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Fundpatentreffen 2018

30. May 2018 | Museumsblog | 0 comments

Fundpatentreffen 2018 – Ein Bericht von Klaus-Jürgen Gran

Fundpatentreffen 2018 – Ein Bericht von Klaus-Jürgen Gran

Als ich am Mittwoch, dem 16. Mai 2018, in Osnabrück in mein Auto steige, um nach Kalkriese zu fahren, ist sie sofort wieder da, diese Spannung! Was werden die neuen Grabungen der Archäologen auf dem Gelände des Parks bisher ergeben haben? Neue Funde, neue Theorien, neue Vermutungen über den hiesigen Ablauf der Geschehnisse vor gut 2000 Jahren? Von Beginn an habe ich die sensationellen Ergebnisse der Ausgrabungen und deren Deutung rund um die Varusschlacht mit Interesse und wachsender Begeisterung verfolgt. Schon im Geschichtsunterricht (bis zum Abitur 1964) hatte das Aufeinandertreffen von Römern und Germanen mich besonders interessiert. Und als langjähriger hoher Reserveoffizier der Infanterie im Deutschen Heer vermochte ich das strategische und taktische Denken und Handeln des Arminius und die daraus resultierende Niederlage der römischen Legionen natürlich auch unter militärisch-fachlicher Sicht zu beurteilen.

Keine Frage also, dass ich schon 2014 der Anregung der „Varusschlacht im Osnabrücker Land“ folgte, eine
Fundpatenschaft zu übernehmen – und auf Dauer beizubehalten. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass die Fundpatenschaft für beide Seiten ein Win-win-Situation ergibt. Die Varusschlacht gGmbH generiert zusätzliche Finanzmittel, die ihr zugute kommen. Die Fundpaten genießen den Vorzug, stets über den Fortgang und die Ergebnisse der aktuellen Grabungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. So auch in diesem Frühjahr! Gegen 16:00 Uhr haben sich etwa ein Dutzend Fundpaten in Kalkriese eingefunden. Sofort geht es zur aktuellen Grabung, die in diesem Jahr eine vergleichsweise riesige Fläche umfasst. Und schon erklärt Grabungstechniker Marc Rappe, dass man bereits auf eine Vielzahl von Fundstücken gestoßen ist, die es freizulegen, zu bergen und auszuwerten gilt. Die meisten Fundstücke im unteren Grabungsbereich sind – keineswegs überraschend – römischer Ausrüstung und Waffen zuzuordnen. Damit bekommen alle Beteiligten – Grabungsleitung, Restauratoren, aber auch die Wissenschaftler der beteiligten Disziplinen – reichlich zu tun. Dabei sind die Grabungsergebnisse des Vorjahres noch nicht einmal, abschießend ausgewertet.

Verdichtet sich die Vermutung eines römischen Marschlagers? Gerät die Version vom „Hinterhalt am Germanenwall“ weiter ins Wanken? Alle vor Ort, Fachleute und Fundpaten, sind sich einig: es bleibt weiterhin spannend! Und es gibt in Kalkriese auf unabsehbare Zeit und viel zu tun und manches Rätsel zu lösen. Nach der Stippvisite bei der aktuellen Grabung führt uns Museumsleiterin Frau Dr. Heidrun Derks durch die vor Kurzem eröffnete neue Sonderausstellung „Götter, Glaube und Germanen“. Ihre profunden Eräuterungen ergänzen die Ausstellung und lassen viele Zusammenhänge deutlicher werden, als wenn man die Ausstellungsstücke ohne Fachkommentar betrachtet. Beim abschließenden Grillimbiss und den begleitenden Gesprächen wird wieder einmal deutlich, mit welcher Begeisterung alle Mitarbeiter der Varusschlacht im Osnabrücker Land in ihren Aufgaben aufgehen. Das ist schon ein großartiges Team!
Nach rund drei Stunden fahre ich wieder in der Überzeugung nach Hause zurück, dass wir Fundpaten ein „absolutes Highlight“ des Osnabrücker Landes unterstützen.

Von Klaus-Jürgen Gran. Notar a.D. und Oberst der Reserve

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