese grün.

Nach einer Vielzahl von restaurierten Kupfermünzen weiß ich inzwischen, was mich erwartet. Der Großteil unserer Kupfermünzen ist das sogenannte Lugdunum As, benannt nach dem Ort, an dem es geprägt worden ist: Lyon (von den Römern Lugdunum genannt). Auf der Vorderseite, der sogenannten Avers, befindet sich ein Porträt des Augustus im Seitenprofil, nach rechts blickend. Ein wirklich hübsches altersloses Gesicht, ein wohlgeformter Hinterkopf und eine gerade Nase. Es ist bei jedem Porträt aufs Neue eine Freude diese Konturen freizulegen. Der Kopf ist erhaben geprägt und an ihm sieht man auch immer sehr deutlich, ob die Münze längere Zeit im Umlauf gewesen ist. Dann sind die Haarlocken abgescheuert und kaum oder gar nicht mehr sichtbar. Augustus trägt auf seinem Kopf einen Lorbeerkranz, dessen Bänder sich neckisch mit seinen Haarlocken im Nacken kräuseln. Falls es Gegenstempel gibt, findet man sie auf dieser Seite der Münze, sehr oft im Nackenbereich. Auf der Rückseite, der sogenannten Revers, sieht man den Altar der Roma. Daneben, auf Säulen stehend, rechts und links je eine Siegesgöttin, die Victoria. Sie sind einander zugewandt und halten je einen Lorbeerkranz. Diese Bilder in ihren Einzelheiten genau freizulegen dauert je nach Erhaltungszustand von einem halben bis zu zwei Tagen.

Oft werde ich bei Führungen in der Restaurierungswerkstatt gefragt, warum ich die Münzen nicht einfach in Zitronensäure lege. Ich antworte dann immer: „Aus einem ganz einfachen Grund: weil ich die Münzen damit zerstöre.“ Dieser chemische Vorgang geht unkontrolliert von statten und zerstört die Patina, und somit die originale Oberfläche. Außerdem kann man sich bei eingebrachten Chemikalien nie sicher sein, ob man alles aus dem Objekt entfernt hat, und ob nicht in ein paar Jahren das Objekt mit der Chemikalie reagiert und weiter zerstört wird.

Und was zerstört ist, ist unwiederbringlich verloren. Und damit die Informationen, die uns vieles über das Objekt hätten sagen können.

Bei den Silbermünzen, den Denaren, ist es genauso. Auch hier erfolgt die Arbeit mechanisch unter dem Stereomikroskop. Was bei den Kupfermünzen die grüne Patina ist, ist bei den Silbermünzen die Schwarze Sulfitschicht. Ziel ist es nicht, dass die Silbermünzen wieder glänzen. Hier gilt gleichfalls der Leitsatz: Restaurieren heißt nicht wieder neu machen. Etwas anders gestaltet es sich bei den Goldmünzen, den Aurii (Einzahl: Aureus). Als eines der edelsten Metalle korrodiert es fast nicht. Es bildet sich keine Patina, lediglich ein paar Sandkörner haften auf der Oberfläche und in den Prägungen. Das Freilegen einer Goldmünze gestaltet sich relativ einfach: es gibt einen zwei-sekündigen Aufenthalt im Ultraschallbad. Mögen sich die Prägebilder manchmal ähneln, so ist doch keine Münze wie die andere. Sie unterscheiden sich in Material, Erhaltungszustand und durch die Einflüsse der Bodenlagerung. Und so geht man immer wieder mit neuem Blick an die Restaurierung der Münzen heran. Jedes Mal erwartet den Restaurator etwas anderes, aber immer ist es das Ziel, den originalen Zustand wieder herzustellen, und möglichst viele Informationen über das Objekt zu gewinnen.  Und das geht nun mal eben nicht im Akkord.

Von Christiane Matz

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3 comments

11. January 2018 | Team Kalkriese

Danke für das Lob und das Interesse an den Beiträgen in unserem Blog :-)

03. January 2018 | Michael Scheer

Faszinierend, mit wie viel Geduld und Sorgfalt die Fundstücke wieder hergerichtet werden, damit man sie anschließend als Museumsbesucher bewundern kann.

 

Vielen Dank für den interessanten Artikel und weiterhin viel Erfolg!

15. October 2017 | Albert Christensen

Ein toller Artikel

Vielen Dank für eine sehr aufschlussreicher und interessanter Artikel. Ich freue mich immer wenn ich etwas Neues von Ihnen alle höre oder liest. Die neueste Entdeckungen, die jetzt mit der Grabungen ans Tageslicht gekommen ist, sind Wahnsinnig spannend.